Wissenschafts-Gemeinschaft unter DZA-Federführung wird Teil der kalifornischen Zwicky Transient Facility ZTF

Orion Nebel

ZTF Aufnahme eines Nebels im Sternbild Orion.

Bild: Caltech Optical Observatories
16. April 2026 //

Eine Kollaboration unter Federführung des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) in Görlitz tritt offiziell der Zwicky Transient Facility Partnerschaft bei. Zu den deutschen Partnern gehören das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) und das Deutsche Elektronensynchrotron DESY. Die drei Institutionen erweitern damit das wissenschaftliche Kooperationsnetzwerk in Europa und ein Team von Forschenden und Studierenden.

Die Zwicky Transient Facility (ZTF) ist darauf ausgerichtet, den Nachthimmel wiederholt zu scannen und soll so schnell vorübergehende astronomische Ereignisse zu erkennen. Dazu zählen Objekte, die sich schnell verändern oder plötzlich erscheinen – etwa Supernovae, veränderliche Sterne, Asteroiden und andere kosmische Phänomene. ZTF befindet sich am Palomar-Observatorium in Kalifornien und verwendet eine Weitfeldkamera, die am Samuel-Oschin-Teleskop montiert ist. Mit ZTF werden zeitvariable Ereignisse im Universum nahezu in Echtzeit erfasst. So werden schnelle Nachbeobachtungen möglich und das Verständnis dynamischer kosmischer Prozesse vorangebracht.

“Das sind spannende Neuigkeiten. Das DZA zieht rasch außergewöhnliche Talente aus aller Welt an und entwickelt eine moderne Wissenschafts- und Forschungsinfrastruktur. Ich bin überzeugt, dass wir eine verlässliche und langfristige Partnerschaft aufbauen werden, die der Astrophysik sowohl in den USA als auch in Europa zugutekommen wird", sagt Mansi Kasliwal, Professorin für Astronomie am Caltech und leitende Forscherin des ZTF.

Das im Aufbau befindliche Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA) wird als neues Zentrum für wissenschaftliche Innovationen in der Lausitz aufgebaut. Das Zentrum möchte mit modernster Forschungsinfrastruktur und Nachhaltigkeit bestmögliche wissenschaftliche Forschung in der Astrophysik ermöglichen, mit anfänglichem Fokus auf Radio- und Multi-Messenger-Astronomie.

Prof. Stefan Wagner von der Universität Heidelberg und DZA, Prof. Matthias Steinmetz vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) und Prof. Samaya Nissanke, Leitende Wissenschaftlerin bei DESY, die eine langjährige Zusammenarbeit mit Mitgliedern der ZTF-Multimessenger-Wissenschaftsgruppe pflegt, leiten verschiedene Forschungsschwerpunkte im DZA und sind nun ZTF-Co-Forschende.

"Schon im Jahr 2009 habe ich begonnen, eng mit dem ZTF-Kollegium zusammenzuarbeiten – damals mit dem Vorgänger, der Palomar Transient Factory. Umso mehr freue ich mich, nun offizielle Partnerin bei ZTF zu sein. ZTF ist für eine Vielzahl von Entdeckungen ein außergewöhnliches Instrument und hat buchstäblich den Weg bei der optischen Nachverfolgung von Gravitationswellen-Mergern in den vergangenen sieben Jahren beschrieben", sagt Samaya Nissanke, deren Forschung sich auf die Untersuchung von verschmelzenden Schwarzen Löchern und Neutronensternfusionen als Quellen von Gravitationswellen konzentriert.

"Mit ZTF und unserer gut etablierten Zusammenarbeit mit dem DZA kann das AIP nun unser spektroskopisches Survey-Portfolio um eine neue Dimension erweitern – die Zeitdomänen-Astrophysik", fügt Matthias Steinmetz vom AIP hinzu.

Stefan Wagner interessiert sich außerdem dafür, Big-Data-Methoden und -Technologien einzusetzen, um die Survey Science voranzubringen. Als Partner bei ZTF werden er und Matthias Steinmetz die Übertragung der Echtzeit-Daten von Caltech IPAC nach Deutschland sicherstellen und dabei das Rechenzentrum der TU Dresden nutzen.

"Die Erforschung des dynamischen Universums erfordert derzeit ständige Innovationen in der Datenwissenschaft, damit Astronomen große Datenströme mehrerer Teleskope schnell analysieren können. Ich freue mich darauf, mit unserem Kollegium am DZA exzellente Vermessungsdaten von ZTF für die astronomische Gemeinschaft weltweit bereitzustellen", sagt Matthew Graham, ein leitender Forscher von ZTF.

Unter Federführung des DZA wird die Kollaboration ein Haupt-Partner von ZTF mit vollem Zugang zu den proprietären Daten von ZTF.

Weitere Informationen

www.deutscheszentrumastrophysik.de

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Die Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Sterne, Sonne und Exoplaneten sowie der extragalaktischen Astrophysik. Einen wesentlichen Anteil bildet die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Letzte Aktualisierung: 16. April 2026