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Ein übersehenes Puzzleteil des Sonnendynamos

In der Nähe des Sonnenäquators befinden sich die meisten Sonnenflecken und somit die größte magnetische Aktivität. Forscher haben für diese Region nun eine magnetische Instabilität nachgewiesen, die bislang als unmöglich galt. Credit: NASA/SDO

Ein übersehenes Puzzleteil des Sonnendynamos

28. Oktober 2019. Im rotierenden Plasma der Sonne wirkt ein bis heute unbeachteter Mechanismus: eine magnetische Instabilität, von der zuvor gedacht wurde, dass sie unter diesen Bedingungen physik...

Wie bei einem gigantischen Dynamo entsteht das starke Magnetfeld der Sonne durch elektrische Ströme. Um diesen sich selbst verstärkenden Mechanismus des Sonnendynamos besser zu verstehen, müssen Forscherinnen und Forscher die Vorgänge und Strömungen im Sonnenplasma entschlüsseln. Unterschiedliche Drehgeschwindigkeiten verschiedener Regionen und komplexe Strömungen im Inneren der Sonne wirken zusammen, um das Magnetfeld zu erzeugen. Dabei können außergewöhnliche magnetische Effekte auftreten – wie die jetzt entdeckte magnetische Instabilität.

„Super-HMRI“ nennen die Forscher den neu erkannten Spezialfall der Magnetorotationsinstabilität (helical magnetorotational instability, HMRI). Es ist ein magnetischer Mechanismus, der rotierende, elektrisch leitende Flüssigkeiten und Gase in einem Magnetfeld instabil werden lässt. Das Besondere in diesem Fall: die Super-HMRI benötigt exakt die Bedingungen, wie sie im Plasma nahe des Sonnenäquators vorherrschen – dort, wo Astrophysikerinnen und Astrophysiker die meisten Sonnenflecken und somit die größte magnetische Aktivität der Sonne beobachten. Allerdings war diese Instabilität in der Sonne bisher übersehen worden und wird in Modellen des Sonnendynamos noch nicht berücksichtigt.

Dabei ist bekannt, dass magnetische Instabilitäten entscheidend an vielen Vorgängen im Universum beteiligt sind. Beispielsweise entstehen Sterne und Planeten aus großen, sich drehenden Scheiben aus Staub und Gas. Ohne Magnetfelder ließe sich dieser Vorgang nicht erklären. Magnetische Instabilitäten machen die Strömung in den Scheiben turbulent und ermöglichen so, dass sich die Masse zu einem zentralen Objekt zusammenballt. Wie ein Gummiband verbindet das Magnetfeld benachbarte Schichten, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit rotieren. Es beschleunigt die langsamen äußeren und bremst die schnellen inneren Materieteilchen. Die Wirkung der Fliehkraft reicht dort nicht mehr aus und die Materie stürzt ins Zentrum. In der Nähe des Sonnenäquators verhält es sich genau umgekehrt. Hier bewegen sich die inneren Schichten langsamer als die äußeren. Ein solches Strömungsprofil galt in Fachkreisen bislang als physikalisch extrem stabil.

Die Forscher vom HZDR, von der Universität Leeds und vom AIP haben diesen Fall dennoch näher untersucht. Für ein kreisförmiges Magnetfeld hatten sie bereits errechnet, dass auch für außen schneller rotierende Flüssigkeiten und Gase eine magnetische Instabilität auftreten kann. Allerdings nur unter unrealistischen Bedingungen: Die Rotationsgeschwindigkeit müsste nach außen hin zu stark anwachsen. Im zweiten Anlauf gingen sie nun von einem schraubenförmig geformten Magnetfeld aus. „Wir erwarteten nichts Besonderes mehr, aber dann gab es eine handfeste Überraschung“, erinnert sich HZDR-Wissenschaftler Dr. Frank Stefani. Denn hier kann die magnetische Instabilität bereits einsetzen, wenn die Geschwindigkeit zwischen den rotierenden Plasmaschichten nur schwach zunimmt – was in der äquatornahen Region der Sonne der Fall ist.

