„Kopf- und Handarbeit“ – Ausbildung am AIP

3. Februar 2020. Neben exzellenter astrophysikalischer Forschung zeichnet sich das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) durch die Entwicklung moderner Forschungsinfrastrukturen aus. Möglich ist dies auch dank einer institutseigenen Feinmechanischen Werkstatt in der Abteilung Forschungstechnik. Diese bildet bereits seit vielen Jahren Feinwerkmechanikerinnen und Feinwerkmechaniker im Handwerk aus. Die Absolventen Cornelius Lübke und Leander Leibnitz schlossen im Januar 2020 erfolgreich ihre Ausbildung ab und berichten hier von ihren Erfahrungen.
„Kopf- und Handarbeit“ – Ausbildung am AIP

Die Auszubildenden Cornelius Lübke und Leander Leibnitz an den Maschinen in der Feinmechanischen Werkstatt: Credit: AIP

Warum habt ihr euch für das AIP als Ausbildungsort entschieden?

Cornelius Lübke (CL): Die Stellenausschreibung des AIP weckte sofort mein Interesse, da die Ausbildung zum Feinwerkmechaniker sehr vielfältig ist und ein breites Spektrum an Tätigkeiten beinhaltet. Außerdem wird der Schwerpunkt Feinmechanik nur an wenigen Orten in Brandenburg angeboten.

Leander Leibnitz (LL): Das AIP bietet einem einerseits die Möglichkeit, vom breiten Spektrum der vielen handwerklichen Arbeitstechniken alle mit genügend Zeit zu erlernen. Zum Beispiel wird einem sowohl das Arbeiten an Dreh- als auch an Fräsmaschinen beigebracht, was nicht in jedem Betrieb der Fall ist. Andererseits bot mir das AIP die besten Konditionen während der Ausbildungszeit.

Was war die Motivation für eure Berufswahl?

CL: Die Gründe, weswegen ich mich für eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker entschieden habe, sind vielschichtig. Einerseits bastle und baue ich schon mein halbes Leben lang, andererseits habe ich durch meinen Vater bereits aus Erzählungen einen Eindruck davon bekommen, welche Tätigkeiten das Feinmechanikerhandwerk beinhaltet. Ausschlaggebend war für mich definitiv, dass ich durch meine Ausbildung neue Techniken erlerne und meine Fähigkeiten und Kompetenzen ausbauen und stetig verbessern kann.

LL: Meine Motivation war es, neue Kompetenzen in einem Beruf zu erlernen, in dem handwerkliches Geschick und hohe Fertigungspräzision gefordert sind. Im Übrigen wollte ich mich finanziell auf eigene Beine stellen.

Wolltet ihr schon immer eine Ausbildung machen oder kam auch ein Studium in Frage?

CL: Meine Entscheidung für eine Berufsausbildung fiel schon früh, denn die gründliche und praxisnahe Ausbildung, die das duale System zu bieten hat, sind einzigartig. Ein Studium ist außerdem auch nach einer Berufsausbildung noch möglich.

LL: Ich wollte zuerst ein Studium beginnen, aber habe mich letztendlich dagegen entschieden. Der Grund für meine Entscheidung ist, dass ich in der Ausbildung mein erlerntes Wissen nach kurzer Zeit praktisch umsetzen kann. Ein Studium beschäftigt sich hauptsächlich mit der Theorie.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Auszubildender am AIP aus?

LL: An einem typischen Arbeitstag fertige ich ein bestimmtes Werkstück, wodurch ich spezielle Fertigkeiten und Fähigkeiten erlerne. Je nach Ausbildungsjahr unterscheiden sich die Aufgaben. Die Fertigungsaufgabe wird vorher in der Theorie besprochen und kann danach in der Praxis bei selbstständiger Arbeit ausgeführt werden. Bei Fragen oder Problemen helfen der Meister und die Gesellen.

Welche Vorteile seht ihr in einer Ausbildung im Handwerk?

CL: Definitiv die Verbindung zwischen Kopf- und Handarbeit. Die verschiedenen Fertigungsschritte müssen geplant und anschließend fachgerecht ausgeführt werden. Nach Abschluss und vollendetem Werkstück bekomme ich immer ein Glücksgefühl und bin zufrieden, wieder ein Teil vollendet zu haben.

Wie geht es nach dem Ausbildungsende für euch weiter?

CL: Nach dem Ausbildungsende habe ich das große Glück, ein weiteres Jahr am AIP übernommen zu werden. Langfristig gesehen wünsche ich mir, mich im Handwerk weiterzubilden. Seit einiger Zeit kann ich mir auch gut vorstellen, mich im Ausland beruflich zu entwickeln.

LL: Ich werde auch für ein Jahr übernommen und arbeite weiter an den aktuellen Projekten des AIP, wodurch ich praktische Erfahrung sammeln kann.

Was möchtet ihr jungen Menschen mit auf den Weg geben, die über eine Ausbildung zur Feinwerkmechanikerin/zum Feinwerkmechaniker nachdenken?

LL: Personen, die über diese Ausbildung nachdenken, sollten handwerkliches Geschick mitbringen, offen für neue Dinge sein und diese auch erlernen wollen, Geduld haben, teamfähig und verlässlich sein. Ich kann diese Ausbildung sehr empfehlen, da sie viel Spaß macht, spannend und vielseitig ist. Man erlernt nicht nur die unterschiedlichen Bearbeitungsmöglichkeiten von Werkstoffen, sondern auch bei überbetrieblichen Lehrgängen die Grundlagen von Pneumatik und Elektropneumatik, das Programmieren von CNC sowie CAD/CAM und weiteres kennen.

 

Wir bedanken uns bei den Auszubildenden für das Interview. Das AIP sucht zurzeit zwei neue Auszubildende in der Werkstatt. Die Ausschreibung ist unter http://www.aip.de/azubi-fm zu finden.

 

Medienkontakt

Sarah Hönig, 0331 7499 803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.