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Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis am AIP und Verfahren zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten

Präambel

Die Mitarbeiter des AIP fühlen sich den Grundsätzen des wissenschaftlichen Wirkens, wie sie durch den Verhaltenskodex der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) festgeschrieben sind, verpflichtet. Nachfolgend werden in enger Anlehnung an den Verhaltenskodex der DPG und unter Einbeziehung der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) veröffentlichten Empfehlungen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis diese Grundsätze auf das AIP bezogen formuliert.
Die Mitarbeiter des AIP sollen ausschließlich und unmittelbar der reinen und der angewandten astronomischen und (astro)physikalischen Forschung dienen, sowie den Erfahrungsaustausch untereinander und mit ausländischen Kollegen fördern. Sie verpflichten sich für Freiheit, Toleranz, Wahrhaftigkeit und Würde in der Wissenschaft einzutreten und sich dessen bewußt zu sein, dass die in der Wissenschaft Tätigen für die Gestaltung des gesamten menschlichen Lebens in besonders hohem Maße verantwortlich sind. Im Geiste dieser Grundsätze verpflichten sich die Mitarbeiter des AIP, zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis am AIP die folgenden Mindestnormen der Ethik in ihrem Beruf nicht zu verletzen.

 

Gemeinschaft der Wissenschaftler

Jeder Wissenschaftler am AIP versteht sich als Mitglied der Gemeinschaft der Wissenschaftler und teilt deren besondere Verantwortung gegenüber künftigen Generationen. Die Mitarbeiter des AIP unterstützen die Entwicklung der Wissenschaft. Dazu anerkennen und beachten sie das für alle Wissenschaften in allen Ländern gültige Grundprinzip der Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und anderen. Das AIP verurteilt wissenschaftliches Fehlverhalten und ächtet sowohl Betrug in der Wissenschaft als auch deren vorsätzlichen Mißbrauch.

 

Forschungsergebnisse

Forschungsergebnisse müssen reproduzierbar sein und/oder nachvollziehbar dokumentiert werden. Die Leiter von Forschungsgruppen müssen durch angemessene Organisation gewährleisten, daß ihre Mitarbeiter ihre Forschungsergebnisse vor der Publikation ausreichend kommunizieren und diskutieren. Begründete Ausnahmen, etwa zum Patentschutz, müssen möglich gemacht werden. Nach der Publikation der Ergebnisse müssen die dokumentierten Daten auf haltbaren und gesicherten Träger 10 Jahre aufbewahrt werden.
Das Erfinden von Daten sowie das Fälschen und das Plagiieren von Daten und Texten ist wissenschaftliches Fehlverhalten und Betrug in der Wissenschaft.

 

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

Wissenschaftliche Veröffentlichungen gehören sowohl zu den Existenzgrundlagen des Wissenschaftlers als auch zu seiner Pflicht gegenüber der Gesellschaft, die seine Forschung finanziert. In den Veröffentlichungen müssen die verwendeten Methoden und die Ergebnisse in angemessener Form beschrieben werden. Eigene und fremde Vorarbeiten müssen korrekt zitiert sein. Alle Autoren einer wissenschaftlichen Veröffentlichung tragen die Verantwortung für deren Inhalt gemeinsam. Ausnahmen sollen kenntlich gemacht werden. Alle Wissenschaftler, die wesentliche Beiträge zur Idee, Planung, Durchführung oder Analyse der Forschungsarbeit geleistet haben, sollen die Möglichkeit haben Koautoren zu sein. Personen mit kleinen Beiträgen werden in der Danksagung erwähnt. Die Leitung eines Forschungsinstituts oder einer Arbeitsgruppe beinhaltet für sich noch nicht das Recht Koautor zu sein.
Falls es sich ergibt, dass eine Publikation einen Irrtum enthält, insbesondere hinsichtlich der verwendeten Daten, die nicht vollständig in der Veröffentlichung wiedergegeben werden können, muß dies in einem Erratum veröffentlicht werden.

 

Begutachtungen

Die ehrenamtliche Begutachtung von Forschungsprojekten, von wissenschaftlichen Veröffentlichungen und von Prüfungsleistungen sowie die Mitwirkung an Berufungsverfahren sind wesentliche Elemente zur Erzielung eines hohen Standards in der Wissenschaft. Der Originalität, der wissenschaftlichen Tiefe und der Eigenständigkeit sollen höchste Priorität bei der Beurteilung eines Wissenschaftlers eingeräumt werden. Die Anzahl seiner Veröffentlichungen kann allein kein Maß für wissenschaftliche Qualität sein.
Die wissenschaftlichen Mitarbeiter des AIP verpflichten sich grundsätzlich zur Mitwirkung an Begutachtungs- und Berufungsverfahren und in jedem Falle zur Wahrung der Vertraulichkeit der ihnen anvertrauten Unterlagen. Sie müssen sich ihrerseits auf diese Unterlagen verlassen können. Sie dürfen an einem Begutachtungs- oder Berufungsverfahren nur mitwirken, wenn sie sich selbst zur gründlichen und fairen Beurteilung in der Lage befinden. Anvertraute Unterlagen dürfen nicht zum gezielten eigenen Vorteil des Gutachters verwendet werden.

