Eine kosmische Kollision

9. Dezember 2015. Auf neuen Aufnahmen des Very Large Telescopes der ESO am Paranal-Observatorium sind die spektakulären Auswirkungen eines 360 Millionen Jahre alten kosmischen Zusammenstoßes deutlich zu erkennen. Unter den Überbleibseln findet sich auch eine seltene und rätselhafte junge Zwerggalaxie, die jetzt erstmals mithilfe des MUSE Spektrographen beobachtet wurde.
Eine kosmische Kollision

Die Umgebung der wechselwirkenden Galaxie NGC 5291.

Die Zwerggalaxie NGC 5291N bietet Astronomen eine ausgezeichnete Gelegenheit, um mehr über ähnliche Galaxien zu erfahren, von denen man ausgeht, dass sie im frühen Universum häufig vorkamen. Normalerweise sind sie jedoch zu lichtschwach und zu weit entfernt, um sie mit heutigen Teleskopen beobachten zu können. Detaillierte Beobachtungen mit dem MUSE-Spektrograf ergaben, dass die äußeren Bereiche der Zwerggalaxie Eigenschaften aufweisen, die üblicherweise mit der Entstehung neuer Sterne in Verbindung gebracht werden.

„Erst mit MUSE können wir solch schwache Gasemissionen wie die von NGC 5291N messen”, kommentiert Peter Weilbacher vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam und Co-Investigator der MUSE Datenreduktions-Software.

Der Multi Unit Spectroscopic Explorer (MUSE) ist ein neuer 3D-Spektrograph für das Very Large Teleskop (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO). MUSE kann ein Gesichtsfeld von einer Bogenminute in 90.000 Bildpunkte zerlegen und für jeden ein Spektrum im Wellenlängenbereich von 465 bis 930nm erzeugen. Diese große Anzahl von Messpunkten wird durch ein modulares Design ermöglicht. MUSE besteht aus 24 identischen Integral-Feldeinheiten (IFU) mit je einem Spektrographen und einem CCD-Detektor. Das wichtigste Forschungsziel von MUSE ist die Entdeckung und Vermessung weit entfernter Galaxien. Für die Astronomen des AIP sind weiterhin spektrale Analysen von Einzelsternen in nahen Galaxien, sowie Kollisionen zwischen Galaxien von Interesse.

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Bildbeschreibung: In dieser neuen Aufnahme vom Very Large Telescop (VLT) der ESO am Paranal-Observatorium sind die spektakulären Auswirkungen eines 360 Millionen Jahre alten kosmischen Zusammenstoßes deutlich zu erkennen. Unter den Überbleibseln, die die elliptische Galaxie NGC 5291 in der Mitte umgeben, findet sich auch eine seltene und rätselhafte junge Zwerggalaxie. Diese Galaxie bietet Astronomen eine ausgezeichnete Gelegenheit, um mehr über ähnliche Galaxie zu erfahren, von denen man ausgeht, dass sie im frühen Universum häufig vorkamen. Normalerweise sind sie jedoch zu lichtschwach und weit entfernt, um sie mit heutigen Teleskopen beobachten zu können.
Credit: ESO

 

Die ESO-Meldung, weitere Informationen sowie umfangreiches Bildmaterial zum Download steht auf der ESO Website zur Verfügung: https://www.eso.org/public/germany/news/eso1547/

 

Veröffentlichung: „Ionization processes in a local analogue of distant clumpy galaxies: VLT MUSE IFU spectroscopy and FORS deep images of the TDG NGC 5291N”, von J. Fensch et al., erscheint in Astronomy & Astrophysics.

Teammitglieder: J. Fensch (Laboratoire AIM Paris-Saclay, CEA/IRFU/SAp, Universite Paris Diderot, Gif-sur-Yvette, France [CEA]), P.-A. Duc (CEA) , P. M. Weilbacher (Leibniz-Institut für Astrophysik, Potsdam, Germany), M. Boquien (University of Cambridge, United Kingdon; Universidad de Antofagasta, Antofagasta, Chile) and E. Zackrisson (Uppsala University, Uppsala, Sweden).

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.