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Das LBT polarisiert: Erstes Licht für die PEPSI-Polarimeter

Das Large Binocular Telescope auf dem Mt. Graham, Arizona. Bild: Large Binocular Telescope Observatory

Das LBT polarisiert: Erstes Licht für die PEPSI-Polarimeter

Dank eines einzigartig gestalteten „zwei-in-einem-Instrument“, das an das weltweit leistungsfähigste Teleskop angeschlossen ist, können Astronominnen und Astronomen genauere Hinweise über di...

Die Installation des am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) entwickelten Instruments PEPSI (Potsdam Echelle Polarimetric and Spectroscopic Instrument) am Large Binocular Telescope (LBT) in Arizona wurde nun erfolgreich fertig gestellt und die beiden Polarimeter in den Brennpunkten des LBT montiert. Wissenschaftler haben das Teleskop auf den Stern Gamma Equ gerichtet und polarisiertes Licht, das in bestimmten Ausbreitungsrichtungen bevorzugt schwingt, erhalten. Mithilfe der so erstellten Spektren können Astronominnen und Astronomen beispielsweise ableiten, wie die Geometrie und Stärke von magnetischen Feldern auf den Oberflächen von weit entfernten Sternen beschaffen sind, oder das Sternlicht, das von den Atmosphären potenziell bewohnbarer Exoplaneten reflektiert wird, untersuchen.

Ein Polarimeter spaltet das Licht von Sternen gemäß dessen Schwingungsebenen auf. Im Gegensatz dazu zerlegt ein Spektrograf das Licht nach der Schwingungsfrequenz der Wellen. Wenn Astronomen Polarimeter und Spektrograf sowie ein leistungsstarkes Teleskop kombinieren, können sie Spektren von polarisiertem Licht erstellen. Dies erlaubt es ihnen wiederum, die Wellenfront des eintreffenden Sternenlichts vollständig zu charakterisieren und Details, die sonst verborgen blieben, offenzulegen.

Bei der Analyse des magnetischen Referenzsterns Gamma Equ erhielten die Wissenschaftler eine Reihe von Spektren in zirkular und linear polarisiertem Licht. Diese Spektren haben eine Auflösung von R=λ/Δλ=120,000, was bedeutet, dass sie zwei Wellenlängen noch separieren können, die nur fünf Hundertstel vom Durchmesser eines Wasserstoff-Atoms auseinander sind. Die gemessenen Spektren umfassen zudem gleichzeitig zwei große Wellenlängen-Regionen im optischen Bereich und erreichten ein Signal-zu-Rauschen Verhältnis von 900 in 12 Minuten Belichtungszeit. Da die beiden Polarimeter für die beiden LBT-Teleskope – jedes hat einen Spiegel mit einem Durchmesser von 8,4 Metern – im Design identisch und modular aufgebaut sind, konnte die zirkulare und lineare Polarisation simultan gewonnen werden.

Die Testmessung mit Gamma Equ beinhaltete auch ein so genanntes Null-Spektrum. Ein Null-Spektrum entsteht, wenn die differentielle Beobachtungssequenz in den zwei Fasern ausgetauscht wird. Das Null-Spektrum würde idealerweise alle Polarisation vom Stern auslöschen und wäre unabhängig von der Wellenlänge. Jede verbleibende Polarisation wäre somit auf Effekte des Instruments zurückzuführen. „Das Null-Spektrum für PEPSI zeigt einen außergewöhnlich niedrigen Grad von instrumenteller Polarisation“, sagt Prof. Dr. Klaus Strassmeier, Principal Investigator des Projekts. „Das ist etwa zehnmal besser als bei den derzeit besten existierenden Spektralpolarimetern, die an anderen Teleskopen verfügbar sind.“ Verschiedene Ausstattungs- und Design-Merkmale von PEPSI erlauben die optimale Konfiguration des Polarimeters. „PEPSI wird es uns zukünftig ermöglichen, die magnetischen Felder von Sternen mit einer enorm hohen Präzision zu messen“, betont Dr. Ilya Ilyin. Alle Partner, die am LBT beteiligt sind und zu denen auch die deutsche astronomische Gemeinschaft gehört, können PEPSI bereits am LBT nutzen.

