Wolfgang Tripmacker: Potsdamer Verlagsgeschichten. Dreihundert Jahre Buchherstellung in der Residenz-, Bezirks- und Landeshauptstadt. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2008. 278 S.  Reihe: Verwehte Spuren.

Als Wolfgang Tripmacker vor zehn Jahren, am 15. April 1998, vor unserer „Studiengemeinschaft“, im Alten Rathaus seinen Vortrag „Potsdam-Bücher in Potsdamer Verlagen aus drei Jahrhunderten“ hielt, wünschten wir ihm, dass seine umfangreichen Forschungen zu diesem Thema einmal in einem Buch zusammengefasst werden könnten. Bald darauf konnten wir in unseren „Mitteilungen“ (4. Jg., 1999, H.1) Tripmackers Beitrag über die Verlegerfamilie Kiepenheuer mit dem Titel „Die Fasanerie in Sanssouci als Verlagsort“ lesen. Der Name des Autors war zu diesem Zeitpunkt durch seine einschlägigen Veröffentlichungen zur Verlagsgeschichte im „Potsdamer Stadtjournal“, den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ bis hin zum „Leipziger Jahrbuch für Buchgeschichte“ allgemein bekannt.

Um normalerweise abschließendes Lob vorwegzunehmen: dem Märkischen Verlag ist eine dem Thema qualitätvoll entsprechende Edition gelungen, bei der schon das Durchblättern des Buches Freude bereitet: maßvolle und informative Abbildungen, Fußnoten handlich auf den inneren Seitenstreifen neben den Verweisen abgelegt, die oberen Seitenecken mit den Signets der jeweils besprochenen Verlage geziert. Gedruckt ist das Buch allerdings nicht in Potsdam, sondern bei „Gemi Praha“, was sicher den angemessenen Preis garantiert. Verständlich ist allerdings nicht, warum vom Redaktionsschluss (31.12.2002) bis zum Erscheinen des Buches – wohl der schwierigen Finanzierung geschuldet - fünf Jahre vergehen mussten.

Wie der Titel mit dem hochgestellten Schluss-n schon vermuten lässt, wird die Geschichte der Potsdamer Verlage nicht als geschlossener Text, sondern in 54 in sich geschlossenen Einzelbeiträgen präsentiert. So wird, verbunden mit einem Personenregister, das Buch auch zu einem Nachschlagewerk mit vielen wertvollen biografischen Darstellungen. Da Verleger auch der Endproduzenten bedürfen, wird den Potsdamer Druckereien („Von Bartholomäus Neumann zu Peter Steffen“, „Spezialität: Moderne Farbendrucke – Robert und Theodor Müller“ u.a.) gebührender Raum gegeben. Neben den Prominenten im Potsdamer Verlagswesen, wie Carl Christian Horvath, den Schinkel-Verleger Ferdinand Riegel, Familie Kiepenheuer, A. W. Hayn’s Erben oder Bonness & Hachfeldt, findet man viele kleine, heute vergessene Verlage, wie den Tempelverlag von Johannes Lepsius, die Verlage bibliophiler Bücher von Edlef Koeppen (Hadern-Verlag), Oda Weitbrecht-Buchenau („Presse“) oder den Hans-Heinrich-Tillgner-Verlag. Kaum noch bekannt ist die verlegerische Tätigkeit des Ehepaars Dr. Wilhelm und Elisabeth Brönner (Nowawes/Babelsberg). Es fehlt auch nicht ein Bericht über das kunsthistorische und wissenschaftliche Profil des Verlages Stichnote. Unter den Buchgestaltern wird Walter Bullert ein besonderer Beitrag gewidmet.

Zwischen 1952 und 1989 gab es in Potsdam keine öffentliche Tätigkeit von Buchverlagen. Erst nach der so genannten Wende entstanden viele kleine, z.T. kurzlebige Verlage, deren  Darstellungen besonders verdienstvoll sind, denn das Vergessen dieser, die neu gewonnene Freiheit nutzenden Unternehmen wird schnell fortschreiten.

Das Buch kommt mit 148 Literaturangaben aus, auf die in den Texten verwiesen wird. Ein umfangreiches tabellarisches Verzeichnis der Verlage schließt das Buch ab, der Rezensent vermisst den Verlag des Oberlinhauses (Nowawes-Verlag, um 1930). Bei einer Neuauflage sollten die Verweise des Registers überprüft werden (z.B. kommt Heinz Kade nicht auf S. 256, sondern auf S. 198 und 260 vor). In der Tabelle „Verlage … vor 1945“ (S. 197) kommt „Der Märker“ vor, der aber erst im Oktober 1945 gegründet wurde.

Klaus Arlt