„Die neue Instabilität könnte eine wichtige Rolle bei der Erzeugung des Sonnenmagnetfeldes spielen“, schätzt Stefani ein. „Um dies zu bestätigen, müssen wir allerdings zunächst noch weitere, numerisch aufwändige Rechnungen durchführen.“ Prof. Günther Rüdiger vom AIP ergänzt: „Astrophysik und Klimaforschung hoffen noch immer auf ein besseres Verständnis des Sonnenfleckenzyklus. Vielleicht bringt uns die jetzt gefundene ‚Super-HMRI‘ den entscheidenden Schritt weiter.“

Mit komplementären Spezialisierungen in der Astrophysik und der Magnetohydrodynamik beschäftigt sich das interdisziplinäre Team bereits seit über 15 Jahren mit magnetischen Instabilitäten – im Labor, auf dem Papier und mit Hilfe aufwändiger Simulationen. Die Wissenschaftler wollen physikalische Modelle verbessern, kosmische Magnetfelder verstehen und innovative Flüssigmetallbatterien entwickeln. Durch die enge Kooperation gelang es ihnen 2006, die Theorie der Magnetorotationsinstabilität erstmals experimentell zu bestätigen. Auch für die jetzt theoretisch vorhergesagte Spezialform planen die Forscher den Praxistest: In einem Großexperiment, das derzeit im DRESDYN-Projekt am HZDR aufgebaut wird, wollen sie magnetische Instabilitäten im Labor untersuchen.

 

Originalveröffentlichung

G. Mamatsashvili, F. Stefani, R. Hollerbach, G. Rüdiger: Two types of axisymmetric helical magnetorotational instability in rotating flows with positive shear, in Physical Review Fluids, 2019

DOI: https://doi.org/10.1103/PhysRevFluids.4.103905

Pressemitteilung HZDR

https://www.hzdr.de/db/Cms?pOid=59692&pNid=0

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Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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eROSITA – erster Blick ins heiße Universum

eROSITA first light: Die Große Magellansche Wolke mit den sieben "Röntgenaugen" von eROSITA gesehen. Credit: F. Haberl, M. Freyberg, C. Maitra, MPE/IKI

eROSITA – erster Blick ins heiße Universum

22. Oktober 2019. Das deutsche Weltraumteleskop eROSITA veröffentlichte nun erste erstaunliche Bilder des heißen Universums. Mit allen sieben „Röntgenaugen“ nahm es einen seltenen Neutronens...

Das im Juli erfolgreich gestartete Röntgenteleskop eROSITA (extended ROentgen Survey with an Imaging Telescope Array), das Hauptinstrument der russisch-deutschen Spektrum-Röntgen-Gamma (SRG) Mission, hat nach mehr als drei Monaten Flugzeit nun seinen Orbit um den Lagrange-Punkt 2, der von der Sonne aus betrachtet 1,5 Millionen Kilometer hinter der Erde liegt, erreicht. Von hier aus wird eROSITA mit einer Durchmusterung des gesamten Himmels beginnen, um eine Karte der heißen Strukturen im Universum zu erstellen, die aufgrund ihrer hohen Temperatur Röntgenstrahlung aussenden.

eROSITA besteht aus sieben einzelnen Teleskopmodulen, die das einfallende Röntgenlicht aus den heißen Quellen des Universums sammeln. Zunächst wurden nur einzelne Komponenten angeschaltet und nach und nach auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft. Einzelne Teleskopmodule zeigten zunächst Anomalien in der Elektronik. Als „Übeltäter“ steht die kosmische Strahlung im Verdacht, die kleine Änderungen in manchen Bausteinen ausgelöst haben könnte. Mittlerweile hat eROSITA nach einer kurzen Verzögerung und Tests seinen Betrieb aufgenommen.

