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change 2009 June 26, F. Breitling
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Solare Radiophysik -
Forschungsbereich Bereich I |
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LOFAR
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LOw Frequency ARray |
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© 2008 Spektrum der Wissenschaft/Emde-Grafik
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LOFAR
ist ein neuartiges Radioteleskop für den Frequenzbereich von 30 -
240 MHz. Es wird derzeit von ASTRON bei Exloo in den Niederlanden
aufgebaut. In seiner ersten Ausbauphase besteht es aus etwa 40
Sensorfeldern, von denen rund 20 in einem kompakten Kern mit 2 km
Durchmesser bei Exloo stehen. Die übrigen Stationen sind weiter
entfernt und bilden näherungsweise logarithmische Spiralen in den
nördlichen Niederlanden. Dadurch werden Basislinien von bis zu 100
km erreicht.
Eine LOFAR-Station besteht aus zwei
Feldern von ca. 60 x 60 m, auf denen Antennen für niedrige (30 -
80 MHz) und hohe (120 - 240 MHz) Frequenzen verteilt sind. Die Antennen
sind einfache Dipolantennen. Die Lücke von 80 - 120 MHz spart den
Bereich des UKW-Radios aus, in dem Beobachtungen aufgrund des starken
Störhintergrunds nicht möglich sind.
Bei "herkömmlichen"
Radiointerferometern zeigen Parabolantennen auf das Beobachtungsobjekt
am Himmel. Die Signale der einzelnen Antennen werden mit geeigneten
Zeitverzögerungen korreliert und ein Radiobild erzeugt. Mit diesem
Verfahren kann zur selben Zeit nur eine Radioquelle auf einer Frequenz
beobachtet werden. LOFAR
verfolgt einen anderen Ansatz. LOFAR verwendet nur einfache
Dipolantennen die im wesentlichen den ganzen Himmel abdecken. An jeder LOFAR-Station werden
die Signale digitalisiert und zum Central Processing System (CPS) in
Groningen geschickt. Erst dort erfolgt die Korrelation und weitere
Verarbeitung der Daten. Dieser Ansatz verleiht LOFAR eine hohe Flexibilität und
erlaubt die gleichzeitige Beobachtung in bis zu 8 verschiedenen
Richtungen am Himmel. Die langen Basislinien von LOFAR erlauben Auflösungen im
Bogensekundenbereich bei langen Wellenlängen, und die große
Empfangsfläche aller LOFAR-Stationen zusammen führt
zu einer Empfindlichkeit im Bereich von mJy. Damit geht LOFAR sowohl in
Auflösung als auch Empfindlichkeit deutlich über bestehende
Radioteleskope hinaus.
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LOFAR Key
Science Projects
LOFAR
ist mit seiner hohen
Empfindlichkeit und Flexibilität für unterschiedlichste
wissenschaftliche Fragestellungen geeignet, vom frühen Universum
bis zum erdnahen Weltraum. Durch sog. "Key Science Projects" werden
einige Schwerpunkte gesetzt:
- Solare
Physik und Weltraumwetter
Die Sonne ist eine intensive Radioquelle. Ausbrüche solarer
Radiostrahlung hängen mit den Phänomenen der aktiven Sonne,
wie Flares und koronale Massenauswürfen, eng zusammen. Die
Sonnenaktivität hat erhebliche Auswirkungen auf die Erde und den
erdnahen Weltraum. Diese Zusammenhänge werden unter dem Begriff
"Weltraumwetter" zusammengefasst. Im Key Science Project
"Solar Physics and Space Weather with LOFAR" werden diese Phänomene untersucht.
- Ära der
Reionisation
LOFAR
wird in der Lage sein, die 21 cm
- Linie des neutralen Wasserstoffs aus der Zeit der Reionisation des
frühen Universums zu empfangen. Auf diese Weise werden
Informationen über die ersten Sterne und Galaxien, sowie über
Strukturbildung im Universum gewonnen.
- Tiefe Extragalaktische Surveys
LOFAR
wird mit seiner hohen Empfindlichkeit den Himmel kartieren und
Radioquellen katalogisieren. Die Anwendungen reichen von Schwarzen
Löchern über Galaxien bis hin zu Galaxienhaufen. Mit der
Entdeckung bisher unbekannter Objekte ist zu rechnen.
- Transiente
Ereignisse
Durch regelmäßige
Durchmusterungen eines großen Teils des Himmels können
veränderliche Radioquellen und transiente Ereignisse identifiziert
werden. Kandidaten für Radiostrahlungsausbrüche sind z.B.
Flare Stars, Röntgendoppelsterne, Supernovae und
Gammastrahlungsausbrüche.
- Kosmische
Magnetfelder
Teilchen der kosmischen Strahlung senden in den schwachen Magnetfeldern
von Galaxien Synchrotronstrahlung aus, die mit LOFAR beobachtbar ist.
