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Andere Sonnen haben auch den Dreh raus

17. Mai 2016. Astrophysiker des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) und der John Hopkins Universität in Baltimore (JHU) haben Rotationsperioden von Sternen innerhalb eines Haufens unt...

Die heute zum Basiswissen zählende Feststellung, dass Sterne nichts anderes als weit entfernte Sonnen sind, konnte erst im 19. Jahrhundert mittels ausgeklügelter Abstandsmessungen nachgewiesen werden. Dank dieses Wissens und durch die Beobachtung unserer Sonne – dem einzigen Stern, den wir detailliert untersuchen können – können wir auch Prozesse auf anderen Sternen erforschen. Zudem lässt sich dieses Prinzip auch umkehren, indem man beispielsweise Erkenntnisse über sonnenähnliche Sterne nutzt, um auf die Vergangenheit und Zukunft unserer Sonne zu schließen. Die Rotationsperioden von Sternen liefern einen wichtigen Schlüssel, um nun auch magnetische Phänomene auf anderen Sternen besser zu verstehen. Die Größe der beobachteten Sternenflecken lässt darauf schließen, dass die Magnetfelder der Sterne denen der Sonne sehr ähnlich sein müssen.

Das AIP/JHU-Team studierte den vier Milliarden Jahre alten offenen Sternenhaufen M67. Dieser ist der einzige bekannte Cluster, der nahezu zeitgleich zu unserer Sonne entstanden ist und damit Sterne in ihrem Alter enthält. Durch seine relative Nähe zur Milchstraße kann er eingehender erforscht werden.

Sterne wie unsere Sonne weisen dunkle Flecken auf, die durch Magnetfelder verursacht werden. Die Flecken sind bei jüngeren Sternen relativ groß und werden mit zunehmendem Alter eines Sterns kleiner. Aufgrund der Rotation der Sterne wandern diese Flecken scheinbar über ihre Oberfläche und verursachen dadurch Helligkeitsschwankungen. Diese sind bei sonnenähnlichen Sternen aufgrund ihres relativ hohen Alters vergleichsweise klein und betragen weniger als ein Prozent. Dem AIP-Team gelang nun erstmals die Messung dieser sehr kleinen periodischen Variationen bei 20 sonnenähnlichen Sternen. Die Beobachtungen waren nur aufgrund der exzellenten Sensibilität des Kepler Weltraumteleskops, das nun im Rahmen der K2-Mission unterwegs ist, möglich.

Sydney Barnes, Erstautor der Studie, erklärt: „Auch wenn wir diese Erkenntnisse bereits vorausgesagt hatten, ist es ein großer Schritt, sie nun endlich nachweislich messen zu können.“ Ko-Autor Jörg Weingrill ergänzt: „Mithilfe unserer Messungen der Rotationsperioden von Sternen, deren Alter unserer Sonne nahe kommt, werden wir nun die Entwicklungsgeschichte unserer Sonne genauer nachvollziehen.“

 

Wissenschaftliche Publikation: Sydney A. Barnes, Jörg Weingrill, Dario Fritzewski, Klaus G. Strassmeier, Imants Platais: „Rotation periods for cool stars in the 4 Gyr-old open cluster M67, the solar-stellar connection, and the applicability of gyrochronology to at least solar age“, The Astrophysical Journal,  The Astrophysical Journal,  Volume 823, Number 1.

Bilderklärung: Falschfarbenbild des offenen Sternhaufens M67 aus den drei Filtern Johnson B, V und G für den Blau-, Rot- und Grün-Kanal. Aufgenommen mit WiFSIP/STELLA auf Teneriffa. (Credit: AIP).

Wissenschaftliche Kontakte:
Dr. Sydney Barnes, 0331 7499-379, sbarnes@aip.de
Dr. Jörg Weingrill, 0331 7499-456, jweingrill@aip.de

Pressekontakt: Kerstin Mork, 0331 7499-803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das  AIP Mitglied  der Leibniz-Gemeinschaft.

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100. Todestag des Astrophysikers Karl Schwarzschild

Karl Schwarzschild.

100. Todestag des Astrophysikers Karl Schwarzschild

Am 11. Mai 1916 verstarb im Alter von nur 42 Jahren Karl Schwarzschild, einer der vielseitigsten Astrophysiker und Wissenschaftler seiner Zeit. Schwarzschilds Arbeiten umfassen eine enorme Bandbrei...