In der vollen Konfiguration, betrieben also mit allen sieben Kameras, wurde eROSITA als erstes auf ein Objekt ausgerichtet, das vom AIP vorgeschlagen wurde (Abbildung 1). Projektleiter Axel Schwope erklärt, warum genau dieses ausgewählt wurde: „Es handelt sich um ein sehr exotisches Objekt, den Pulsar PSR B0656+14, einen isolierten und schnell rotierenden Neutronenstern, der wegen seiner geringen Größe und seiner enorm hohen Temperatur von mehr als einer Million Grad im Röntgenlicht besonders gut sichtbar ist.“ Derlei Objekte sind extrem selten, insgesamt sind nur ungefähr 30 bekannt. Neutronensterne wie PSR B0656+14, der bei einem Durchmesser von nur 30 km eine Masse von ca. anderthalb Sonnenmassen aufweist und sich in einer Sekunde dreimal um seine eigene Achse dreht, werden auch als makroskopische Atomkerne bezeichnet. Insgesamt beobachtete eROSITA den Pulsar über 28 Stunden. Gleichzeitig nahm auch der europäische Röntgensatellit XMM-Newton das Objekt ins Visier. Die kombinierte Beobachtung erlaubt neue, einzigartige Erkenntnisse über das Magnetfeld und die Temperaturverteilung des Neutronensterns. „Beide Instrumente spielen wunderbar zusammen. Dank der nun verfügbaren hohen spektralen und zeitlichen Auflösung erhalten wir zu jedem Moment der Umdrehung ein Spektrum, das Auskunft über die Extremphysik eines Neutronensterns gibt,“ erklärt Schwope.

 

Abbildung 1: Der Pulsar PSR B0656+14, ein isolierter und schnell rotierender Neutronenstern, der etwa 900 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Die Beobachtung veranschaulicht die beträchtliche Durchmusterungsleistung von eROSITA durch das große Sichtfeld, etwa doppelt so groß wie das von XMM-Newton, das dadurch viele bisher unbekannte Röntgenquellen um den Pulsar herum entdeckt: heiße Sterne in der Milchstraße (meist grünliche Quellen) und entfernte aktive Galaxienkerne (meist bläuliche Quellen).

Credit: A. Schwope, G. Lamer, I. Traulsen (AIP), C. Maitra, M. Ramos-Ceja (MPE), IKI/MPE

In unserer Nachbargalaxie, der Großen Magellanschen Wolke, zeigt eROSITA nicht nur die Verteilung des diffusen, heißen Gases, sondern auch viele bemerkenswerte Details, wie die Überreste von Supernova-Explosionen wie zum Beispiel SN1987A (Abbildung 2). Die Beobachtungen mit eROSITA bestätigen, dass diese Quelle langsam schwächer wird, während sich die Stoßwelle der Sternexplosion, die 1987 beobachtet wurde, immer weiter in das interstellare Medium ausdehnt. Neben vielen anderen heißen Objekten in der Großen Magellanschen Wolke selbst, zeigt das eROSITA-Bild auch einige Vordergrundsterne aus unserer eigenen Milchstraße, sowie weit entfernte aktive Galaxienkerne, die durch das heiße Gas in unserer Nachbargalaxie hindurchscheinen.

 

Abbildung 2: Unsere Nachbargalaxie, die Große Magellansche Wolke, beobachtet in mehreren Einzelaufnahmen mit allen sieben eROSITA-Teleskopmodulen am 18. und 19. Oktober 2019. Die diffuse Emission stammt von dem heißen Gas mit Temperaturen von einigen Millionen Grad zwischen den Sternen der Galaxie. Die kompakten, nebulösen Strukturen im Bild sind hauptsächlich Supernova-Überreste. Die prominenteste, SN1987A, befindet sich in der Bildmitte als sehr helle Quelle, die aufgrund der großen Entfernung noch punktförmig erscheint.

Credit: F. Haberl, M. Freyberg, C. Maitra, MPE/IKI

Ein besonderer Schwerpunkt von eROSITA liegt auf der Entdeckung und Kartierung von Galaxienhaufen. Diese binden durch ihre Schwerkraft das für unsere Augen unsichtbare, extrem verdünnte Gas aus ihrer Umgebung. Durch Kompression und Verwirbelung erhitzt sich das Gas und strahlt intensiv im Röntgenbereich. Zu den ersten Aufnahmen zählen die interagierenden Galaxienhaufen A3391 und A3395 (Abbildung 3). Die beiden Haufen, die in den Bildern als große, elliptische Nebel erscheinen, erstrecken sich über Millionen von Lichtjahren und enthalten jeweils Tausende von Galaxien. Während seiner 4-jährigen Himmelsdurchmusterung wird eROSITA rund 100.000 Galaxienhaufen sowie mehrere Millionen aktive Schwarze Löcher in den Zentren der Galaxien entdecken und kartieren.

