Fabian Voigt, Schüler am Hermann von Helmholtz-Gymnasium in Potsdam, macht gerade sein Abitur. Nebenher beobachtet der begeisterte Amateurastronom seit Oktober 2004 am Babelsberger 50-cm-Teleskop und verfolgt ein Projekt zum Bau eines Spektrografen zur genauen Analyse des Sternenlichtes. Auf eigene Initiative wandte er sich auf der Suche nach Unterstützung für sein Schülerprojekt an Dr. Axel Schwope, Wissenschaftler am AIP und Spezialist für Galaxienforschung und Röntgenastronomie, der heute zusammen mit weiteren Wissenschaftlern des AIP, Fabian Unterstützung und Technik zur Verfügung stellt. In dem folgenden Interview berichtet Fabian Voigt von seinen Motiven, Erfahrungen und Plänen.
AIP: Wie ist dir eigentlich die Idee für das Projekt bekommen und woraus beziehst du deinen Antrieb, ein solches Langzeit-Projekt durchzuziehen?
Fabian: Merkwürdigerweise begann das Spektrografenprojekt mit dem Angebot einer Firma, meiner Schule - und damit mir - ein optisches Gitter für Schulanwendungen zur Verfügung zu stellen. Beugungsgitter, die Kernkomponente eines Spektrografen, sind sehr teuer und ich war über das Angebot der Firma auf eine Preisanfrage hin, uns ein leicht beschädigtes Gitter kostenlos zu überlassen, außerordentlich erfreut. Dies eröffnete doch viele Möglichkeiten für Amateurprojekte in der Astronomie. Daraus entwickelte sch die Idee, einen Spektrografen relativ großer Auflösung mit einem größeren Teleskop zu koppeln. Die treibende Kraft dabei ist, Astrophysik sozusagen nachzuempfinden; die Vielfalt an Phänomenen, die sich im Spektrum eines Sterns wiederfinden, mit eigenen Mitteln ansatzweise zu analysieren und daraus resultierende Folgerungen auf die Eigenschaften der Himmelsobjekte zu ziehen.
AIP: Wie hast Du das Konzept entwickelt und wie sieht dein Zeitplan aus?
Fabian: Der grundsätzliche Aufbau meines Spektrografen stimmt mit den vorhandenen Konzepten von Amateuren überein, die sich mit der Astrospektroskopie beschäftigt haben, so werden zum Beispiel normale Fotoobjektive und eine handelsübliche Digitalkamera eingebaut, was das Instrument erschwinglich macht. Wenn alles klappt, soll in diesem Sommer mit regulären Beobachtungen begonnen werden.
AIP: Welche Erfahrungen hast du bis jetzt gewonnen?
Fabian: Bei der Konzeption des Spektrografen habe ich mich dafür entschieden, mit einer Glasfaser das Licht vom Teleskop zum Spektrografen zu leiten, da diese Lösung mechanisch am einfachsten ist. In diesem Aufbau können jedoch leicht große Verluste an Licht auftreten, die nur schwer auszumerzen sind - zum Glück habe ich Kontakt mit Mitarbeitern des AIP, die diese Methode bei professionellen Spektrografen anwenden und mit ihrem Know-How und ihrer Technik helfen können. Ferner ist die Belichtung eines Spektrums zwar relativ leicht, die anschließende Auswertung verlangt jedoch einiges Fachwissen, um Messfehler zu vermeiden.
AIP: Wie und woher erlangst du das Hintergrundwissen, um das Projekt umsetzen zu können?
Fabian: Zum Teil aus Ressourcen aus dem Internet, Büchern, persönlichen Kontakten und natürlich aus mehr oder weniger erfolgreichen eigenen Experimenten...
AIP: Von welchen Himmelsobjekten möchtest du Spektren gewinnen?
Fabian: Zunächst stehen sogenannte Standardsterne auf dem Programm, das sind Sterne, deren Spektrum man sehr genau kennt und damit zur Kalibrierung eines Spektrografen verwenden kann. Andere interessante Objekte sind zum Beispiel Be-Sterne, eine vielfältige Gruppe von Sternen, die charakteristische und teilweise zeitlich variable Spektren besitzen. Aber auch Planeten wie Saturn können interessante Beobachtungsziele darstellen.
AIP: Was für Ergebnisse erhoffst du dir von diesen Beobachtungen?
Fabian: Schön wäre es, einige Phänomene wie den Dopplereffekt oder periodische Veränderungen bei Be-Sternen festzustellen und daraus Rückschlüsse auf Rotationsgeschwindigkeiten oder Struktur von Sternhüllen nachzuvollziehen. Ferner könnte man mit diesen Messungen vielleicht Beiträge zu professionellen Beobachtungsprogrammen, bei denen zum Teil Amateure helfen, leisten.
AIP: Was sind deine zukünftigen Pläne in Bezug auf eine Fortführung des Projektes?
Fabian: Ein derartiges Projekt ist nie abgeschlossen oder beendet. Eine Idee von mir ist es, mit dem neuen Teleskop RoboTel am AIP, welches für Schulbeobachtungen zugänglich sein wird, Spektroskopie über das Internet zu betreiben. Das heißt, nach einem Antrag über eine Internetseite beobachtet das Gerät automatisch und schickt das aktuelle Spektrum dem interessierten Schüler oder auch Amateur zu. Ich hoffe, für derartige Projekte weitere interessierte Jugndliche zu gewinnen.
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Shehan Bonatz
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