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Am 30. Juni 2004 jährt sich zum fünfzigsten Mal der
Beginn erfolgreicher Beobachtungen der Sonne im Bereich der Radiofrequenzen auf dem heute zum AIP
gehörenden Messfeld in der Nähe der Ortschaft Tremsdorf bei Potsdam.
Die Anfänge
Herbert Daene, der damals am Astrophysikalischen
Observatorium Potsdam tätig war, hat diesen Standort - nach ersten Versuchen mit einer 7,5 m
Parabolspiegel-Antenne auf dem Gelände der Sternwarte Babelsberg im Jahre
1953 - ausgewählt, um die Bedeckungskurve der Radiosonne bei der
partiellen Finsternis vom 30. Juni 1954 auf der Frequenz 176 MHz aufzunehmen.
Unser Bild zeigt dieses erste Messergebnis, das zum Ausgangspunkt der
Entwicklung des "Observatoriums fuer solare Radioastronomie Tremsdorf" wurde.
Heute arbeitet hier das automatische Spektralpolarimeter im Frequenzbereich
40-800 MHz. Die Messergebnisse dienen der Erforschung von Plasma und
Magnetfeld in der Sonnenkorona sowie der hochenergetischen Komponente der
Sonnenaktivität. Das ist ein wichtiger Zugang zur Frage der
Teilchenbeschleunigung im Kosmos.
Einflüsse auf die Erde
Störungen in Satelliten, Flugzeugen, medizinischen Geräten oder bei der Nachrichtenübertragung können unser Leben in hohem Maße beeinflussen. Eine Ursache solcher Fehlfunktionen stellt unsere Sonne dar. In Sonnenausbrüchen, auch Flares oder Eruptionen genannt, werden einerseits energiereiche Teilchen wie Elektronen, Protonen und schwere Ionen erzeugt. Andererseits werden große Mengen Materie in den interplanetaren Raum hinausgeschleudert - ein Prozess, der als Coronal Mass Ejection (CME) bezeichnet wird. CMEs können die Erde 1-2 Tagenach dem Ausbruch treffen und das Erdmagnetfeld zusammenstauchen. So erzeugte Magnetfeldstürme können die Navigation im Flug- und Schiffsverkehr stören. Die energiereichsten Teilchen gelangen innerhalb weniger Stunden zur Erde und verursachen z.B. Polarlichter. Jedoch rufen sie auch Fehlfunktionen in mikroelektronischen Bauelementen hervor. Die kontinuierliche Überwachung der "Radiosonne" stellt daher eine wesentliche Aufgabe der beobachtenden Astronomie dar.
Die Beobachtungen
Das Observatorium fuer solare Radioastronomie liegt etwa 15 km südlich von Potsdam. Die vier Antennen mit rund 10 m Durchmesser und die Instrumente arbeiten vollautomatisch und werden vom Sitz des AIP aus ferngesteuert. Die empfangenen Daten werden alle 30 Minuten in das Internet gestellt (http://www.aip.de/groups/osra/spectra/index.html). Seit 1992 beteiligt sich Arbeitsgruppe Solare Radioastronomie durch bodengebundene Messungen an internationalen Weltraum-Missionen wie insbesondere dem japanischen Satelliten Yohkoh, der ESA/NASA-Mission SOHO und neuerdings der Satellitenmission RHESSI der NASA. Das Instrument auf dem am 5. Februar 2002 gestarteten RHESSI liefert hochwertige Beobachtung der harten Röntgenstrahlung der Sonne. Die erste gemeinsame Messung des Observatorium fuer solare Radioastronomie und RHESSI ist in der dritten Abbildung rechts gezeigt. Man erkennt den Zusammenhang der zeitlich zuerst auftrenden Röntgenstrahlung und der nachfolgenden Radiostrahlung.
Die solaren Radioastronomen blicken voller Optimismus in die Zukunft. In Zusammenarbeit mit den USA, der EU und Japan liefern sie Daten an internationale Großprojekte wie z.B. FASR (Frequency Agile Solar Radiotelescope), ALMA (Atacama Large Millimeter Array) und LOFAR (Low Frequency Array).
Rieseneruptionen
Am 28. Oktober 2003 gab
es zwischen 10.00 Uhr und 12.30 Uhr auf der Sonne eine gewaltige Explosion, wie
sie nur selten, etwa ein- bis dreimal innerhalb von 11 Jahren, vorkommt. Das letzte Bild rechts zeigt einen Aussschnitt aus den Aufzeichnungen dieses Tages. Die rote bis dunkelrote Färbung kennzeichnet besonders starke Radiostrahlung, zuerst bei Frequenzen um 300 MHz, einige Minuten später bei Frequenzen um 500 MHz. Die waagerechten Linien sind Störungen durch örtliche Sender. |
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 Prof. Herbert Daene (1906 - 1975)

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