 

Polarimetrisches Spektrum

Bild 1: Das erste polarimetrische Spektrum von PEPSI. Das Zielobjekt ist der helle magnetische Stern “Gamma Equ”. Die schwarze Linie stellt das PEPSI-Spektrum dar, die rote zum Vergleich ein HARPS-Pol-Spectrum desselben Sternes. Von unten nach oben: Das magnetische Null-Spektrum um einen Faktor fünf vergrößert, die normalisierte lineare Stokes-Komponente U/Ic um einen Faktor fünf vergrößert, die normalisierte lineare Stokes-Komponente Q/Ic um einen Faktor fünf vergrößert, die normalisierte zirkulare Stokes-Komponente V/Ic sowie das normalisierte integrale Licht I/Ic. Bild: Ilya Ilyin/AIP

 

Polarimeter1 Polarimeter2

Bild 2: Die beiden Polarimeter SX und DS bei den zwei Spiegeln des LBT. Bilder: Klaus Strassmeier/AIP

 

Mehr Informationen zu PEPSI:

pepsi.aip.de

 

Mehr Informationen zum LBT:

www.lbto.org

LBT Blog: https://lbtonews.blogspot.com/2017/10/the-lbt-gets-polarized-first-light-for.html

 

Wissenschaftliche Kontakte:

Prof. Dr. Klaus G. Strassmeier (Principal Investigator), 0331-7499 223, kstrassmeier@aip.de

Dr. Ilya Ilyin (Projektwissenschaftler), 0331-7499 269, ilyin@aip.de

 

Pressekontakte:

Katrin Albaum (AIP), 0331-7499 803, presse@aip.de

Christian Veillet (Large Binocular Telescope Observatory), +1 (520) 621-5286, cveillet@lbto.org

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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L'Oréal-UNESCO-Stipendium für Kosmologin Jenny Sorce

Foto: © Foundation L'Oréal | Carl Diner

L'Oréal-UNESCO-Stipendium für Kosmologin Jenny Sorce

Kosmologische Simulationen erstellen, unsere Nachbarschaft im Universum erforschen: Die Kosmologin Dr. Jenny Sorce erhält ein Stipendium im Förderprogramm "L'Oréal-UNESCO For Women in Science", ...

Der Anteil von Frauen, die weltweit in der Forschung arbeiten, liegt bei nur 28 Prozent, so der UNESCO-Wissenschaftsbericht bis 2030, der 2015 erschienen ist. Mit dem Programm „For Women in Science“ wollen die L'Oréal-Stiftung und die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) die Arbeit von herausragenden Wissenschaftlerinnen in aller Welt fördern und mehr junge Frauen ermutigen, einen solchen Karriereweg einzuschlagen.

Sorce erforscht sozusagen unsere kosmische Heimat in einer Box: Sie simuliert „numerische Kästen“, die mit Materie gefüllt sind, um die Entstehung und Evolution unseres lokalen Universums abzubilden. Ihr Ziel ist es, zu verstehen, wie die bislang unbekannten 95 Prozent der Inhalte des Universums beschaffen sind. Mit Supercomputern berechnen Astrophysikerinnen und Astrophysiker die Bewegung von Materie innerhalb von derartigen Kästen und können somit die Geschichte des Kosmos von seinem Anfang bis heute nachvollziehen. Der Teil des Universums, in dem wir leben, scheint dem restlichen Kosmos ähnlich zu sein: Er enthält faserartige Gebilde, die mit Materie gefüllt sind, neben leeren Lücken – ein kosmisches Netz, mit dem einer Spinne vergleichbar. „Wenn wir dieses Stück des Universums genauer betrachten, unterscheidet es sich allerdings von anderen Abschnitten“, sagt die Wissenschaftlerin. „Dieser Effekt ist vergleichbar mit der Beobachtung von Zebras in einer Herde: Einzelne Zebras scheinen sich nicht von den anderen Tieren zu unterscheiden, aber wenn wir sie genauer untersuchen, fallen uns Besonderheiten in der Fellzeichnung auf.“

Die AIP-Gastwissenschaftlerin hat neue „Kästen“ entwickelt, die unsere kosmische Nachbarschaft im Universum abbilden. Diese basieren auf mathematischen Algorithmen sowie auf astronomischen Beobachtungen, zu denen die Astrophysikerin beigetragen hat. Sie nutzt diese Boxen, um den lokalen Kosmos zu verstehen und dessen Effekt auf weitläufigere Messungen, bei denen Astrophysiker größere, weiter entfernte Teile des Universums untersuchen, abzuleiten.

