Aktuelles

Aufruf zu Nominierungen für den Wempe-Preis 2021

13. Oktober 2020. Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) begrüßt ab sofort Nominierungen und Bewerbungen für den Johann-Wempe-Preis 2021.

Zu Ehren des letzten Direktors des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, Prof. Dr. Johann Wempe (1906 - 1980), vergibt das AIP den Johann-Wempe-Preis. Er wird aus Mitteln finanziert, die Johann Wempe hinterlassen hat.

Der Preis besteht in einer Einladung zu einem mehrmonatigen Gastaufenthalt am AIP mit einer angemessenen finanziellen Ausstattung. Berücksichtigt werden können sowohl jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit bemerkenswerten Leistungen hervorgetreten sind, als auch ältere in Würdigung ihres Lebenswerkes. Es wird erwartet, dass die Preisträgerin oder der Preisträger das wissenschaftliche Leben des Instituts bereichert und eine Reihe von Vorträgen oder Vorlesungen über eigene Spezialgebiete hält.

 

Weitere Informationen: Ausschreibung Johann-Wempe-Preis 2021

 

Bewerbungs- und Nominierungsunterlagen werden zum 31. Dezember 2020 angenommen.

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Babelsberger Sternennächte starten online in neue Saison

Am Donnerstag, den 15. Oktober 2020, beginnen wieder die Babelsberger Sternennächte des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP). Die beliebte Vortragsreihe findet vorerst nicht auf dem Fo...

Den Anfang macht Dr. Axel Schwope mit einem Vortrag zum Thema „Das neue Bild des Röntgenhimmels: eROSITA ein Jahr im All“. Nach einem erfolgreichen Start und einer etwas holprigen Phase der Inbetriebnahme hat das Röntgenteleskop eROSITA eine erste vollständige Karte des Röntgenhimmels erstellt. In nur einem halben Jahr fand es mehr Röntgenobjekte am Himmel als andere Teleskope in den letzten 60 Jahre zusammen. Die wissenschaftliche Auswertung hat zwar gerade erst begonnen, über einige erste faszinierende Ergebnisse und erstaunliche Entdeckungen kann Axel Schwope allerdings schon berichten.

In dieser Saison finden die Babelsberger Sternennächte nicht vor Ort am AIP statt, sondern kommen direkt nach Hause ins Wohnzimmer: jeweils am 3. Donnerstag des Monats ab 18.00 Uhr sind die Vorträge unter

https://www.aip.de/babelsberger-sternennaechte

bzw. über den YouTube-Kanal Urknall, Weltall und das Leben verfügbar und können im Anschluss jederzeit abgerufen werden.

Hier ist der direkte Link zum ersten Vortrag: https://youtu.be/AoA652paK6Q .

 

Terminübersicht: Babelsberger Sternennächte

Kosmisches Röntgenecho, beobachtet mit eROSITA. Credit: G. Lamer, D. Mella

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Spurensuche nach Mikroplastik im Menschen: Neuer Forschungsverbund gefördert

Fluoreszierende Mikroplastikpartikel unter einem Raman-Mikroskop. Credit: AIP

Spurensuche nach Mikroplastik im Menschen: Neuer Forschungsverbund gefördert

5. Oktober 2020. Im Oktober 2020 startet das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 4,5 Millionen Euro geförderte Projekt PlasMark mit dem Ziel, die Folgen von Mikroplastik im mensch...

Das multidisziplinäre Forschungsteam aus den Fachbereichen Physik, Biochemie, Biologie und Pharmazie widmet sich der Frage, wie eine markierungsfreie Diagnostik von Plastikpartikeln möglich ist. „Wir fokussieren uns auf drei unterschiedliche, modernste Technologien“, erläutert Prof. Martin Roth vom Forschungszentrum innoFSPEC am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP). „Neben der konfokalen Raman-Spektroskopie und der Terahertz-Spektroskopie, die wir aus den sogenannten Bodyscannern am Flughafen kennen, wird die Eignung der multispektralen Licht- und Elektronenmikroskopie für diesen Zweck untersucht.“