Karl Schwarzschild kam am 9. Oktober 1873 in Frankfurt am Main zur Welt. Bereits als 16-jähriger veröffentlichte er erste wissenschaftliche Arbeiten zur Bahnbestimmung von Himmelskörpern in den Astronomischen Nachrichten. Er studierte in Straßburg und promovierte 1896 in München. Ab 1897 war er als Assistent an der Kuffner-Sternwarte in Wien angestellt. In Göttingen wirkte er von 1901 bis 1909 als Professor an der Universität sowie als Direktor der dortigen Sternwarte. 1908 wurde Karl Schwarzschild, einer der bekanntesten Astronomen der damaligen Zeit, zum Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam (AOP) berufen. Das 1874 gegründete AOP war das weltweit erste Institut, das den Begriff „Astrophysik“ im Namen trug. In seiner nur acht Jahre andauernden Amtszeit am AOP leistete er elementare Beiträge zur Astrophysik und zur Allgemeinen Relativitätstheorie.

Auch wenn sich unzählige Bücher und Artikel immer wieder mit Schwarzschilds Lösung der Einsteinschen Feldgleichung beschäftigt haben und bis heute beschäftigen, so war Schwarzschilds wissenschaftliches Interesse wesentlich weiter gefasst. Er setzte sich eingehend mit Fragen der Himmelsmechanik, der stellaren Photometrie, der Feldtheorie, der Quantenmechanik und der instrumentalen Astronomie auseinander. Weitere Forschungsgebiete Schwarzschilds umfassten die Spektroskopie, den Sternaufbau und die Stellardynamik. Besondere Würdigung verdient die von ihm aufgestellte Theorie optischer Systeme, auf deren Grundlage bis heute moderne Großteleskope konzipiert werden.

Zu Ehren des ehemaligen Direktors des AOP, Karl Schwarzschild, vergibt das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) seit 2011 das Karl Schwarzschild Fellowship an vielversprechende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler.

 

Pressekontakt: Kerstin Mork, 0331 7499-803, presse@aip.de

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das  AIP Mitglied  der Leibniz-Gemeinschaft.

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Merkur vor der Sonne - Transit am 9. Mai 2016

Merkurtransit. (Credit: AIP/J. Wendt)

Merkur vor der Sonne - Transit am 9. Mai 2016

2. Mai 2016. Am 9. Mai 2016 um 13:12 Uhr zieht Merkur von der Erde aus gesehen vor die Sonnenscheibe und überquert diese im Laufe der folgenden Stunden, bis schließlich um 20:40 Uhr wieder der ko...

Zwei Gruppen des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) wollen dieses Transit-Ereignis wissenschaftlich nutzen, um Natrium in der Exosphäre von Merkur zu detektieren und um die Messgenauigkeit von Instrumenten zu testen. Dazu wird die Sonne während des Vorbeizugs von Merkur mit Teleskopen auf Teneriffa, in den USA und am Sonnenobservatorium Einsteinturm auf dem Potsdamer Telegrafenberg beobachtet. In Babelsberg lädt das AIP von 13:00-15:00 Uhr zur öffentlichen Beobachtung und zu Vorträgen rund um den Merkurtransit auf seinen Forschungscampus ein.

Wissenschaftliche Beobachtung

Merkur ist der kleinste und sonnennächste Planet unseres Sonnensystems. Mit einem Durchmesser von nur 4.878 Kilometern ist die Schwerkraft von Merkur recht gering, so dass keine stabile Atmosphäre um den Planeten entstehen kann: Nur ein extrem dünnes Gasgemisch, auch Exosphäre genannt, umhüllt Merkur. Die Merkur-Exosphäre besteht vor allem aus Sauerstoff, Natrium und Wasserstoff. Sie ist so dünn, dass ihr Nachweis extrem schwierig und nur während eines der seltenen Transits oder durch Weltraumsonden möglich ist. Der letzte in Mitteleuropa sichtbare Merkurtransit fand 2003 statt, der nächste fällt ins Jahr 2019. Das AIP nutzt daher die Gelegenheit am 9. Mai, um den Transit gleich mit mehreren Teleskopen und verschiedenen Instrumenten von drei Standorten aus zu beobachten.

