Abbildende Radio-Spektroskopie der Sonne

23. August 2012. LOFAR (Low Frequency ARray) erlaubt mit modernster Instrumentierung einen neuen Blick auf die Sonne
Abbildende Radio-Spektroskopie der Sonne

LOFAR-Beobachtung

 

Die Sonnenphysiker des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) beobachten die Sonne mit dem neuen Radioteleskop LOFAR in Zusammenarbeit mit dem LOFAR-Team am niederländischen Institut ASTRON.

Erste Ergebnisse werden hier vorgestellt:

In der Abbildung 1 ist im unteren Bereich das dynamische Radiospektrum im Frequenzbereich von 122 bis 162 MHz zu sehen. Es zeigt Typ-III-Radiobursts. Sie erscheinen als Streifen erhöhter Radioemission, die  im dynamischen Spektrum sehr schnell von hohen zu niedrigen Frequenzen driften. Sie gelten als Signaturen von Strahlen energiereicher Elektronen. Diese können bei Sonnenausbrüchen („Flares“) entstehen. Wenn sich die Elektronen entlang offener Magnetfeldlinien durch die Korona bewegen, erzeugen sie entlang ihres Wege Radiostrahlung, die als Typ-III-Radiobursts erscheinen.

Movie Messung

 

Abbildung 1:

LOFAR:

LOFAR wurde vom Konsortium ASTRON in den Niederlanden entwickelt und kann Objekte am Himmel mit einer bisher unerreichten Genauigkeit im niederfrequenten Radiobereich von 30 bis 240 MHz beobachten. Damit wird dieses Spektralfenster in einer gänzlich neuen Qualität für die radioastronomische Forschung geöffnet. So ist LOFAR für die Sonnebeobachtung von großer Bedeutung.

LOFAR besteht aus 22 Kern- und 18 Fernstationen in den Niederlanden sowie aus acht Einzelstationen in Schweden, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Eine deutsche Station wurde in Potsdam-Bornim unter der Regie des AIP errichtet.

Die Radiosignale aller Stationen werden über eine Hochleistungs-Datenleitung (10 Gbit/s) nach Groningen (NL) geleitet und dort mittels eines Hochleistung–Computersystems (Bue-Gene) zu Radiokarten auf verschiedenen Frequenzen zusammengesetzt. LOFAR wird von einem europäischen Wissenschaftler-Konsortium, dem auch das AIP angehört, betrieben.

Die wissenschaftliche Nutzung des Instruments LOFAR ist in sogenannten Key-Science-Projekten organisiert. Eines davon, „Solar Physics and Space Weather with LOFAR", wird durch das AIP koordiniert. 31 Wissenschaftler aus elf europäischen Ländern sind darin beteiligt.

 

Wissenschaftlicher Kontakt:

apl. Prof. Dr. Gottfried Mann, 0331-7499 292, gmann@aip.de

 

Presse-Kontakt:

Kerstin Mork, 0331-7499 469, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP):

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) beschäftigt sich vorrangig mit kosmischen Magnetfeldern und extragalaktischer Astrophysik. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP dabei im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.