... ich küße dir in Gedanken ... Friedrich Wilhelm II. - Wilhelmine Horster. Briefwechsel. Hrsg. von Sonja Schnitzler. Verlag Karl-Robert Schütze, Berlin 2008. 192 S.

Was kann einen Forscher bei Archivstudien neugieriger machen, als ein Vermerk auf dem Aktendeckel: „Diese Briefe dürften wohl zur Vernichtung geeignet seyn!“ Sonja Schnitzler hat so den Briefwechsel zwischen König Friedrich Wilhelm II. und dem unbekannten „Wäschermädchen“ Wilhelmine Horster, das sein vielseitiges Liebesleben ab 1793 bereicherte, entdeckt und in Teilen publiziert. Erstaunlich ist, was die Herausgeberin trotz der schlechten Quellenlage – immerhin kam „Mine“ aus den Tiefen des „einfachen Volkes“ – zur Lebensgeschichte der jungen Frau, die den König emotional stark berührte, in mühseliger Kleinarbeit herausgefunden hat. Wilhelmines Vater war der Kriegsinvalide und Feldwebel Peter Heinrich Horster, dem die Beziehung der Tochter zum König den Posten eines Ober-Mühleninspektors einbrachte. 1793 bis 1795 wohnte Wilhelmine im Neuen Garten, danach bei ihrer Familie in Berlin. Die Beziehung erkaltete nicht vollständig, und die „kleine Freundin“ des Königs war geschäftstüchtig genug, um sich von ihrem Verehrer Vorteile zu erbitten. Eine Ehe mit dem Berliner Kaufmann Krahmer (1797) blieb kurz und kinderlos. 1800 gründete sie eine „Töchter-Pensionsanstalt“, die sie 15 Jahre unter ihrem Mädchennamen führte. Danach lebte sie bis etwa 1850 als Bett- und Weißzeug-Aufseherin im Berliner Schloss. Die Briefe des Königs verkaufte sie 1852 dem neugegründeten Königlichen Hausarchiv. Der eingangs zitierte Ratschlag des Archivars wurde nicht befolgt.

Klaus Arlt