Dadurch lassen sich die Magnetfelder in entfernten Galaxien bestimmen,
und
Informationen über ihre Dynamik gewinnen.
- Ultra-Hochenergetische
Kosmische Strahlung
Hochenergetische Teilchen der
kosmischen Strahlung lösen bei ihrem Auftreffen auf Atome in der
irdischen Atmosphäre eine Kaskade von Sekundärteilchen aus,
die einen Radiostrahungsblitz aussenden. Durch Beobachtungen dieser
Blitze mit LOFAR lassen sich
Rückschlüsse auf die Quellen
der kosmischen Strahlung ziehen.
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Solare Radioastronomie mit LOFAR |
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Solare Radiostrahlung im LOFAR-Frequenzbereich stammt aus der
mittleren und oberen Korona der Sonne. Damit, sowie seiner
Fähigkeit Radiobilder zu erzeugen, ist LOFAR hervorragend geeignet z.B. die
Auslösung von koronalen Massenauswürfen (coronal mass
ejections, CMEs) zu verfolgen und ihre mögliche Auswirkungen auf
die Erde abzuschätzen. Dieses ist für Untersuchungen des Weltraumwetters
von großer Bedeutung.
Im Bereich niedriger
Frequenzen beobachten nur wenige abbildende Instrumente die Sonne, z.B.
der
Radioheliograph in Nancay, Frankreich, im Frequenzbereich von 150 -
432 MHz und einer räumlichen Auflösung von bis zu 1'. LOFAR wird die
Beobachtungsmöglichkeiten deutlich erweitern und den
Frequenzbereich zu niederen Frequenzen bis zu 30 MHz erweitern. Durch
die gleichzeitige Beobachtungen in verschiedenen Frequenzen, d.h.
unterschiedliche Höhen in der Korona, lassen sich bisher
unerforschte Strukturen in koronalen Radioquellen untersuchen. LOFARs
Flexibilität ermöglicht verschiedene Beobachtungsmodi, die
auf unterschiedliche wissenschaftliche Fragestellungen zugeschnitten
sind:
- Reaktion auf solare
Radiobursts
Da die Steuerung von LOFAR im wesentlichen in Software
realisiert ist, kann schnell auf Änderungen der
Sonnenaktivität reagiert werden. Wenn durch einen kontinuierlich
arbeitendes Radiospektrometer, z.B. das
Observatorium für solare Radioastronomie in Tremsdorf, ein
Radioburst registriert wird ("Burst-Klingel"), können
Folgebeobachtungen mit LOFAR,
z.B. Bilder in schneller Folge auf verschiedenen Frequenzen,
ausgelöst werden.
- Langfristige
Beobachtung der Sonnenaktivität
Als langfristiger Routinebeobachtungsmodus bieten sich Radiobilder der
Sonne auf verschiedenen Frequenzen mit einer Sequenz von 1 Bild pro
Minute an. Damit lässt sich die Entwicklung im Vorfeld eines
solaren Radiobursts untersuchen. Solche Beobachtungen stellen eine
wertvolle Ergänzung der regelmäßigen optischen
Beobachtungen, z.B. der H alpha - Bilder des Kanzelhöhe Solar Observatory,
dar.
- Untersuchungen des
Weltraumwetters
Die Phänomene der aktiven Sonne,
wie Flares und CMEs, können erhebliche Auswirkungen auf die Erde
und den erdnahen Weltraum haben. Diese Zusammenhänge werden
üblicherweise Weltraumwetter (link!) genannt. LOFARs Frequenzbereich entspricht
Radiostrahlung aus der oberen Korona der Sonne, also der Region in der
CMEs in Richtung interplanetarer Raum starten. Durch LOFAR-Radiobilder eines entstehenden
CMEs lassen sich seine möglichen Auswirkungen auf die Erde
abschätzen.
- Beobachtungskampagnen
Um die physikalischen Vorgängen in Flares und CMEs besser zu
verstehen, sind gleichzeitige Beobachtungen in unterschiedlichen
Frequenzen sinnvoll. So senden hochenergetische Elektronen in der
Sonnenatmosphäre nicht nur Radiowellen, sondern auch
Röntgenstrahlen aus, während die Aufheizung der Korona in
einem Flare zur Emission von EUV-Strahlung führt, und die
Auswirkungen des Flares auf die Chromosphäre im optischen Bereich
und in Millimeterwellen beobachtbar sind. Daher sind gemeinsame
Beobachtungskampagnen mit Röntgenteleskopen wie der japanischen
Hinode oder dem zukünftigen Solar Dynamics Observatory der
NASA ebenso sinnvoll, wie mit optischen Teleskopen wie GREGOR
oder Radioinstrumenten im Millimeterbereich wie ALMA.