Alle drei Ansätze – zum Teil entlehnt aus der Astrophysik – sind geeignet, neben der Visualisierung eines Partikels auch Aussagen über dessen chemische Zusammensetzung zu treffen. Bei der Raman-Spektroskopie wird ausgenutzt, dass Materie mit Laserlicht interagiert und im Streulicht dabei einen charakteristischen Fingerabdruck – ein Spektrum – hinterlässt. So gelingt es auch, die Kunststoff-Partikel ihrem Ursprungsmaterial, z. B. Polyethylen, Polystyrol, oder PVC, zuzuordnen. Während das für hinreichend große Kunststoffstücke gut funktioniert, besteht die Herausforderung für das Team darin, diese Fingerabdrücke auch für kleine und kleinste Partikel nachzuweisen. Zudem ist ein erfolgreiches Abtasten von Gewebeproben mit herkömmlichen Raman-Mikroskopen sehr zeitaufwändig und kann viele Stunden bis Tage dauern. Das Forschungszentrum innoFSPEC am AIP hat sich im Rahmen des Forschungsverbundes zum Ziel gesetzt, einen bildgebenden Raman-Spektroskopieaufbau zu realisieren, der es erlaubt, Plastikpartikel schon nach Minuten oder Sekunden zu identifizieren. Ermöglicht wird dies durch Weitfeldspektrographen aus der Astronomie – dort kommt diese Technik in Observatorien zum Einsatz, um wertvolle Beobachtungszeit zu sparen.

Das Verbundprojekt fördert die Forschung an drei Zentren für Innovationskompetenz (ZIK) der neuen Länder: ZIK plasmatis am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie Greifswald (INP), ZIK HIKE an der Universitätsmedizin und Universität Greifswald und ZIK innoFSPEC am Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam (AIP). Bereits in zwei Jahren sollen erste Ergebnisse vorliegen um zu beantworten, inwiefern der Eintrag von Mikroplastikpartikeln in die Umwelt und damit in den menschlichen Körper eine der Ursachen für neurodegenerative Erkrankungen, Herz-Kreislauferkrankungen oder gar Krebs ist.

 

Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP):

https://www.inp-greifswald.de/de/aktuelles/presse/pressemeldungen/2020/folgen-von-mikroplastik-und-nanoplastik-im-menschen/

Wissenschaftlicher Kontakt AIP | innoFSPEC

Prof. Dr. Martin M. Roth, 0331 7499 313, mmroth@aip.de

Pressekontakt

Franziska Gräfe, 0331 7499 802, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Historischer Himmel: Halbes Jahrhundert Potsdamer Sonnenforschung digital

Fotografisches Negativ einer Aufnahme der gesamten Sonnenscheibe, auf der Gruppen von Sonnenflecken zu sehen sind. Sie entstand am 3. Februar 1949 im Sonnenobservatorium Einsteinturm. Credit: AIP/APPLAUSE

Historischer Himmel: Halbes Jahrhundert Potsdamer Sonnenforschung digital

23. September 2020. Das großangelegte Digitalisierungsprojekt APPLAUSE stellt in seiner neuen Datenveröffentlichung neben historischen Himmelsbeobachtungen verschiedener Teleskope nun auch tausen...

Zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung 1924 war der Einsteinturm auf dem Potsdamer Telegrafenberg das modernste Sonnenteleskop Europas. In den Jahren 1943 bis 1991 bannte es das Abbild der Sonnenscheibe auf mehr als 3.500 Fotoplatten aus Glas, die das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) nun digitalisiert und aufbereitet öffentlich zur Verfügung stellt.

Im Rahmen eines Praktikums am AIP übernahmen Schülerinnen und Schüler aus Potsdam und Berlin das Scannen der Aufnahmen. Im Anschluss kalibrierten Sonnenphysiker des AIP die Bilder, wobei sie unter anderem den Sonnenradius am Himmel genau vermaßen, und versahen sie mit Metadaten wie Informationen zum Zeitpunkt der Beobachtungen, den vorherrschenden Beobachtungsbedingungen sowie der Belichtungszeit. Zudem korrigierten sie atmosphärische Effekte und verstärkten Kontraste. Die so in verbesserter Qualität gespeicherten Bilder sind nun für die Wissenschaft und die breite Öffentlichkeit in einer Datenbank frei verfügbar.

In der Sonnenphysik werden diese historischen Daten benötigt, um Lücken in jahrzehnte- oder sogar jahrhundertelangen Zeitreihen zu füllen und so Schwankungen der Sonnenaktivität während des 11-jährigen Sonnenflecken- sowie des 22-jährigen Magnetzyklus besser zu verstehen. Die Aufnahmen der gesamten Sonnenscheibe am Einsteinturm begannen 1943 und ergänzten bis dahin verwendete Zeichnungen der Sonnenoberfläche. Ziel war die genaue Vermessung von Sonnenflecken, um damit den Aktivitätszyklus der Sonne nachzuverfolgen. Ab Mitte der 1950er Jahre kam zusätzlich ein Spektrograph zur Bestimmung der Stärke des Magnetfelds von Sonnenflecken zum Einsatz, um Details zu deren Komplexität zu erforschen. Magnetfelder sind in Sonnenflecken konzentriert und unterliegen dort starken und oft schnellen Veränderungen. Aufnahmen der gesamten sichtbaren Sonnenoberfläche erlauben die Zuordnung der im Detail studierten Magnetfelder zu Prozessen, die außerhalb des Messgebietes ablaufen.