 

Ausbildung

Bei der Ausbildung und fachlichen Förderung/Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist sicherzustellen, daß die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis vermittelt und auf deren Einhaltung besonderes Augenmerk gelegt wird.

 

Interessenkonflikte

Sachliche Interessenkonflikte sind auch unter Wissenschaftlern nicht vermeidbar. Diese sollten offengelegt werden. Zur Schlichtung von Streitigkeiten oder Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Tätigkeit wird ein von dem Internen Wissenschaftlichen Komitee (IWK) des AIP bestimmte Vertrauensperson (Ombudsmann) eingesetzt. Das IWK ist ein im Einklang mit der Stiftungssatzung des AIP frei von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts gewähltes Gremium zur Unterstützung des Stiftungsvorstandes in Fragen der wissenschaftlichen Arbeit und wissenschaftlichen Zielsetzung des AIP. Die Vertrauensperson soll dem Kreis der Wissenschaftler am AIP angehören. Leitende Wissenschaftler des AIP (Wiss. Vorstand, Abteilungs- und Arbeitsgruppenleiter) sind nicht zu berufen. Die Vertrauensperson übt ihr Amt ehrenamtlich, unabhängig und frei von Weisungen aus. Die Amtszeit beträgt 3 Jahre, Wiederberufung ist zulässig.

 

Verfahren zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten


  1. Besteht der begründete Verdacht eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens so ist der Vorstand des AIP zu informieren. Vorwürfe und Begründung sind schriftlich festzuhalten.
  2. Ist der wissenschaftliche Vorstand selbst von einem solchen Verdacht des wissenschaftlichen Fehlverhaltens betroffen, so ist der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats zu informieren. Dieser entscheidet über das weitere Verfahren.
  3. Der Wissenschaftliche Vorstand bzw. der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats ist gehalten, gegebenenfalls unter Hinzuziehung unbefangener Mitarbeiter des AIP oder auswärtiger Gutachter, alle Tatsachen, die für den geäußerten Vorwurf relevant sind, zu ermitteln.
  4. Der/dem vom Verdacht des Fehlverhaltens Betroffenen soll spätestens eine Woche nach Erhebung des Vorwurfs Gelegenheit zu einer umfassenden Stellungnahme gegeben werden. Dazu sind ihr/ihm alle Informationen, die zu dem Vorwurf geführt haben, zugänglich zu machen.
  5. Es liegt im Ermessen des Wissenschaftlichen Vorstands bzw. des Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats, Namen von Informanten zunächst nicht offenzulegen. Befinden sich Personen, die Vorwürfe vorbringen, in einem Abhängigkeitsverhältnis zu der/dem vom Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens Betroffenen, haben sie grundsätzlich das Recht auf Anonymität während der Untersuchung und solange der Vorwurf als gerechtfertigt gelten kann.
  6. Für seine Stellungnahme ist dem Betroffenen eine Frist von mindestens 10 Tagen zu gewähren.
  7. Aufgrund der Ermittlungen und der Stellungnahme der/des Betroffenen hat der Vorstand bzw. der Wissenschaftliche Beirat zu entscheiden, ob wissenschaftliches Fehlverhalten als erwiesen zu gelten hat.
  8. Kann der Vorstand bzw. Wissenschaftliche Beirat zu keiner abschließenden Einschätzung gelangen oder sieht er sich Befangenheitsvorwürfen seitens der/des Betroffenen ausgesetzt, kann er die Untersuchung an den Untersuchungsausschuss der WGL verweisen.
  9. Der/dem vom Vorwurf Betroffenen sind unabhängig von ihren/seinen zu wahrenden Persönlichkeitsrechten alle Möglichkeiten zu eröffnen, jederzeit Umstände oder Sachverhalte anzuführen bzw. Material beizubringen, das er zu seiner Entlastung benötigt. Er kann jederzeit alle Unterlagen einsehen und Auskunft verlangen soweit nicht Punkt 6. berührt ist.
  10. Ist der Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens zu bejahen, dann hat der Vorstand bzw. der Wissenschaftliche Beirat u.a. über arbeitsrechtliche-, zivilrechtliche- und strafrechtliche Konsequenzen zu entscheiden.
  11. Erweist sich dagegen der Vorwurf wissenschaftlichen Fehlverhaltens als unbegründet, dann sind alle Schritte zu unternehmen, um das gegebenenfalls bereits geschädigte Ansehen der/des Betroffenen wieder herzustellen.

 

Inkrafttreten

Die "Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis am AIP und Verfahren zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten" treten mit der institutsinternen Bekanntgabe in Kraft.

Potsdam, den 29.04.2002