Für CME - Beobachtungen bieten sich gemeinsame Beobachtungen von LOFAR und
weltraumgestützten Radioempfängern an, da die Frequenz der
Radiostrahlung von CMEs mit zunehmender Entfernung von der Sonne
abfällt, und Frequenzen unterhalb von 10 MHz aufgrund der
ionosphärischen Reflektion nicht von der Erdoberfläche aus
beobachtbar sind. Ein Beispiel für eine solcheWeltraummission ist STEREO.
- Einzelstation aus
Spektrometern
Neben den bisher genannten Beobachtungsmodi, bei denen das gesamte LOFAR-System
verwendet wird, besteht auch die Möglichkeit mit nur einer Station
die Sonne zu beobachten. Dieser Fall tritt z.B. dann ein, wenn ein
Beobachtungsprogramm nur Stationen im zentralen Kern verwendet, und die
Station in Bornim verfügbar ist. In diesem Fall wird das
Radiospektrum der Sonne in ausgewählten Frequenzintervallen ab 30
MHz beobachtet und das LOFAR-System
optimal genutzt.
Nähere
Informationen zur solaren Radioastronomie mit LOFAR finden sie in unserer
Broschüre
Solar Physics with LOFAR (PDF, 1071 KB).
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Weitere wissenschaftliche Interessen an LOFAR am AIP |
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LOFAR
ist ein leistungsfähiges und flexibles Radioteleskop, das für
eine Vielzahl von wissenschaftlichen Fragestellungen einsetzbar ist. In
den beiden Abteilungen des AIP
gibt es neben
der Sonnenphysik Interesse an folgenden Themen:
- Solar-stellar
connections
Die Sonne ist der einzige Stern, der von der Erde aus direkt mit
abbildenden Teleskopen beobachtet werden kann. Untersuchungen der Sonne
als typischem Hauptreihenstern sind somit auch von großem
Interesse für die stellare Astrophysik.
- Extragalaktische
Astronomie
LOFAR wird die Entstehung und
Entwicklung von Galaxien, Galaxienhaufen, und aktiven Galaxienkernen
(active galactic nuclei, AGNs), sowie die Phase der Reionisation der
Materie im frühen Universum durch die UV-Strahlung der ersten
Sterne und Quasare, untersuchen.
- Galaktische
Astronomie
LOFAR wird die Absorption und
Polarisation von Radiowellen im interstellaren Medium, sowie die
Schockwellen und damit verbundene Teilchenbeschleunigung an
Supernova-Überresten, beobachten.
- Himmelsdurchmusterungen
LOFAR wird Radiokarten des gesamten
von Mitteleuropa aus beobachtbaren Himmels in bisher unerreichter
Empfindlichkeit und Auflösung erstellen. Dabei ist die Entdeckung
vieler neuer Radioquellen zu erwarten.
- GRID - Computing
Bei LOFAR-Beobachtungen fallen
große Datenmengen an, zu deren Bearbeitung und Speicherung eine
geeignete Infrastruktur erforderlich ist. Hierzu ist GRID-Technologie erforderlich, z.B.
dCache. Daher sind GRID-Computing und
E-science wesentliche Bestandteile des LOFAR-Projekts.
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LOFAR-Stationen in Deutschland - GLOW |
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Eine Gruppe deutscher Institute mit Interesse an LOFAR, wie z.B. das AIP oder das MPI für
Radioastronomie haben das German
LOng Wavelength consortium (GLOW) gegründet. |
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Geplante LOFAR-Stationen in
Deutschland sowie der zentrale Kern in Exloo (Niederlande).
Zeichnung: D. Lehmann, AIP
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Die vorangegangene Abbildung zeigt eine Karte mit den
geplanten LOFAR-Stationen
in Deutschland. Durch diese und weitere Stationen in Mitteleuropa
werden Basislinien von bis zu 1000 km erreicht, und das
Auflösungsvermögen von LOFAR weiter verbessert.
Die vom MPI für
Radioastronomie betriebene LOFAR-Station
in Effelsberg hat bereits ihren
Betrieb aufgenommen.
Weitere Informationen zu den LOFAR-Aktivitäten
in Deutschland sind
unter www.lofar.de zu finden.
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LOFAR - Station des AIP in Bornim |
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Luftaufnahme des geplanten Standorts der LOFAR-Station des AIP bei Bornim.
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Das AIP
plant eine LOFAR-Station
in Bornim bei Potsdam aufzubauen. Die vorangegangen Abbildung zeigt
eine Luftaufnahme des Standortes. Die roten Quadrate stellen jeweils
Antennenfelder von 60 m x 60 m für die niedrigen (30 - 80 MHz, LB)
und von 50 m x 50 m für die hohen (120 - 240 MHz, HB) Frequenzen
dar. Dieser Standort hat den Vorteil, dass über das benachbarte Institut für
Agrartechnik Bornim (ATB) die für den Stationsbetrieb
notwendige schnelle Datenverbindung von 2 GBit/s realisiert werden kann. |
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