Die meisten der 3.500 Aufnahmen entstanden ab 1943 bis in die späten 60er Jahre mit etwa 128 Bildern pro Jahr. Nach 1970 fanden mit durchschnittlich 22 Bildern pro Jahr nur noch sporadisch Sonnenbeobachtungen statt. Diese Schwankungen in der knapp 50-jährigen Serie haben verschiedene Ursachen: Am Ende des Zweiten Weltkriegs mussten die Beobachtungen wegen Bombenschäden pausieren, ebenso erschwerte die mangelnde Verfügbarkeit von Fotoplatten die Aufnahmen in den folgenden Jahren. Waren aufgrund fehlender Sonnenaktivität keine Sonnenflecken zu sehen, denen das Hauptinteresse der Sonnenforschung galt, verzichtete man auf Aufnahmen. Auch Änderungen in der Priorität von wissenschaftlichen Zielsetzungen führten zu einem Rückgang. Nicht zuletzt sorgten schlechtes Wetter oder Beobachtungsbedingungen für Unterbrechungen in der Beobachtungsreihe.

Das APPLAUSE-Projekt hat zum Ziel, das wissenschaftliche Erbe zu erhalten und es für zeitgemäße wissenschaftliche Studien bereit zu stellen. Die jetzt veröffentlichten digitalisierten Sonnenplatten können mit anderen Aufzeichnungen von Sonnenbeobachtungen, einschließlich Sonnenfleckenzeichnungen, zusammengeführt werden, um ein digitalisiertes Archiv der Sonnenaktivität der letzten 400 Jahre aufzubauen. Moderne Computertechnologie und fortschrittliche Bildverarbeitungssoftware erleichterten im letzten Jahrzehnt die Erstellung solcher Archive.

 

Fotografisches Negativ einer Aufnahme der gesamten Sonnenscheibe, auf der Gruppen von Sonnenflecken zu sehen sind. Sie entstand am 3. Februar 1949 im Sonnenobservatorium Einsteinturm. Credit: AIP/APPLAUSE


Beispielzeichnung aus einem Sonnenbeobachtungsbuch – erst ab 1943 wurden zusätzlich zu den angefertigten Zeichnungen Fotoplatten belichtet. Credit: AIP/APPLAUSE


Erfasste Daten zur Anzahl der fotografischen Platten in den Jahren 1943-1991. Nach 1970 wurden nur noch sporadische Beobachtungen durchgeführt. Credit: AIP


Der Einsteinturm kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und heute. Credit: AIP


Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Carsten Denker, 0331 7499 297, cdenker@aip.de

Pressekontakt

Franziska Gräfe, 0331 7499 802, presse@aip.de

Suche nach Fotoplatten

https://public.aip.de/historical-sky/

Archiv-Zugang und weitere Informationen

https://www.plate-archive.org/applause/

Video aller Aufnahmen

https://www.plate-archive.org/files/DR3s/soet_full_data.mp4

Originalpublikation

Pal, P., Verma, M., Rendtel, J., González Manrique, S.J., Enke, H., Denker, C. 2020:  Solar Observatory Einstein Tower — Data Release of the Digitized Solar Full-disk Photographic Plate Archive.

Astronomische Nachrichten, in press.

https://doi.org/10.1002/asna.202013791

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Kosmischer Tanz löst das galaktische Balken-Paradoxon

Ausschnitt aus einer Milchstraßensimulation, in der der zentrale Balken und die Spiralarme mit unterschiedlicher Geschwindigkeit rotieren. Treffen sie sich, erscheint der Balken länger und seine Drehgeschwindigkeit ist geringer. Credit: T. Hilmi

Kosmischer Tanz löst das galaktische Balken-Paradoxon

25. August 2020. Das Herz unserer Milchstraße beherbergt eine große balkenförmige Struktur von Sternen, über deren Größe und Rotationsgeschwindigkeit in den letzten Jahren Uneinigkeit herrsch...

Während Studien über die Bewegungen sonnennaher Sterne auf einen sowohl schnellen als auch kleinen Balken schließen lassen, finden direkte Beobachtungen der galaktischen Zentralregion übereinstimmend einen deutlich langsameren und längeren Balken. Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Tariq Hilmi von der University of Surrey und Ivan Minchev vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) hat eine Erklärung für diese scheinbare Diskrepanz gefunden. Das Team untersuchte die letzten Stufen in der Evolution der Milchstraße. Dazu analysierten die Wissenschaftler modernste Simulationen der Galaxienentstehung und konnten zeigen, dass sowohl die Größe des Balkens, als auch seine Rotationsgeschwindigkeit zeitlich schwanken, wodurch der Balken zu bestimmten Zeiten bis zu doppelt so lang und 20 Prozent schneller erscheint als zu anderen.

