Bernd Maether (Hrsg.)

Krongut Bornstedt. Eine Bau- und Nutzungsgeschichte.

(Einzelveröffentlichung der Brandenburgischen Historischen Kommission e.V. Band XVI)

be.bra wissenschaft verlag, Berlin 2010, 240 S.

ISBN 978-3-937233-55-0

Preis: 24,95 EUR

 

Unter den nach Potsdam eingemeindeten Dörfern kann Bornstedt eine Sonderstellung beanspruchen. Immerhin sind auf seinem ehemaligen Grund und Boden der Park von Sanssouci wie auch Teile der nördlichen Vorstädte entstanden. Noch bevor das Krongut Bornstedt ein touristischer Anziehungspunkt wurde, zog der Bornstedter Kirchhof mit seinen Prominentengräbern aus der preußischen Geschichte eine große Zahl von Interessenten an. Bis auf den Friedhof hatte die historische Literatur das Gutsdorf – besser: Kunstdorf - Bornstedt kaum entdeckt. 2001 konnten wir in unseren „Mitteilungen“ (6. Jg., Heft 2) mit dem Beitrag der Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Horn über das „italienische Dorf“ in der Mark Brandenburg erstmals genauer informieren.

 

Das von Bernd Maether herausgegebene Buch, in dem acht von 14 Kapiteln vom Herausgeber geschrieben wurden, ist nun eine umfassende und gründliche Darstellung Bornstedts, die neben das von Karheinz Deisenroth verfaßte tiefgründige Buch „Märkische Grablege im höfischen Glanze – Der Bornstedter Friedhof zu Potsdam“, erschienen 2003 in 2. Auflage, gestellt werden kann. Maether schrieb ausgehend von einem geschichtlichen Überblick die Beiträge: Die Amtsgebäude des Potsdamer Militärwaisenhauses 1789/91 in Bornstedt (mit interessanten Kartenausschnitten und meist unbekannten Abbildungen), „Das Königliche Kron-Fideicommis-Gut Bornstedt“ und  Der Einfluss der italienischen Villanarchitektur auf die Neubebauung des Kronguts Bornstedt (nach 1844 entstanden im wesentlichen die heute noch vorhandenen oder wiederhergestellten Anlagen), Bornstedt zur Zeit des Kronprinzenpaares (gestaltet z.T. nach den Angaben der zeitgenössischen volkspädagogischen Literatur), Vom Refugium der Kunst zum vergessenen Ort (die Zeit 1903 bis 1910, in der Prinzessin Feodora, die Schwester der letzten Kaiserin Auguste Viktoria, hier wohnte) und schließlich die Darstellung der modernen Entwicklung vom „Krongut zum Kulturgut“ wie es heute erlebt werden kann.

 

Der Inhalt des Buches wird bereichert durch zwei Arbeiten von Friedrich Beck über Urkundliche Erwähnungen Bornstedts und ihre Beziehungen zur Landesgeschichte sowie  Originalurkunden und  Dokumente über den Rittersitz, das Gut und das Dorf Bornstedt [1304], 1323-1644, denen Übersetzungen beigegeben sind. René Schreiter erklärt in seinem Beitrag Die „nährende Amme“ der Waisenkinder – Bornstedts Verhältnis zum Potsdamer Militärwaisenhaus im 18. Jahrhundert die ökonomische Bedeutung des Gutes für die Sozialarbeit jener Zeit. Freunde der Gartenkunst werden den sehr ausführlichen und die Grenzen des Amtsgartens von Bornstedt überschreitenden Aufsatz von Clemens Alexander Wimmer über Gartenkunst in Bornstedt lesen, der bis in die Gegenwart der Bundesgartenschau 2001 führt. Kirchenkenner Andreas Kitschke beschreibt Kirche und Friedhof zu Bornstedt, wobei er den Friedhof wegen der bereits bestehenden ausführlichen Literatur nur mit ausgewählten wichtigen Grabstätten darstellt. Eine interessante Besonderheit ist der kleine Aufsatz von Werner Heegewaldt über den Wappenstein am Krongut (Hofseite) und die Auflösung eines heraldischen Rätsels, das wohl in der Wiederverwendung eines dekorativen Architekturfragmentes besteht.

 

Der Rezensent ist nicht bemüht, in dem hervorragenden Werk nach Zahlendrehern und anderen Ungenauigkeiten zu suchen. Jedoch gibt B. Maether in seinem geschichtlichen Überblick die Eingemeindung Bornstedts nach Potsdam mit 1939 an (S. 20). Richtig ist 1935, wie auch C. A. Wimmer auf S. 149 schreibt. Auf S. 148 irrt dieser aber, denn die „Ludendorff-Kaserne“ an der Nedlitzer Straße ist nicht identisch mit der „General-von-Wevern-Kaserne“. Mit diesem verbalhornten Namen gab es die nicht, sie hieß „General-Wever-Kaserne“ (heute: „Havelland-Kaserne“) und lag in der Kaiser-Friedrich-Straße in Eiche.  Auf jeden Fall ist das mit 122 meist farbigen Abbildungen ausgestattete, wissenschaftlich fundierte Buch für jeden Potsdam-Kenner und -Sammler unverzichtbar.

KLAUS ARLT