Sorce studierte Physik und Astrophysik an der École normale supérieure de Lyon (ENS de Lyon) in Frankreich. Danach promovierte sie in Astrophysik an den Universitäten in Lyon, Frankreich, und Potsdam. Sie verbrachte zudem längere Forschungsaufenthalte am Institut für Astronomie der Universität in Hawaii, USA. Von 2014 bis 2016 forschte sie als Humboldt-Forschungsstipendiatin am AIP und wurde 2016 für ihre Arbeiten mit dem Young-Researchers-Preis der Stadt Lyon ausgezeichnet.

Die L'Oréal-Stiftung vergibt jährlich, in Zusammenarbeit mit der französischen UNESCO-Kommission und der Académie des Sciences, der französischen Akademie der Wissenschaften, 30 Stipendien an Doktorandinnen oder Postdoktorandinnen der Lebenswissenschaften oder Physik, die in Frankreich studieren oder arbeiten. International erhalten pro Jahr 275 Nachwuchswissenschaftlerinnen aus 115 Ländern eines der Stipendien.

 

Pressemitteilung der L'Oréal-Stiftung:

https://www.fondationloreal.com/categories/publications-284/lang/fr

 

Wissenschaftlicher Kontakt: Dr. Jenny Sorce, jsorce@aip.de

 

Pressekontakt: Janine Fohlmeister, 0331-7499 802, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Denkschrift 2017: Perspektiven der Astrophysik in Deutschland 2017 – 2030

Vorstellung der Denkschrift bei der Tagung der Astronomischen Gesellschaft. Vollständige Bildunterschrift im Text. Foto: Thomas Klawunn

Denkschrift 2017: Perspektiven der Astrophysik in Deutschland 2017 – 2030

19. September 2017. Der Rat deutscher Sternwarten (RDS) hat heute auf der Tagung der Astronomischen Gesellschaft die Denkschrift 2017 „Perspektiven der Astrophysik in Deutschland 2017-2030 – Vo...

„Die Denkschrift 2017 bestätigt beeindruckende Fortschritte in der astrophysikalischen Forschung in den vergangenen 15 Jahren – weltweit und insbesondere auch in Deutschland“, begrüßt Prof. Dr. Matthias Steinmetz, Wissenschaftlicher Vorstand des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) sowie Präsident der Astronomischen Gesellschaft und Koordinator der Denkschrift. „Forschende in Deutschland waren an zahlreichen wissenschaftlichen Durchbrüchen beteiligt. Darauf aufbauend gibt die Denkschrift 2017 strategische Empfehlungen, wie Deutschland seine international führende Rolle in der astrophysikalischen Forschung im kommenden Jahrzehnt verfestigen und weiter ausbauen kann.“

Die Denkschrift 2017 ist auf Grundlage von 20 Strategiepapieren der in Deutschland vertretenen astronomischen Spezialdisziplinen entstanden. Die Themen reichen von Sternen und ihren Planetensystemen bis zur Kosmologie und Dunklen Materie. Aktuelle Fragen der Astrophysik, wie die nach den Frühphasen des Universums, der Entwicklung Schwarzer Löcher oder nach dem möglichen Nachweis außerirdischen Lebens werden in der Denkschrift ebenso adressiert wie der Ausbau der Forschungsinfrastrukturen, die zu ihrer Beantwortung notwendig sind. Neben der Präsentation des aktuellen Forschungsstandes identifiziert das Redaktionsteam, das sich aus führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der astrophysikalischen Institute in Deutschland zusammensetzt, aber auch, welche Fortschritte in der nächsten Dekade realistisch sind und wie der Erkenntnisgewinn optimal gefördert werden kann.

Die Kernaussage der Denkschrift bilden die Empfehlungen zur Beteiligung an den wichtigsten internationalen Teleskopprojekten und Beobachtungseinrichtungen auf der Erde und im Weltraum. Dies sind in erster Linie die großen internationalen Observatorien wie das Extremely Large Telescope der ESO, das mit einem Spiegeldurchmesser von 39 Metern das „biggest eye on the sky“ sein wird, und die geplanten Einrichtungen auf der europäischen Infrastructure Roadmap, wie etwa das Radio-Antennenfeld Square Kilometre Array (SKA) und das European Solar Telescope. In der Weltraumforschung sind Missionen des Cosmic Vision Programms der Europäischen Weltraumagentur ESA von besonderer Bedeutung. An allen diesen Vorhaben sind Astronominnen und Astronomen in Deutschland entscheidend beteiligt, oft in leitender Position. Sowohl die europäischen Teleskopvorhaben auf der Erdoberfläche als auch die im Weltraum müssen jedoch ergänzt werden durch individuelle nationale und bilaterale Vorhaben, gerade um angesichts der Langfristigkeit dieser Projekte die treibenden Spezialistinnen und Spezialisten in den verschiedenen Fachrichtungen in Deutschland zu halten.