Diese Pulsationen des galaktischen Balkens resultieren aus seinen regelmäßigen Begegnungen mit den galaktischen Spiralarmen – eine Art "kosmischer Tanz". Spiralarme sind Dichtewellen innerhalb unserer Galaxie und bewegen sich mit ähnlicher Geschwindigkeit wie die Sonne. Eine volle Umdrehung um das Zentrum der Milchstraße vollführen sie in etwa 200 Millionen Jahren, während der zentrale Balken etwa 60 Millionen Jahre benötigt. Wenn sich der schneller rotierende Balken einem Spiralarm nähert, bewirkt ihre gegenseitige Anziehung aufgrund der Schwerkraft eine Verlangsamung des Balkens und eine Beschleunigung des Spiralarms. Sobald sie verbunden sind, bewegen sich beide Strukturen wie eine Einheit, und der Balken erscheint viel länger, als er tatsächlich ist. Wenn sich die Tänzer voneinander trennen, beschleunigt der Balken, während die Spiralarme ihre Rotationsgeschwindigkeit wieder verlangsamen.

"Die Kontroverse um den galaktischen Balken, die auf verschiedenen Studien von Beobachtungsdaten beruht, kann dann einfach aufgelöst werden: Wir leben zu einer Zeit, in der der Balken und die Spiralarme miteinander verbunden sind, wodurch die Illusion eines großen und langsamen Balkens entsteht, während die Bewegung der Sterne in der Nähe der Sonne von der wahren, viel kleineren Statur des Balkens bestimmt wird", sagt Ivan Minchev. Tatsächlich haben jüngste Beobachtungen gezeigt, dass der innere Spiralarm der Milchstraße mit dem Balken verbunden ist.

Die meisten Spiralgalaxien wie unsere Milchstraße beherbergen in ihrem Zentrum eine Balkenstruktur. Die Anziehungskraft dieses galaktischen Balkens formt nicht nur die Umlaufbahnen der Sterne in seiner Nähe, sondern bis zu unserer Sonne und darüber hinaus. Die Kenntnis der wahren Balkengröße und seiner Rotationsgeschwindigkeit ist entscheidend, um zu verstehen, wie sich unsere Heimatgalaxie gebildet und entwickelt hat und wie Galaxien im gesamten Universum Balken bilden. Anders als bei externen Galaxien ist der Balken der Milchstraße aufgrund unserer Position in der galaktischen Scheibe jedoch schwer direkt zu beobachten. Daten aus der bevorstehenden 3. Datenveröffentlichung der Gaia-Mission werden dieses Modell weiter testen können – und künftige Missionen werden herausfinden, ob der Tanz in anderen Galaxien im gesamten Universum weitergeht.

 

Die Rotationsgeschwindigkeiten des galaktischen Balkens und der Spiralarme variieren periodisch mit der Zeit. Wenn der Balken langsamer wird, beschleunigt sich der Spiralarm und umgekehrt. Etwa alle 80 Millionen Jahre verschmelzen die beiden Strukturen und bewegen sich gemeinsam (gestrichelte horizontale Linie). Credit: AIP/I. Minchev


Kosmischer Tanz: Ausschnitte aus einer Milchstraßensimulation, in der der zentrale Balken und die Spiralarme mit unterschiedlicher Geschwindigkeit rotieren. Wenn sie nicht miteinander verbunden sind, zeigt der Balken seine tatsächliche, kleinere Struktur (links). Jedes Mal, wenn sie sich treffen, erscheint der Balken länger und seine Drehgeschwindigkeit ist geringer (rechts). Credit: T. Hilmi/ University of Surrey


Wissenschaftlicher Kontakt AIP

Dr. Ivan Minchev, 0331 7499 295, iminchev@aip.de

Pressekontakt

Franziska Gräfe, 0331 7499 802, presse@aip.de

Originalpublikation

Tariq Hilmi, Ivan Michev et al. (2020): Fluctuations in galactic bar parameters due to bar–spiral interaction. MNRAS 497, 933–955

https://doi.org/10.1093/mnras/staa1934

Pressemitteilung der Royal Astronomical Society

https://ras.ac.uk/news-and-press/research-highlights/galactic-bar-paradox-resolved-cosmic-dance

Bilder & Videos

http://bit.ly/CosmicDance_Movies

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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