Doktorarbeit am Astrophysikalischen Institut Potsdam

Satellitengalaxien in kosmologischen Simulationen

[kosmologische Simulation]
Ein Galaxienhaufen aus meinen Simulationen
zur Rotverschiebung z=0.9
(Bild erstellt mit PMViewer)
In Zusammenarbeit mit Alexander Knebe arbeite ich an der Auswertung kosmologischer Simulationen, vor allem die Satellitengalaxien haben es mir angetan!
Ich verwende hauptsächlich Daten, die von AMIGA berechnet wurden, einem C-Programm mit adaptiven Gittern, die eine hohe Auflösung garantieren (adaptive mesh refinement).

Ich bastle zwar noch an dem einen oder anderen Projekt, bin aber schon beim Zusammenschreiben meiner Doktorarbeit und werde (hoffentlich!) im nächsten Frühjahr schon fertig werden. Wenn also jemand ein verlockendes Stellenangebot hat (in Forschung oder Industrie) - nur her damit! :-)


Erstes Paper
Zweites Paper
Bildergalerie




Drehrichtung von Satelliten im Haupthalo (Erstes Paper) oben
In den ersten Monaten meiner Doktorarbeit ging es um die Drehrichtung von Satellitengalaxien:
Bewegen sie sich auf ihren Bahnen in dieselbe Richtung, in die sich auch der Mutterhalo dreht? Oder umgekehrt? Oder beides?
Die ausführlichen Ergebnisse haben wir in einem (englischen) Artikel zusammengefasst, der bei MNRAS veröffentlicht wurde. Er ist zu erreichen über die NASA ADS Datenbank mit folgendem Link:

Warnick K., Knebe A., 2006, MNRAS 369, 1253

Für einen kurzen Überblick ist der folgende Vortrag ganz nützlich, gehalten im Mai 2006 auf einer Konferenz in Las Cruces (Galaxies in the Cosmic Web):
Vortrag (pdf, englisch, 1.6 MB)




Gezeitenströme von Subhalos in kosmologischen Simulationen (Zweites Paper) oben
In diesem Artikel haben wir die Gezeitenströme von Satellitengalaxien (eigentlich: der "Subhalos", den kleinen Halos aus dunkler Materie, in denen sich möglicherweise Satellitengalaxien befinden) genauer unter die Lupe genommen. Auch in kosmologischen Simulationen bilden Satellitengalaxien oder Subhalos, die in einen Haupthalo einfallen, zwei Gezeitenarme: einer eilt voraus, der andere hinterher. Interessanterweise lassen sich die Teilchen, die die Arme bilden, allein durch ihre unterschiedliche Energie unterscheiden.
Wir haben nach Wechselbeziehungen zwischen den Eigenschaften der Gezeitenarme und des ursprünglichen Subhalos sowie des Haupthalos gesucht. Allerdings sind die Zusammenhänge doch recht kompliziert und alle Beziehungen eher schwach ausgeprägt. Dennoch kann man die Masse und die Bahn des Satelliten einigermaßen aus seinen Überresten rekonstruieren.
Unser (englischer) Artikel erschien bei MNRAS, der folgende Link führt zum Eintrag in die NASA ADS Datenbank, von der aus man den Artikel (oder die ArXiv-Version) herunterladen kann:

Warnick, K., Knebe, A., Power, C., 2008, MNRAS 385, 1859





Bildergalerie oben
Während meiner Doktorarbeit entstehen auch immer wieder hübsche Bildchen, um das eine oder andere Problem oder Ergebnis zu veranschaulichen. Hier habe ich ein paar Lieblingsbilder mit Erklärungen zusammengestellt.