In Arizona: Generalprobe für Exoplaneten

AIP-Forscher Matthias Mallonn plant, mit Hilfe des PEPSI-Spektrographen am Solar-Disk Integrated Telescope (SDI) auf dem 3.200 Meter hohen Mt. Graham in Arizona das Signal der Exosphäre von Merkur zu detektieren. Dabei vergleicht er Messungen der Natriumabsorption vor, während und nach dem Vorbeizug des Planeten. Diese Beobachtungstechnik entspricht der derzeit erfolgreichsten Methode, Atmosphären von extrasolaren Planeten zu untersuchen, der sogenannten Transmissionsspektroskopie von Exoplaneten. Merkurs Exosphäre schwächt das Sonnenlicht bei der Wellenlänge von Natrium während des Transits nur um etwa ein Hunderttausendstel ab. Dieser Effekt lässt sich nur mit einem extrem präzisen Spektrographen nachweisen. „Wir nehmen die gesamte Sonnenscheibe auf, dadurch ist das Signal der Exosphäre Merkurs winzig. Mit der Messung will ich herausfinden, welche Genauigkeiten ich erzielen kann, um diese Erfahrung später auf Exoplaneten anzuwenden”, so der Forscher.

Auf Teneriffa und in Potsdam: Form der Exosphäre

Den Sonnenphysikern des AIP um Carsten Denker geht es um die Beobachtung des Merkurtransits im Detail. So wurde die Ausdehnung und Form der Exosphäre von Merkur anhand von Natrium-Absorptionslinien erstmals während des Merkurtransits 2003 vermessen. Denker möchte diese Messungen nun gemeinsam mit einem Team aus Freiburg und Spanien mit einem 2D-Spektrographen am europäischen Sonnenteleskop GREGOR auf Teneriffa wiederholen - möglicherweise sogar mit größerer Genauigkeit. Für Bildaufnahmen sollen zudem eine sehr schnelle Kamera und adaptive Optik eingesetzt werden, mit deren Hilfe die Forscher auf gestochen scharfe Bilder des Ereignisses hoffen. „Der Merkurtransit bietet uns eine einzigartige Möglichkeit unsere Messmethodik zu kalibrieren” erläutert Denker: „Wie scharf wir den harten Übergang zwischen dem Planetenrand und der Sonne beobachten können, ermöglicht uns einzuschätzen, wie sehr Streulicht die Beobachtung mit GREGOR tatsächlich beeinflusst.” Wenn das Wetter es zulässt, wird am 9. Mai zusätzlich auch der Spiegel im Potsdamer Sonnenobservatorium Einsteinturm auf Merkur gerichtet, um seinen Vorbeizug an der Sonne zu studieren und zu dokumentieren.

Öffentliche Beobachtung in Potsdam-Babelsberg

Das AIP bietet allen Interessierten die Möglichkeit, sich am 9. Mai über Merkur und den Transit zu informieren sowie die erste Phase des Transits vor Ort in Babelsberg zu beobachten. Bitte beachten Sie, dass die Beobachtung des Merkurtransits nur bei klarer Sicht erfolgen kann.

Von 13:00-15:00 Uhr lädt das AIP auf seinen Forschungscampus in Babelsberg ein:

13:00 Uhr: Beobachtung des Eintritts

13:30 Uhr: Vortrag von Dr. Axel Schwope „Der Planet Merkur im Portrait“

14:00 Uhr: Vortrag von Dr. Matthias Mallonn „Der Merkurtransit als Generalprobe für die Erforschung erdähnlicher Planeten“

14:30 - 15:00 Uhr: Beobachtung des Transits am 50cm-Spiegelteleskop

 

Pressekontakt und Informationen zur Veranstaltung:

Kerstin Mork , 0 331 7499-803, presse@aip.de

 

Wissenschaftliche Kontakte:

Dr. Matthias Mallonn, 0331 7499-539, mmallonn@aip.de

Apl. Prof. Dr. Carsten Denker, 0331-7499-297, cdenker@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das  AIP Mitglied  der Leibniz-Gemeinschaft.