 

Abbildung 3: Die beiden interagierenden Galaxienhaufen A3391, oben im Bild, und A3395, unten, in einer Reihe von Aufnahmen, beobachtet mit allen sieben eROSITA-Teleskopmodulen am 17. und 18. Oktober 2019. Die einzelnen Bilder wurden verschiedenen Analysetechniken unterzogen und dann unterschiedlich eingefärbt, um die verschiedenen Strukturen hervorzuheben. Im linken Bild beziehen sich die Farben Rot, Grün und Blau auf die drei verschiedenen Energiebänder von eROSITA. Man sieht die beiden Haufen deutlich als neblige Strukturen, bei denen das extrem heiße Gas (mehrere zehn Millionen Grad) im Raum zwischen den Galaxien hell im Röntgenlicht leuchtet. Das rechte Bild hebt die "Brücke" oder das „Filament“ zwischen den beiden Haufen hervor und bestätigt den Verdacht, dass diese beiden riesigen Strukturen tatsächlich dynamisch interagieren. Die eROSITA-Beobachtungen zeigen auch Hunderte von punktförmigen Quellen, die entweder entfernte supermassereiche Schwarze Löcher oder heiße Sterne in der Milchstraße markieren.

Credit: T. Reiprich (Univ. Bonn), M. Ramos-Ceja (MPE), F. Pacaud (Univ. Bonn), D. Eckert (Univ. Geneva), J. Sanders (MPE), N. Ota (Univ. Bonn), E. Bulbul (MPE), V. Ghirardini (MPE), MPE/IKI

Das deutsche Röntgenteleskop eROSITA wurde mit Unterstützung des DLR Raumfahrtmanagements vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) sowie den Universitäten Erlangen-Nürnberg, Hamburg und Tübingen entwickelt und gebaut. Die Universitäten München und Bonn waren zudem an der Vorbereitung der wissenschaftlichen Auswertung beteiligt. Die Partnerinstitute haben Software für die Datenanalyse, Missionsplanung und Simulationen sowie Teile der Hardware erstellt. Das russische Partner-Institut ist das Space Research Institute IKI, Moskau; technisch verantwortlich für die gesamte Mission ist die Firma NPOL, Lavochkin Association, in Khimky bei Moskau, wobei SRG ein gemeinsames Projekt der russischen und deutschen Raumfahrtagenturen, Roskosmos und DLR, ist.

 

Pressemitteilung MPE

http://www.mpe.mpg.de/7360566/news20191022

Pressemitteilung DLR

https://www.dlr.de/content/de/artikel/news/2019/04/20191022_first-light-erosita.html

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Dr. Axel Schwope, 0331 7499 232, aschwope@aip.de

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Sarah Hönig, 0331 7499 803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Babelsberger Sternennächte gehen in die nächste Saison

Programm der Babelsberger Sternennächte 2019/2020.

Babelsberger Sternennächte gehen in die nächste Saison

Am Donnerstag, den 17. Oktober 2019, ab 19.15 Uhr startet das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) eine neue Saison der Babelsberger Sternennächte. Christian Thomas, wissenschaftlicher ...

Die Saison der Sternennächte 2019/2020 startet anlässlich des Humboldt-Jahres mit einem Gastvortrag zu Alexander von Humboldts Kosmos-Vorlesungen. Danach setzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des AIP die beliebte öffentliche Vortragsreihe fort. Die Themen spiegeln die Vielfalt der Forschung des Instituts wider: Von Exoplaneten und sonnenähnlichen Sternen über Dunkle Materie und besondere Galaxien bis hin zu Weltraummissionen bieten die allgemeinverständlichen Vorträge allen Interessierten Einblick in aktuelle Themen der Astrophysik. Im Anschluss an die Vorträge bieten wir eine Führung über das Gelände und – nach Möglichkeit – die Beobachtung an einem unserer Spiegelteleskope an.

