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In einem 243 Stunden dauernden Beobachtungsmarathon haben Astronomen vom
Erdboden aus die Helligkeitsschwankungen zweier Sterne beobachtet, ohne dass sie
dabei wegen Einbruchs der Morgendämmerung abbrechen mussten. Tief im
antarktischen Kontinent betreibt ein italienisches Konsortium unter Mitarbeit des
Astrophysikalischen Instituts Potsdam (AIP) ein Pilotteleskop auf 75 Grad südlicher
Breite. Das Dome C genannte Plateau bietet wegen der extrem geringen
Luftfeuchtigkeit exzellente Beobachtungsbedingungen. In den Wintermonaten, von
Mai bis Anfang August, können sogar ununterbrochene Beobachtungsreihen über
viele Tage gewonnen werden. Allenfalls der Nordhorizont hellt sich mittags auf, ohne
dass die Sonne aufgeht.
Zwei ganz unterschiedliche Sterne im
Sternbild Centaurus lagen im Bildfeld
des Teleskops während der
Beobachtungsperiode im antarktischen
Winter 2007. Nach der Rückkehr der
Besatzung der Antarktisstation im
Januar 2008 haben nun Astronomen
des AIP, der Universität Perugia und der
Observatorien in Teramo und Catania
die mitgebrachten Daten ausgewertet
und veröffentlicht.
Einer der beiden Sterne zeigt
Pulsationen und damit verbundene
Helligkeitsschwankungen. Allerdings pulsiert der V1034 Centauri genannte Stern mit
mehreren Frequenzen gleichzeitig; die Überlagerung der vielen Schwingungen ergibt eine
komplexe Veränderlichkeit der Sternhelligkeit. Gelingt es, die einzelnen Frequenzen aus
dem "Gefunkel" zu bestimmen, kann man, ähnlich wie bei der Seismologie auf der Erde,
Rückschlüsse auf den Aufbau der Sterne ziehen. Über zwanzig solcher Frequenzen konnten
jetzt aufgrund der Beobachtungen in der Antarktis bei V1034 Centauri bestimmt werden.
Der andere Stern ist ein so genannter
Unterriese, an der Oberfläche kühler als
die Sonne, aber wesentlich größer als
diese. Seine kurze Rotationsperiode von
knapp sechs Tagen zeichnet sich immer
dann in den Lichtkurven ab, wenn es auf
der Oberfläche Flecken gibt, die
periodisch auf der dem Beobachter
zugewandten Seite des Sterns
erscheinen. Der V841 Centauri genannte
Stern ist magnetisch sehr aktiv und zeigt
große Sternflecken. Durch die lange
Beobachtungsperiode in der Antarktis konnte nun die Oberfläche des Sterns kartiert werden.
Zu den ungewöhnlichen Orten, an denen Astronomen in die Sterne schauen, gehören nicht
nur sehr hohe Berge und dürre Wüsten, sondern in den letzten Jahren verstärkt auch die
Antarktis. Das robotisch arbeitende Pilotteleskop sIRAIT mit 25 Zentimeter
Spiegeldurchmesser ist Vorreiter für ein großes Gemeinschaftsprojekt zum Bau eines 80-cm-Teleskops
unter italienischer Leitung und eines robotisch arbeitenden Doppelfernrohrs aus
zwei 60-cm-Teleskopen unter Leitung des AIP an jenem unwirtlichen, aber astronomisch so
interessanten Standort. Das Doppelteleskop ICE-T wird, wie auch das jetzige Testteleskop,
an der französisch-italienischen Concordia-Station in 3200 Meter Höhe auf dem Dome-C-Plateau
angesiedelt sein. Von dort können während der antarktischen Wintermonate im
Prinzip durchgehende Beobachtungsreihen mit einer Länge von 90 Tagen gewonnen
werden. Solche Serien sind sonst Weltraumteleskopen vorbehalten, die um ein Vielfaches
teurer sind. Finanziert werden diese AIP-Aktivitäten in der Antarktis unter anderem mit den
beschafften Wettbewerbsmitteln aus dem Übereinkommen für Forschung der Leibniz-Gemeinschaft
für die Jahre 2008 bis 2010. Dachorganisation für die Aktivitäten in der
Antarktis ist das von der EU geförderte Netzwerk ARENA (Antarctic Research: a Network for
Astronomy), in dem zwanzig Institute die besonderen Bedingungen für Astronomie und
Klimaforschung nutzen wollen.
Das AIP beschäftigt sich vorrangig mit kosmischen Magnetfeldern und extragalaktischer Astrophysik.
Daneben wirkt das Institut als Kompetenzzentrum bei der Entwicklung von Forschungstechnologie in den
Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Das AIP ist Nachfolger der 1700
gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums
Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete.
Das AIP ist eine Stiftung privaten Rechts und ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören derzeit 82 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die
wissenschaftliche Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung bearbeiten.
Literatur
K. G. Strassmeier, R. Briguglio, T. Granzer, G. Tosti, I. DiVarano, I. Savanov, M. Bagaglia, S.
Castellini, A. Mancini, G. Nucciarelli, O. Straniero, E. Distefano, S. Messina and G. Cutispoto
2008: First time-series optical photometry from Antarctica. sIRAIT monitoring of the RS CVn
binary V841 Centauri and the delta-Scuti star V1034 Centauri. Astronomy & Astrophysics, in
press, astro-ph preprint 0807.2970.
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Astronomen beobachten in der Antarktis am Pilotteleskop an der Concordia-Station unter besonders guten Bedingungen. [Foto: Runa Briguglio]

Bild 2: Mit höchster Genauigkeit wird die Lichtkurve des Sterns V841 Centauri abgetastet. [Grafik: AIP]
Kontakt
Prof. Dr. Klaus G. Strassmeier
Astrophysikalisches Institut Potsdam
An der Sternwarte 16
D-14482 Potsdam
(0331) 7499 295
Dr. Thomas Granzer
(0331) 7499 315
Pressestelle: Madleen Köppen
(0331) 7499 469
[Programmbereich Teleskopsteuerung und Robotik]
[Programmbereich Sternaktivität]
[AIP Homepage]
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