Tanzmusik

Tanzmusik (wie sie heutzutage auf Veranstaltungen gespielt wird) kann eigentlich niemanden zufriedenstellen. Da sitzt man nun in einem Lokal oder Saal, ein mehr oder weniger kleines Plätzchen wird für den beabsichtigten Tanz des Publikums freigehalten, Kapelle oder Diskotheker haben ihre Kilowattkanonen in Stellung gebracht und dann gehts los. Der erste Eindruck überzeugt uns davon, dass Kapelle und Diskotheker bereits ertaubt sind und deshalb die Lautstärke nicht mehr wahrnehmen. Einzelne Diskotheker hören noch etwas, man erkennt sie daran, dass sie Schallschutz auf den Ohren tragen (leider stellen sie dem Publikum keinen zur Verfügung). Die Lautsprecher werden auch immer so gestellt, dass sie nicht nur die Tanzfläche (deren Größe im Allgemeinen den Einsatz von Lautsprechern bei Kapellen überhaupt nicht rechtfertigt), sondern überflüssigerweise den ganzen Saal in Dröhnung versetzen.

Was gespielt wird, erinnert im Allgemeinen nur an den Marsch in den nächsten Weltkrieg. Marschmetrum herrscht vor, und Marschbeat ist der einzige noch hörbare "Rhythmus". Allerdings, was sich dann auf der "Tanzfläche" abspielt, entspricht in seiner Hilflosigkeit durchaus der angebotenen "Musik". Es gibt, das sollte man zugeben, gute Gründe für eine möglichst laute Musik. Erstens kann man hoffen, dass die einzelnen Fehler nicht mehr so zu hören sind, zweitens kann man hoffen, dass es dem Publikum so die Sprache verschlägt, dass es nicht mehr dazwischenquatscht, und drittens kann man hoffen, dass das Publikum wenigstens das Metrum hört.

Dass ich den allgemeinen Trend nicht so überwältigend finde, kann man als Alterserscheinung abtun. Aber wenigstens unsere Tanzklubs sollten diese Zustände nicht dulden. Eine Kapelle hat ihre Lautspecher so zu stellen, dass die Tanzenden bedient und das andere Publikum noch das Wort ihrer Tischpartner versteht. Eine Kapelle hat ihre Verstärker so schonend wie möglich einzustellen. Neulich habe ich eine Kapelle gehört, die als "Semperopernball-erfahren" angekündigt wurde. Sie hatten eine Sängerin dabei, die ein ganz hübsches Stimmchen gehabt hätte, wenn diese durch die an den Rand aufgedrehten Lautsprecher nicht zu einem abschreckenden Gequieke verformt worden wäre. Wenn es gelungen wäre, den Saft abzudrehen... Aber vielleicht will die Kapelle verhindern, dass ihre Sängerin mal einen Erfolg hat, der über die Kapelle hinaus führt. Eine Kapelle sollte auch bis drei zählen können. Tänzer: wenn ihr eine Kapelle oder einen Diskotheker bezahlt, haben diese so zu spielen, wie ihr das wollt. Ihr habt die Verantwortung!


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