Die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg

Der Wiederbeginn nach dem Kriege war sehr schwierig. Der Einstein-Turm hatte beim Luftangriff am 14. April 1945 schwere Schäden erlitten, und in Babelsberg waren wertvolle Beobachtungsinstrumente, darunter das 122-cm-Spiegelteleskop, demontiert worden und als Reparationsleistung in die Sowjetunion gegangen.

Anfang 1947 übernahm die Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin das Astrophysikalische Observatorium Potsdam und die Sternwarten Babelsberg und Sonneberg.

Im Juni 1954 nahm das Observatorium für Solare Radioastronomie in Tremsdorf (17 km südöstlich von Potsdam) als Außenstelle des AOP seine Tätigkeit auf. Es kann auf eine interessante Vorgeschichte verweisen. Nachdem Heinrich Hertz 1888 die Radiowellen entdeckt hatte, versuchten 1896 Johannes Wilsing und Julius Scheiner am AOP Radiostrahlung der Sonne nachzuweisen, was damals jedoch an der mangelnden Empfindlichkeit der Apparatur scheiterte. Erst nach dem zweiten Weltkrieg begann Herbert Daene auf dem Gelände der Babelsberger Sternwarte mit Radiobeobachtungen der Sonne, die schließlich in Tremsdorf weitergeführt wurden. Im Oktober 1960 wurde das von Carl Zeiss Jena erbaute 2-m-Universal-Spiegelteleskop im Tautenburger Forst bei Jena eingeweiht und damit das Karl-Schwarzschild-Observatorium gegründet. Dieses Teleskop ist in seiner Schmidt-Variante noch immer die größte astronomische Weitwinkelkamera der Welt und war das wichtigste Beobachtungsinstrument der DDR-Astronomen.

Im Jahre 1969 entstand im Rahmen der Akademie der Wissenschaften der DDR das Zentralinstitut für Astrophysik. Es umfaßte neben dem Astrophysikalischen Observatorium Potsdam und der Sternwarte Babelsberg auch die Sternwarte Sonneberg und das Karl-Schwarzschild-Observatorium Tautenburg. Das Sonnenobservatorium Einstein-Turm und das Observatorium für Solare Radioastronomie, die zunächst ausgeschlossen waren, kamen später ebenfalls hinzu.

Ein Teil der wissenschaftlichen Aktivitäten betraf kosmische Magnetfelder und Dynamos, verschiedene Turbulenzphänomene, magnetische und eruptive Erscheinungen auf der Sonne, explosive Energieumsetzungen in Plasmen, veränderliche Sterne und Sternaktivität. Ein anderer Teil richtete sich auf die Frühphase der kosmischen Entwicklung und die Strukturbildung im Universum, auf gro0räumige Strukturen bis hin zu Superhaufen und auf aktive Galaxien; in diesem Zusammenhang wurden insbesondere Methoden der digitalen Bildverarbeitung entwickelt. Darüber hinaus wurden Untersuchungen zur Astrometrie mit dem Schmidt-Teleskop ausgeführt.

Die Arbeit im Zentralinstitut für Astrophysik litt in starkem Maße unter der Abgrenzung der DDR gegenüber der westlichen Welt. Kontakte zu den dortigen Kolleginnen und Kollegen waren außerordentlich schwierig. Als im Herbst 1989 die Mauer fiel, eröffneten sich völlig neue Perspektiven.

Auf Grund der Festlegungen des Einigungsvertrags über die Akademie der Wissenschaften der DDR wurde das Zentralinstitut für Astrophysik am 31. Dezember 1991 aufgelöst. Dank der Empfehlungen des Wissenschaftsrates wurde unmittelbar danach, am 1. Januar 1992 auf der Basis der Potsdamer Institutsteile das Astrophysikalische Institut Potsdam gegründet und in die gemeinsame Bund-Länder-Förderung (die heutige Leibniz-Gemeinschaft) aufgenommen. 2011 wurde das AIP als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft in Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) umbenannt. Heute sind etwa 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Forschungscampus Babelsberg tätig.