Der erfolgreiche Abschluss der Restaurierung des Großen Refraktors und der Kuppel im Jahr 2006 fällt zusammen mit dem 100. Geburtstag von Prof. Dr. Johann Wempe. In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg war J. Wempe verantwortlicher Mitarbeiter und Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam. Sein fortdauerndes Bemühen um Ergänzung und Modernisierung der instrumentellen Ausrüstung des Observatoriums schloss auch den Großen Refraktor ein. Der Erhaltung der Funktionalität des Instruments widmete er sich mit viel Engagement, mit den zunehmenden ökonomischen und wissenschaftspolitischen Zwängen Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde sein Bemühen jedoch zunehmend eingeengt und schließlich zum Erliegen gebracht. Nach der "Wiedererweckung" des Großen Refraktors möchte der Förderverein an J. Wempe erinnern, dessen leitende wissenschaftliche Tätigkeit eng mit dem Instrument verbunden bleibt.
Johann
Wempe wurde am letzten Tag des Jahres 1906 in Bremen geboren. Schon
während seiner Schulzeit begeisterte er sich in einer
Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule für die Astronomie,
deren Studium er 1925 in Göttingen bei Hans Kienle begann. In
seiner Doktorarbeit "Beiträge zur photographischen
Spektralphotometrie" aus dem Jahr 1932
und später in seiner Habilitationsschrift
"Die Wellenlängenabhängigkeit der atmosphärischen Extinktion"
von 1944 behandelte J. Wempe die
Schwierigkeiten und vielfältigen Einflüsse, die beim Anschluß
der Sterntemperaturen an die Temperaturskala der Physik auftreten.
In seinem gesamten wissenschaftlichen Leben spielte
diese Thematik eine große
Rolle und ließ ihn zu einem international anerkannten Experten auf
diesem Gebiet werden. Nach den Stationen Heidelberg und Jena
wurde J. Wempe 1944 Mitarbeiter am Astrophysikalischen Observatorium
Potsdam, dessen Leitung sein Göttinger Lehrer H. Kienle
inzwischen übernommen hatte. Es folgten nun intensive
Arbeitsjahre, in denen er verantwortungsvolle Aufgaben übertragen
bekam, von denen nur einige genannt werden sollen: Lehre an der
Berliner Humboldt-Universität mit der Betreuung von Diplomanden
und Doktoranden, Schriftleiter der Fachzeitschrift
"Astronomische Nachrichten",
Berufung zum Direktor des Astrophysikalischen
Observatoriums Potsdam sowie Mitgliedschaft und aktive Mitarbeit in
wissenschaftlichen Gremien, wobei hier besonders seine Beteiligung
beim Aufbau des
Karl-Schwarzschild-Observatoriums in Tautenburg
erwähnt werden muss. J.Wempe verstarb im Jahr 1980. In allen
Jahren übte er seine wissenschaftlichen Ämter mit hohem
Verantwortungsbewusstsein aus und alle Schüler und Mitarbeiter
danken es ihm, dass er sie mit seiner kritischen Denkweise zu
wissenschaftlicher Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Disziplin
erzogen und angehalten hat. Seine Verantwortung gegenüber den
ihm anvertrauten Mitarbeitern zeigte sich noch nach seinem Tod darin,
dass Institut und Mitarbeiter mit einem bedeutenden finanziellen Erbe
bedacht wurden. In der Verleihung des
Wempe-Preises, den das
Astrophysikalische Institut Potsdam in der Regel jährlich
Wempe-Preises, den das
Astrophysikalische Institut Potsdam in der Regel jährlich
verleiht, erhält J. Wempes Wirken heute eine namentliche
Würdigung.
G. Scholz


J. Wempe mit Garten- und Reinigungspersonal (Archiv H. Strohbusch)

J. Wempe im Festumzug der Humboldt Universit� Berlin (Archiv H.Strohbusch)

100. Geburtstag von J. Wempe (Foto H. Strohbusch)