Ein weiteres Themenfeld der Denkschrift spricht die Vernetzung der verschiedenen Projekte und der Förderorganisationen an. Handlungsbedarf wird hier darin gesehen, klarere Strukturen für den nachhaltigen Betrieb großer Beobachtungseinrichtungen zu entwickeln, die eine Teilhabe aller Forschenden sowohl an Universitäten als auch an außeruniversitären Forschungseinrichtungen ermöglichen. Ebenso sollten Forschungsvorhaben auf der Erde und solche im Weltraum noch enger aufeinander abgestimmt werden.

Die Denkschrift 2017 widmet sich auch weiteren Themen, wie dem Höchstleistungsrechnen, dem virtuellen Observatorium und der Wissenschaft mit großen Datenmengen sowie Überlegungen zu Know-how und zur Personalentwicklung. Handlungsfelder werden in der Etablierung klarer Karriereperspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs gesehen, etwa in Form von Tenure-Track-Stellen, und in dem weiteren Bestreben, junge Menschen und insbesondere auch Frauen für die Astronomie und die Naturwissenschaften zu gewinnen. Dem akademischen Mittelbau kommt auf Grund der Abhängigkeit der Astronomie von großen und komplexen Beobachtungeinrichtungen eine besondere Bedeutung zu.

Der Rat deutscher Sternwarten setzt mit der Denkschrift 2017 die Tradition aus den Jahren 1962, 1987 und 2003 fort. Die Denkschrift 2017 verdeutlicht Deutschlands gestaltende Beteiligung beim Bau und der Nutzung astrophysikalischer Infrastrukturen und betont die Wirkung, die davon auf andere Bereiche der Forschung und Entwicklung, auf die Ausbildung von Fachkräften und auf die Öffentlichkeit ausgeht. Mit den Empfehlungen der Denkschrift 2017 wenden sich die Astronominnen und Astronomen in Deutschland  an wissenschaftliche und wissenschaftspolitische Entscheidungsträger an den Universitäten, in den Wissenschafts- und Förderorganisationen und in der Forschungspolitik.

Die Denkschrift 2017 sowie die 20 ihr zugrundeliegenden Strategiepapiere finden Sie unter:
www.denkschrift2017.de

Pressenmitteilung der Astronomischen Gesellschaft:
www.astronomische-gesellschaft.de/de/aktivitaeten/pressemitteilungen/pmdenk

Wissenschaftlicher Kontakt: Prof. Dr. Matthias Steinmetz, +49 331-7499 801, msteinmetz@aip.de

Pressekontakt: Dr. Janine Fohlmeister, +49 331-7499 803, jfohlmeister@aip.de

 

Bildunterschrift:

Von Links: Prof. Dr. Sami K. Solanki (Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung), Prof. Dr. Matthias Steinmetz (Präsident der Astronomischen Gesellschaft), Prof. Dr. Eva Grebel (Direktorin am Astronomischen Recheninstitut des Zentrums für Astronomie der Universität Heidelberg), Prof. Dr. Joachim Wambsganß (Vizepräsident der Astronomischen Gesellschaft) und Prof. Dr. Jörn Wilms (Universität Erlangen-Nürnberg) stellen die Denkschrift 2017 vor. (Foto: Thomas Klawunn)

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Sonnenfinsternis in einhundert Spektren

Die partielle Sonnenfinsternis, beobachtet vom Mount Graham in Arizona, USA, aus. Bild: AIP/Ilya Ilyin

Sonnenfinsternis in einhundert Spektren

12. September 2017. Eine Sonnenfinsternis bietet die Möglichkeit, Teile der Sonne zu untersuchen, die sonst nicht sichtbar sind. Mit dem Solar Disk Integrated Teleskop (SDI) auf dem Mount Graham i...

„Die Spektren, die wir erstellt haben, sind hoch dynamisch“, erklärt AIP-Forscher Dr. Ilya Ilyin. „Der Ursprung des gemessenen Lichts liegt in verschiedenen Bereichen der Sonne, deswegen variiert der Verlauf der Linien.“ Durch die Finsternis wurde die Chromosphäre der Sonne besser sichtbar – die Schicht der Sonnenatmosphäre, die über der Photosphäre liegt und an die äußere Korona angrenzt. Die innere Photosphäre überstrahlt die Chromosphäre normalerweise. Nur wenn der Mond die Photosphäre zu einem großen Teil verdeckt, sind im Spektrum chromosphärische Linien direkt sichtbar.

