Am 28. Oktober 2003 fand in einer großen Sonnenfleckengruppe nahe der Mitte
der Sonnenscheibe die zweitgrößte im aktuellen solaren Aktivitätszklus
beobachtete Eruption statt. Sie führte zu kurzzeitig stark erhöhter
elektromagnetischer Ausstrahlung vom Radio- bis in den Röntgenbereich, zum
Auswurf einer sehr schnellen Wolke solaren Plasmas (geschätzt 1000-2000
km/s) und zur Emission energiereicher Protonen und Elektronen, die nahezu
Lichtgeschwindigkeit (300000 km/s) erreichten und sich durch das
Sonnensystem ausbreiten. Alle drei Komponenten stellen keine unmittelbare
Gefahr für Lebewesen auf der Erde dar, da sie von der Erdatmosphäre bzw.
vom Erdmagnetfeld weitgehend abgeschirmt werden (lediglich frei im Weltraum
arbeitende Astronauten wären bedroht). Allerdings erwarten wir beim
Auftreffen der Plasmawolke auf den magnetische Schutzschild der Erde (die
Magnetosphäre) eine starke Wechselwirkung, die elektrische Netzwerke auf
der Erde, den Funkverkehr und elektronische Systeme auf Satelliten
beeinträchtigen und (mit ein wenig Glück) zur Ausbildung von Nordlichtern
bis hinab in unsere mittleren Breitengrade führen kann. Die Plasmawolke
breitet sich in Erdrichtung aus, deshalb sind ihre Geschwindigkeit und der
Zeitpunkt des Auftreffens nur schwer abzuschätzbar. Es wird in der Nacht
vom 29. zum 30. Oktober erwartet.
(Bernard Kliem)
Am 2.11., 17:25 UT trat erneut ein sehr starker Flare auf (X8). Heute
folgten zwei immer noch starke bis sehr starke Ereignisse (X2 um 01:30 UT
und X4 um 09:55 UT). Der X8-Flare löste einen koronalen Massenauswurf aus,
der die Erdmagnetosphäre heute am zeitigen Abend erreichen könnte und uns
eine erneute Aussicht auf Nordlichter in Potsdam und Berlin beschert. Auch
morgen, am 4.11., besteht wegen der beiden nachfolgenden Flares eine
Chance.
Bernhard Kliem
Heute gab es erneut einen ausserordentlich grossen solaren Flare,
vermutlich noch stärker als am 28. Oktober.
Da er am Westrand der Sonne auftrat - evtl. als Abschiedsgruss einer
ungewöhnlich aktiven Region -, wird die Einwirkung auf die
Erdmagnetosphäre voraussichtlich geringer bleiben, dennoch gibt es
am Mittwoch abend nochmals eine gewisse Aussicht auf Nordlichter
in unseren Breiten. Einige beeindruckende Beispiele finden Sie z.B.
unter
science.nasa.gov/spaceweather/aurora/gallery_01oct03.html.
Bernhard Kliem