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Kosmische Leuchtfeuer im Kern der Milchstraße

Ansicht der Milchstraße im infraroten Licht, aufgenommen von WISE. (Credit: NOAO/AURA/NSF/AIP/A. Kunder)

Kosmische Leuchtfeuer im Kern der Milchstraße

22. April 2016. Ein internationales Team von Astrophysikern unter Leitung von Dr. Andrea Kunder, Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP), hat entdeckt, dass der zentral...

Mit der Vermessung der RR Lyrae Sterne ist es dem Team um Andrea Kunder erstmalig gelungen, zwei Komponenten des Kerns der Milchstraße – eine sehr alte sowie die dominierende, jüngere Komponente von Sternen im Zentrum der Galaxie – kinematisch voneinander zu trennen. Dafür nahmen die Astronomen zunächst zu verschiedenen Zeitpunkten über gut zwei Jahre Beobachtungsdaten von etwa 1.000 RR Lyrae Sternen auf. Für die Beobachtung nutzten sie den AAOmega-Spektrographen des Anglo Australian Teleskops im australischen Siding Spring. RR Lyrae Sterne ändern ihre Lichtintensität etwa einmal pro Tag, was ihre Vermessung schwieriger macht als die von nicht-variablen Sternen. Ihr Vorteil ist, dass sie als sogenannte Standardkerzen dienen, mit denen Entfernungen präzise bestimmt werden können. Auch kommen sie nur in Sternpopulationen vor, die älter als 10 Milliarden Jahre sind, wie beispielsweise in alten Kugelsternhaufen. Das Team beobachtete für die aktuelle Studie simultan hunderte von Sternen in Richtung der Konstellation Schütze.

Im nächsten Schritt untersuchten die Astronomen die Geschwindigkeiten und die chemische Zusammensetzung der beobachteten RR Lyrae Sterne. So wie das heutige London oder Paris auf den Überresten alter Bauwerke aufgebaut ist, so hat auch die Milchstraße eine lange Entstehungsgeschichte, die zahlreiche Sterngenerationen umfasst. Da schwerere Elemente wie Metalle erst in Sternen gebildet werden, sind junge Sterne deutlich reicher an Metall als ältere. Astronomen gehen daher davon aus, dass die ältesten Objekte der Milchstraße metallarme Sterne sind. In den zentralen Regionen unserer Heimatgalaxie sind vor allem metallreiche Sterne – mit einem ähnlich hohem Metallgehalt wie dem unserer Sonne – zu finden. Diese Sterne sind in einem „Bar“ genannten ovalen Bereich angeordnet und umkreisen das galaktische Zentrum alle in etwa der gleichen Richtung. Auch der Wasserstoff in der Milchstraße lässt dieses Bewegungsmuster erkennen. Daher ging man lange davon aus, dass alle zentrumsnahen Sterne sich entsprechend bewegen. Zur Überraschung der Wissenschaftler stellte sich jedoch heraus, dass die RR Lyrae Sterne von diesem Muster abweichen. Anstelle der erwarteten Umlaufbahnen, zeigen sie zufällig verteilte Bewegungen, die nahe legen, dass die Sterne  ursprünglich weit außerhalb dieses Bereichs, also zeitlich noch vor der Entstehung des „Bar“ geboren wurden.

„Wir waren davon ausgegangen, dass diese Sterne ebenso rotieren wie die übrigen Sterne im Zentrum“ so Andrea Kunder, Leiterin der Studie. Ko-Autor Juntai Shen vom Shanghai Astronomical Observatory ergänzt: „Nur ein Prozent der Gesamtmasse des „Bar“ wird durch die RR Lyrae Sterne gebildet. Allerdings scheinen diese extrem alten Sterne, die wahrscheinlich die ersten Bausteine der Milchstraße waren, einen völlig anderen Ursprung zu haben als alle übrigen Sterne des Zentralbereichs.“

Als nächste Schritte wollen die Astronomen, den exakten Metallgehalt der RR Lyrae Sterne bestimmen sowie die Anzahl der untersuchten Sterne auf das Drei- bis Vierfache erhöhen.