Die Premiere der Babelsberger Sternennächte steht im Zeichen des Forschers Alexander von Humboldt, dessen 250. Geburtstag 2019 im Rahmen eines Humboldt-Jahres gefeiert wird. Seine legendären Berliner Kosmos-Vorträge, gehalten in zwei parallel stattfindenden Kursen im Winter 1827/28, gelten oft als Sternstunden in der Geschichte der Wissenschaftspopularisierung. Der Andrang auf beide Kurse war tatsächlich bis dahin unerreicht, und wurde nur durch das Fassungsvermögen der jeweiligen Räumlichkeiten begrenzt. Im seinerzeit größten Vortragssaal der Stadt, und anders als in der Berliner Universität dieser Zeit, hatten auch Frauen Zutritt zu Humboldts Vorlesungen. Insgesamt war das Publikum diverser als in der naturgemäß stark akademisch geprägten Universität, und reichte – jedenfalls nach Humboldts Worten – „vom König zum Maurermeister“.

Eine neue Publikation, Die Kosmos-Vorlesung an der Berliner Sing-Akademie, die 2019 im Insel Verlag erschienen ist, präsentiert den zuverlässigen Text der sechzehn Vorträge in der Nachschrift Henriette Kohlrauschs. Im Rahmen der Babelsberger Sternennächte gibt Christian Thomas, einer der beiden Herausgeber, zunächst eine kurze Einführung in die oft widersprüchlichen Überlieferungen zu diesen weltberühmten Vorträgen Alexander von Humboldts. Schließlich wird insbesondere auf die Rolle bzw. Funktion der Astronomie in Humboldts Wissenschaftssystem hingewiesen. Denn, so äußerte Humboldt der Nachschrift zufolge in der 14. Kosmos-Vorlesung, „Wie groß und folgenreich auch die Entdeckungen seyn mögen, wodurch in neuern Zeiten alle Zweige der Naturwissenschaft im Allgemeinen gefördert worden, so sind doch die Fortschritte in der Kenntniß des Himmels von allen die Bedeutendsten.“

Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Veranstaltungsort: AIP, An der Sternwarte 16, 14482 Potsdam

Terminübersicht: Babelsberger Sternennächte

 

Cover der Publikation "Die Kosmos-Vorlesung an der Berliner Sing-Akadamie". Alexander von Humboldt, Henriette Kohlrausch. Hrsg. von Christian Kassung und Christian Thomas. Berlin: Insel, 2019.

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Wempe-Preis für Elisabeth Newton

Prof. Dr. Elisabeth Newton. Credit: privat

Wempe-Preis für Elisabeth Newton

24. September 2019. Am Donnerstag, den 26. September 2019, verleiht die Johann-Wempe-Stiftung den Wempe-Preis an Prof. Dr. Elisabeth Newton vom Dartmouth College, USA, für ihre herausragenden Arbe...

Prof. Newtons Forschung befasst sich mit der Physik von Sternen und ihren Planeten, insbesondere mit langlebigen massearmen Zwergsternen der Klasse M (M-Zwergsterne), deren Rotation und Magnetismus, und der Entstehung von Exoplaneten.

Prof. Newton promovierte an der Universität Harvard über M-Zwergsterne und erforschte anschließend als Postdoctoral National Science Foundation Fellow am Massachusetts Institute of Technology M-Zwergsterne als Zentralsterne von Planetensystemen. Seit Anfang des Jahres ist sie Assistant Professor of Physics and Astronomy am Dartmouth College in New Hampshire, USA.

Ihre Arbeiten zur Rotation von sehr massearmen M-Zwergsternen haben viel Beachtung gefunden und bieten direkte Anknüpfungspunkte zur Forschung am AIP bezüglich stellarer Aktivität und Exoplaneten. M-Zwergsterne sind so lichtschwach, dass kein einziger von der Erde aus mit bloßem Auge sichtbar ist, obwohl sie einen großen Teil aller Sterne ausmachen.