Großversion
[208 kB]
neues Fenster
Dichte eines Galaxienhaufens.
Alle Details
Idee:
Als Resultat einer kosmologischen Simulation erhät man zunächst nur -zig Gigabyte an Daten, Zahlen über Zahlen in Dateien verpackt. Doch wie sieht denn nun eigentlich so ein Galaxienhaufen einer kosmologischen Simulation aus, der irgendwo in diesen Daten steckt?
Beschreibung:
Zu sehen ist ein Auschnitt aus dem Endergebnis einer kosmologischen Simulation (genauer: eine Projektion in die x-y-Ebene), mit einer Kantenlänge von mehreren Millionen Lichtjahren, zentriert auf einen Galaxienhaufen. Teilchen in sehr dichten Umgebungen sind hell dargestellt, in weniger dichten Umgebungen haben sie eine dunklere Farbe. In der Simulation gibt es nur dunkle Materie, die Farbe ist also willkürlich ausgewählt zur Verdeutlichung des Dichtekontrasts. Die vielen kleinen hellen Objekte entsprechen den Subhalos, auch Satellitengalaxien genannt, die das Zentrum des Haufens umkreisen. Früher oder später werden sie mit dem Hauptobjekt, dem Haupthalo, verschmelzen, so wie viele andere Subhalos vor ihnen.
Großversion
[30 kB]
neues Fenster
Teilchen eines Satelliten.
Alle Details
Idee:
Was passiert mit den Teilchen eines Satelliten, wenn er durch Gezeitenkräfte auseinandergerissen wird?
Beschreibung:
Dargestellt ist hier die räumliche Verteilung der Teilchen einer Satellitengalaxie aus einer kosmologischen Simulation. Weiße und hellgraue Teilchen bilden den Satelliten, während die blauen Teilchen nicht mehr zum Satelliten gehören - sie wurden zu einem früheren Zeitpunkt aus dem Satelliten herausgerissen und bilden nun das "Trümmerfeld" der Satellitengalaxie.
Technische Details:
Bild erstellt mit IDL's xplot3D.
Großversion
[54 kB]
neues Fenster
Die Gestalt eines Haupthalos.
Alle Details
Idee:
Satellitengalaxien, auch Subhalos genannt, bewegen sich im Dunkle-Materie-Halo ihrer Hauptgalaxie. Welche Form hat nun so ein Halo? Ist er kugelförmig oder eher wie ein Ellipsoid (z.B. ein "Football") geformt?
Um das herauszufinden, habe ich die Dichte und das Potential der Teilchen im Haupthalo bestimmt.
Beschreibung:
Die Bilder zeigen eine Auswahl von Halo-Teilchen mit bestimmten Eigenschaften: in der oberen Reihe sind Teilchen dargestellt, die einen bestimmten Potentialwert haben; in der unteren Reihe sieht man Teilchen, deren Umgebung eine Dichte in einem bestimmten Bereich aufweist. Die "dünneren" und "dichteren" Bereiche des Halos sind also abgeschnitten.
Von links nach rechts sieht man verschiedene Projektionen desselben Objektes. Die Farben kodieren wieder den Dichtekontrast.
Bedeutung:
Sehr schön ist zu sehen, dass mit einer Potentialgrenze (obere Reihe) eine glattere Form zustande kommt als mit Hilfe des Dichtekriteriums. Die Ursache liegt darin, dass das Potential praktisch das Integral der Dichte ist - und damit hat es einen wesentlich ruhigeren Verlauf.
Der hier dargestellte Dunkle-Materie-Halo einer Hauptgalaxie, genauer gesagt eigentlich eines Galaxienhaufens, ist kein Einzelfall: all meine Haupthalos haben solche ellipsoidale Gestalt, wobei die Stärke der Elliptizität bzw. Triaxialität von Halo zu Halo variiert.
Großversion
[306 kB]
neues Fenster
Galaxie mit Satellitenströmen.
Alle Details
Idee:
Auf ihrem Weg um das Zentrum der Hauptgalaxie verlieren die Satellitengalaxien immer mehr dunkle Materie, Sterne, Gas und Staub bis sie sich schließlich ganz auflösen. Wie könnte man diese Satellitenströme illustrieren?
Beschreibung:
Hier sieht man eine Illustration einer Scheibengalaxie (Mitte) mit Zwerggalaxien, die auf ihren Bahnen Materie verlieren und schöne Satellitenströme oder Gezeitenarme bilden. Jeder Satellit ist in einer eigenen (willkürlichen) Farbe dargestellt.
Mehr Details:
Als Inspiration für die Galaxie diente ein Bild der Andromeda-Galaxie vom GALEX-Team, Caltech, NASA (z.B.: APOD M31); die Satelliten sind völlig fiktiv eingezeichnet. In Wirklichkeit würden die Gezeitenarme auch selten so dünn bleiben, sondern sich mit der Zeit immer mehr verbreitern und über den ganzen Raum verteilen.
Großversion
[92 kB]
neues Fenster
Gezeitenarme einer simulierten Galaxie
Alle Details
Idee:
Wie sehen die Gezeitenarme einer Satellitengalaxie in einer kosmologischen Simulation aus? Kann man die Teilchen der beiden Arme unterscheiden?
Beschreibung:
Dargestellt ist hier eine Reihe von Bildern zu unterschiedlichen Zeiten einer kosmologischen Simulation, entsprechend einer Rotverschiebung von z = 0.315 (oben links) bis heute (unten rechts). Jedes Bild zeigt die Teilchen einer einzigen Satellitengalaxie. Das Zentrum des zugehörigen Haupthalos befindet sich jeweils in der Mitte des Bildes.
Die Teilchen, die die Satellitengalaxie bilden, sind grau markiert. Blaue Teilchen gehören zum voraneilenden Arm, während die roten Teilchen den nachfolgenden Schweif bilden. Je dunkler ein Teilchen dargestellt ist, umso früher wurde es dem Satelliten entrissen. Der Farbbalken im oberen Bereich gibt die Skala an: ganz dunkle Teilchen haben den Satelliten schon vor 7.9 Milliarden Jahren verlassen!
Die schwarz-graue Linie kennzeichnet die Bahn der Satellitengalaxie. Alle Bilder zeigen die Projektion der Teilchenpositionen vom 3D-Raum in eine Ebene (die y-z-Ebene der Simulationsbox).
Erklärung:
Wenn eine Satellitengalaxie dem Gravitationsfeld einer Hauptgalaxie ausgesetzt ist, dann reißen die Gezeitenkräfte Materie an zwei Seiten heraus, so dass sich zwei Gezeitenarme bilden: einer eilt voraus, der andere läuft hinterher. Ich habe verschiedene Methoden ausprobiert, um Teilchen als "vorauseilend" oder "hinterherlaufend" zu markieren. Wie man sieht, scheint die hier verwendete Methode gut zu funktionieren - blaue und rote Teilchen bilden eindeutig zwei getrennte Schweife! :-)