Wissenschaftliche Publikation: Andrea Kunder et al.: Before the Bar: Kinematic Detection of A Spheroidal Metal-Poor Bulge Component, The Astrophysical Journal Letters, Volume 821, Number 2.
http://iopscience.iop.org/article/10.3847/2041-8205/821/2/L25/meta

 

Bild: Ansicht der Milchstraße im infraroten Licht, aufgenommen von WISE. Die Masse des „Bulges“ ist auf  eine zentrale Verdickung im Zentralbereich unserer Heimat-galaxie konzentriert. Eine sehr alte Sterngeneration, die etwa ein Prozent der Gesamtmasse des Bulges ausmacht, zeigt allerdings ein anderes Bewegungsmuster. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Sterne die ersten waren, die die Milchstraße gebildet haben. (Credit NOAO/AURA/NSF/AIP/A. Kunder)

Wissenschaftlicher Kotakt: Dr. Andrea Kunder, +49 331 7499-646, akunder@aip.de
Pressekontakt: Kerstin Mork , +49 331 7499-803, presse@aip.de

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Neugierig auf Galaxien? Dritte CALIFA-Datenveröffentlichung

11. April 2016. Die Himmelsdurchmusterung CALIFA, der „Calar Alto Legacy Integral Field Area Survey“, veröffentlicht nach sechs Jahren Laufzeit alle gesammelten Beobachtungsdaten. Die Eigensch...

CALIFA erlaubt einzigartige Einblicke auf die Entwicklung von Galaxien. Während wir in einer bestimmten Galaxie, der Milchstraße, leben, gibt es zahlreiche weitere Galaxien im Universum, ihre galaktischen Geschwister. Dr. Sebastian Sanchez, Wissenschaftler der Universität von Mexiko (UNAM) und Principal Investigator von CALIFA beschreibt das Vorgehen wie folgt: „In den Sozialwissenschaften ist es für eine umfassende Einschätzung einer Einzelperson üblich, nicht nur diese selbst, sondern auch ihr gesellschaftliches und soziales Umfeld zu betrachten. Genau diesen Ansatz verfolgen wir auch in der Astronomie, um die Milchstraße und ihre Umgebung durch eine genauere Untersuchung ihrer galaktischen Geschwister besser zu verstehen. Auch Galaxien zeigen eine große Erscheinungsvielfalt, die durch ihre Entwicklungsgeschichten geprägt ist.“

CALIFA wendet die Technik der Integralen Feldspektroskopie (IFS) an, um alle Galaxien im lokalen Universum näher zu untersuchen und auf diese Weise ein Panorama der Galaxieneigenschaften zu erstellen. Mit IFS können die Eigenschaften von Galaxien in verschiedene Bereichen innerhalb jeder einzelnen Galaxie räumlich aufgelöst studiert werden. Dr. Jakob Walcher vom AIP und CALIFA-Projektwissenschaftler präzisiert: „Wir wussten, dass einige Galaxieneigenschaften sich nach regelmäßigen Mustern ändern. Dass wir dies jetzt erstmalig für so viele Galaxien und in solcher Detailtiefe nachweisen konnten, ist großartig. Damit haben wir ganz neue Möglichkeiten, Galaxien zu untersuchen und herauszufinden, wie sie sich zu ihrer heutigen Form entwickelt haben.“

„Als öffentlich finanziertes Projekt sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Daten allen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Damit können unsere Ergebnisse prinzipiell von jedem bearbeitet und reproduziert werden.“ ergänzt Dr. Stefano Zibetti vom INAF (Italien) und verantwortlich für die Qualitätskontrolle von CALIFA. Ruben Garcia-Benito (IAA, Spanien) verantwortlich für die CALIFA-Software, die die Beobachtungsdaten in verwertbare Datensätze umwandelt, schließt: „Wir hoffen, dass die einzigartigen CALIFA-Bilder noch mehr Menschen neugierig auf unser Universum als Ganzes und Galaxien im Speziellen macht.“

Bilderklärung: Die Abbildung zeigt wie Galaxieneigenschaften systematisch mit der stellaren Masse (Anzahl der Sterne) und der Sternentstehungsrate (die Anzahl der Sterne, die jedes Jahr neu entstehen) variieren und  illustriert damit die Möglichkeiten, die das CALIFA-Projekt beim Studium der Galaxienentwicklung eröffnet. (Credit: CALIFA)

 

Weitere Details: CALIFA-Datenveröffentlichung

 

 

Wissenschaftlicher Kontakt: Dr. Jakob Walcher, jwalcher@aip.de

Pressekontakt: Kerstin Mork, 0331 7499-803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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