 

Künstlerische Darstellung eines M-Zwergsterns mit Planeten. Credit: NASA/JPL-Caltech


Ablauf der Preisverleihung

Ab 15:00 Uhr

  • Begrüßung durch Prof. Dr. Matthias Steinmetz, wissenschaftlicher Vorstand am AIP
  • Grußwort von Dr. Jürgen Kroseberg, Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Laudatio, gehalten von Prof. Dr. Katja Poppenhäger, Abteilungsleiterin Sternphysik und Exoplaneten am AIP
  • Preisübergabe
  • Festvortrag von Prof. Dr. Elisabeth Newton: „Spin and magnetism in M dwarf stars“ (auf Englisch)
  • Empfang

 

Zum Wempe-Preis

Zu Ehren des letzten Direktors des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, Prof. Dr. Johann Wempe (1906 – 1980), wird seit dem Jahr 2000 der Johann-Wempe-Preis an hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben. Er wird aus Mitteln finanziert, die Johann Wempe hinterlassen hat.

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger sind Alice Quillen, Oliver Gressel, Brent Tully, Thomas R. Ayres, Yehuda Hoffman, Matthias Rempel, Kenneth C. Freeman, Ignasi Ribas, Eva Grebel, Alexander Kosovichev, Isabelle Baraffe und Gilles Chabrier, Russell Cannon und Tom Abel.

 

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Katja Poppenhäger, 0331 7499 521, kpoppenhaeger@aip.de

Medienkontakt

Sarah Hönig, 0331 7499 803, presse@aip.de

 

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16. Potsdamer Thinkshop: Die Rotationsperioden kühler Sterne

Poster für den Thinkshop. Für größere Version klicken. Credit: AIP

16. Potsdamer Thinkshop: Die Rotationsperioden kühler Sterne

Vom 23. bis 26. September treffen sich auf dem AIP-Campus in Babelsberg über 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum 16. Potsdamer Thinkshop. In der Veranstaltungsreihe des Leibniz-Institu...

Sydney Barnes, Leiter der Gruppe Sternaktivität am AIP und Organisator der Konferenz, erklärt: „Die Rotation scheint die wesentliche Variable zu sein, die vielen dynamischen Eigenschaften von Sternen zugrunde liegt, wie z.B. der magnetischen Aktivität, die sich in stellaren Dynamos, Sternenflecken, Sonnen- oder Sterneruptionen manifestiert. Eine Anwendung der gemessenen Rotationsrate ist die Ableitung des Alters der Sterne, welches sonst nur schwer zu ermitteln ist.“ Die Kenntnis der Sternenalter hilft bei der Erstellung astronomischer Chronologien, d.h. der Datierung astronomischer Phänomene. Silva Järvinen, AIP-Wissenschaftlerin in der Abteilung Sternphysik und Exoplaneten, fügt hinzu: „Das AIP hat in den letzten Jahrzehnten eine führende Rolle gespielt, diese magnetischen Phänomene für eine Vielzahl von Sternen zu untersuchen und damit zusammenhängende Erscheinungen wie Sternflecken, stellare Magnetfelder und die Rotation selbst zu messen.“ Mit Teleskopen auf der Erde und auch im Weltraum können nun die Rotationsperioden von immer mehr Sternen präzise gemessen werden.

Diese Konferenz wird einen internationalen Querschnitt der wichtigsten Mitwirkenden des Fachgebiets zusammenbringen, um die neuesten Erkenntnisse zu diskutieren und zu verknüpfen. Weitere Informationen zum Thinkshop gibt es auf der Webseite: https://thinkshop.aip.de/16.

 

Wissenschaftliche Kontakte

Dr. Sydney Barnes, 0331-7499-379, sbarnes@aip.de

Dr. Silva Järvinen, 0331-7499-448, sjarvinen@aip.de

 

Medienkontakt

Sarah Hönig, 0331-7499-803, presse@aip.de

 

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