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Volkszählung in den Kinderstuben von Galaxien
Das größte mit dem Weltraumteleskop Hubble aufgenommene Bild ermöglicht die
Rekonstruktion einer Familiengeschichte der Galaxien.
Wie Juwelen so funkelt an klaren Nächten der Himmel. Wer im Gras liegt und
zu zählen beginnt, scheint hoffnungslos verloren. Edelsteine oder englisch
"gems" sind auch jene mehr als 40.000 Galaxien für Astrophysiker, die auf
der größten bisher mit dem Weltraumteleskop Hubble erstellten Farbaufnahme
zu sehen sind - denn diese bislang unerreicht hohe Zahl von beobachteten
Galaxien in einem zusammenhängenden Bild liefert wertvolle Information über
die Entstehung von Galaxien in der Jugendzeit des Universums. "GEMS" lautet
folgerichtig auch die Abkürzung des wissenschaftlich ehrgeizigen Projekts,
in dem 78 Hubble Aufnahmen zu einem Mosaik in der Größe des Vollmondes
zusammen gefügt wurden. Enthalten andere mit Hubble aufgenommene Bilder nur
einige Hundert Galaxien, so sind es bei GEMS Zehntausende.
 [groß, 110KB] [Postergröße, 4.8MB]
An GEMS sind insgesamt 16 Astrophysiker aus Deutschland, den USA und
England beteiligt. "Wir sind nicht die einzigen, die an diesem heißen
Forschungsthema arbeiten, doch wir haben durch die GEMS-Aufnahme einen
enormen Vorsprung", weiß Lutz Wisotzki. Spezialität des Potsdamer
Wissenschaftlers sind sogenannte aktive Galaxienkerne und Quasare. Von
diesen hochenergetischen Objekten finden sich unter den zehntausend Galaxien
immerhin noch einige hundert. GEMS ist letztlich auch eine Bestätigung für
die Leistungsfähigkeit europäischer Forschung, denn um die Beobachtungszeit
des Hubble-Weltraumteleskops herrscht starke internationale Konkurrenz.
Obwohl nur etwas jeder achte Antrag von der amerikanischen Weltraumbehörde
genehmigt wird, hat das Projekt unter der Federführung von Hans-Walter Rix,
Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg, überzeugt. |
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Wir wissen, dass wir in die Vergangenheit des Universums schauen können, je
tiefer unser Blick ins All geht. Bei GEMS reicht dieser Blick bis zu neun
Milliarden Jahre zurück, d.h. etliche der abgebildeten Galaxien sehen wir zu
einem Zeitpunkt, zu dem das
Universum gerade einmal ein Drittel seines jetzigen Alters hatte. Unsere
eigene Milchstrasse - eine Spiralgalaxie wie viele andere - ist vermutlich
nicht viel älter. Aber wie haben sich die Galaxien aus den Anfangszeiten des
Universums zu dem entwickelt, was wir heute beobachten können? GEMS liefert
gewissermaßen einen Einblick in die Kinderstube und Pubertätszeit
der Galaxien. Dabei nutzt das internationale GEMS-Forscherteam auch die
Ergebnisse eines Vorläuferprojektes, in dem bereits die Entfernungen von
über 10.000 dieser Sternsysteme gemessen wurden. Aus ihrer Entfernung kann
man auch die Laufzeit des Lichtes von jeder Galaxie bis zu uns errechnen und
erhält damit ihr "kosmisches Alter". "Aber GEMS ist weit mehr als eine
einfache 'Volkszählung' unter Galaxien", sagt Lutz Wisotzki vom
Astrophysikalischen Institut Potsdam, der an dem Projekt mitarbeitet. Die
detailreichen Hubble-Aufnahmen erlauben präzise Messungen von Größen, Farben
und Strukturmerkmalen vieler tausend Galaxien verschiedensten Alters und
Typs. Daraus wollen die Wissenschaftler ihre Entwicklung rekonstruieren und
eine Art Film drehen,der das "Erwachsenwerden" der Galaxien zeigt.

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Die Faszination der GEMS-Aufnahmen ist jetzt auch für Nicht-Wissenschaftler
im Internet erfahrbar. Sebastian F. Sanchez, ebenfalls Astrophysiker am AIP, hat einen "GEMS-SkyWalker" konstruiert, mit dem der Himmel über Hubble ins Wohnzimmer gelangt. Das nachfolgende Bild zeigt die
Kartierung des GEMS Himmelsausschnitts mit seinen Hubble-Aufnahmen,
verglichen mit der Größe des Vollmondes.

Credits
Dr. Lutz Wisotzki
Dr. Knud Jahnke
Dr. Sebastián F. Sánchez
Homepage des GEMS-Projekts
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