In Arizona lag am 21. August 2017 eine partielle Sonnenfinsternis vor, was bedeutet, dass der Mond nur den inneren Teil der Sonnenscheibe verdeckt hat. „Die chromosphärischen Linien vom Sonnenrand waren daher verstärkt“, so Ilyin. Genauer untersucht haben die Forscherinnen und Forscher die so genannte Natrium-D1-Linie, deren Ursprung in der unteren Chromosphäre der Sonne liegt. Insgesamt haben die Wissenschaftler zwischen 9.16 Uhr und 12.03 Uhr Ortszeit auf dem Mount Graham, etwa einhundert Spektren in den Wellenlängenbereichen 422 bis 477 und 536 bis 628 Nanometer erstellt.

Der Spektrograph PEPSI wurde vom AIP gebaut und 2015 in Arizona am LBT installiert. Das LBT hat zwei Spiegel mit einem Durchmesser von jeweils 8,4 Metern und ist daher effektiv ein 11,8-Meter-Teleskop. Ziel des Sonnenteleskops SDI ist es, Spektren täglich und kontinuierlich im Verlauf eines ganzen magnetischen Sonnenzyklus zu messen, um so in hoher Auflösung zu untersuchen, wie sich die Druckmoden der Sonnenschwingungen mit der Magnetfelddichte verändern. „Unser Hauptziel ist allerdings, die Sonnenoberfläche mit anderen Sternen zu vergleichen, um so deren Oberflächenmagnetismus besser zu verstehen“, sagt Prof. Dr. Klaus Strassmeier, Principal Investigator des Projekts PEPSI. Zudem wollen die Forschenden feststellen, wie sich die Linienprofile im Spektrum im Laufe eines Sonnenzyklus verändern.

 

Änderungen der Linienasymmetrie aller Na D1 Spektren, die während der Sonnenfinsternis aufgenommen wurden. Bild: AIP/Ilya Ilyin

 

Die Sodium-D2-D1-Linie, deren Ursprung in der niedrigeren Chromosphäre der Sonne liegt. Alle Spektren, die während der Sonnenfinsternis mit SDI in zwei Wellenbereichen beobachtet wurden. Bild: AIP/Ilya Ilyin

 

Die partielle Sonnenfinsternis beobachtet mit SDI. Video: AIP/Carsten Denker, Ekaterina Dineva, Ilya Ilyin

 

Wissenschaftliche Kontakte:
Dr. Ilya Ilyin, ilyin@aip.de, 0331 7499-269
Prof. Dr. Klaus G. Strassmeier, kstrassmeier@aip.de, 0331 7499-223

Pressekontakt: Katrin Albaum, 0331 7499-803, presse@aip.de

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Tag des offenen Denkmals

Der Forschungscampus Babelsberg. Bild: AIP

Tag des offenen Denkmals

21. August 2017. Das Leibniz-Institut für Astrophysik (AIP) beteiligt sich am bundesweiten Tag des offenen Denkmals. Die Veranstaltung findet am Sonntag, 10. September 2017, auf dem Campus in Babe...

Etwa 7.500 historische Baudenkmale, Parks oder archäologische Stätten öffnen beim Tag des offenen Denkmals bundesweit ihre Türen. Das AIP bietet Besucherinnen und Besuchern Führungen sowie Vorträge. Außerdem können Interessierte das Außengelände auf dem Campus Babelsberg erkunden.

Das Programm:
10 bis 18 Uhr
Das Außengelände des AIP-Campus in Potsdam-Babelsberg ist geöffnet und für Besucherinnen und Besucher zugänglich

11.30 Uhr und 15 Uhr
Vortrag von Jörn Limberg, Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Potsdam, zur Villenkolonie Neubabelsberg
Ort: Hörsaal im Schwarzschildhaus

13 Uhr und 14 Uhr
Führung über den Campus des AIP in Babelsberg mit Besichtigung der historischen Gebäude
Treffpunkt: Vor dem Schwarzschildhaus

18 Uhr
Konzert der Band „Duck Tape Ticket“ im Rahmen der Potsdamer Jazztage

Weitere Informationen:
tag-des-offenen-denkmals.de
www.potsdamer-dreiklang.de

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