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Trauermitteilung: Prof. Dr. Karl-Heinz Rädler (1935-2020)

Prof. Karl-Heinz Rädler (Foto: privat)

Trauermitteilung: Prof. Dr. Karl-Heinz Rädler (1935-2020)

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) trauert um Prof. Dr. Karl-Heinz Rädler, der am 9. Februar 2020 im Alter von 84 Jahren verstarb. Als Gründungsdirektor des AIP und wissenschaftl...

Karl-Heinz Rädler war es schon in den 70er Jahren gelungen, mit dem Dynamomodell eine Erklärung für die Entstehung von Magnetfeldern in Sternen und in Planeten zu finden. Ebenso maßgeblich beteiligt war Karl-Heinz Rädler an der theoretischen Vorbereitung von Experimenten, bei denen es erstmalig gelang, das Prinzip des kosmischen Dynamos in einem irdischen Experiment mit flüssigem Natrium nachzuvollziehen. Seine Arbeiten waren bereits während seiner Zeit als Wissenschaftler am Zentralinstitut für Astrophysik der DDR weltweit bekannt. Von 1992 bis 2000 leitete er den Bereich Kosmische Magnetfelder am AIP und war Herausgeber der Astronomischen Nachrichten.

1998 erhielt Karl-Heinz Rädler die Emil-Wiechert-Medaille, mit der die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft herausragende Arbeiten in der Wissenschaftsdisziplin Geophysik würdigt. Für seine populärwissenschaftlichen Leistungen verlieh ihm die Urania Potsdam ebenfalls 1998 den Wilhelm-Foerster-Preis. Im Jahr 2013 folgte mit der Karl-Schwarzschild-Medaille der Astronomischen Gesellschaft die höchste in Deutschland vergebene Auszeichnung für astronomische Forschung.

Von 1994 bis 2000 lehrte Karl-Heinz Rädler als Professor an der Universität Potsdam. Zudem war er Mitglied des Gründungssenats der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Seinen Einsatz für unser Institut werden wir dankbar in unserer Erinnerung bewahren.

Unser Beileid gilt seinen Angehörigen, seiner Familie, Freunden und allen, die ihm nahe standen.

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Der Sonne entgegen

Künstlerische Darstellung von Solar Orbiter vor der Sonne. Credit: ESA/ATG Medialab

Der Sonne entgegen

– Update 11. Februar 2020 – In den frühen Morgenstunden des 10. Februar war es soweit: Die Raumsonde Solar Orbiter startete ihre Reise ins All. Die Mission der Europäischen Weltraumorganisati...

Solar Orbiter wird sich der Sonne auf bis zu 0,28 Astronomische Einheiten (1 AE = die Entfernung zwischen Erde und Sonne) nähern und unter anderem erstmalig Bilder von den Polregionen der Sonne liefern, die von der Erde aus nur sehr schwer zu beobachten sind. Außerdem erhoffen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Sonnenstürme über einen längeren Zeitraum beobachten zu können.

Zur Erfassung der wissenschaftlichen Daten ist Solar Orbiter mit zehn Instrumenten ausgestattet. Vier davon messen die direkte Umgebung der Raumsonde, die anderen sechs beobachten die Oberfläche und Atmosphäre der Sonne. Eines davon ist das Röntgenteleskop STIX (kurz für: Spectrometer/Telescope for Imaging X-rays), das ein internationales Team unter der Leitung der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) entwickelte und baute. Während eines achtjährigen Entwicklungsprozesses gestalteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des AIP unter anderem das Design des Imagers von STIX, fertigten dazu mechanische Teile, beteiligten sich am Zusammenbau und testeten das Instrument. Letztere sind von immenser Bedeutung, denn die Sonde und die auf ihr befindlichen Module müssen starke Vibrationen und große Temperaturschwankungen aushalten – im Inneren der Sonde werden wegen des veränderlichen Abstands zur Sonne zwischen plus 60 und minus 30 Grad Celsius herrschen.

 

Das Instrument STIX. Credit: H. Önel (AIP)

 

Röntgenstrahlung entsteht in der äußeren Atmosphäre, der Korona, und gibt Hinweise auf die Aktivität der Sonne. Mit STIX wollen Astronominnen und Astronomen untersuchen, wie Sonneneruptionen entstehen und wie sich diese auf die Sonne, den Raum zwischen den Planeten und sogar auf die Erde sowie unsere zunehmend technisierte Zivilisation auswirken können.

„Ich freue mich besonders auf diesen Start und hoffe, dass er gut gelingt, denn seit 1994 arbeite ich am Konzept von Solar Orbiter mit“, betont Gottfried Mann, Leiter des STIX-Teams am AIP. „Durch unsere aktive Beteiligung am Röntgenteleskop auf der NASA Raumsonde RHESSI bekamen wir die Möglichkeit, unsere Kompetenzen für den Bau von STIX einzusetzen. Ab 2022 wird das Instrument Röntgenbilder von der Sonne aufnehmen. Wir erhoffen uns davon ein besseres Verständnis der Mechanismen von Eruptionen auf unserem Heimatstern“, erklärt Mann.

Solar Orbiter wird am 10. Februar um 5:03 Uhr deutscher Zeit mit einer Atlas-V Trägerrakete der NASA von Cape Canaveral in Florida, USA, starten und sich der Sonne schrittweise über komplexe Manöver nähern. Die Sonde wird einen sogenannten Swing-by an der Erde und insgesamt acht an der Venus durchführen. Dabei nutzt sie die Gravitation der Planeten, um ihre Geschwindigkeit zu verringern oder beschleunigen. So wird die Umlaufbahn um die Sonne angepasst, wobei sich Solar Orbiter auch aus der Erdbahnebene herausbewegt. Insgesamt ist die Mission auf einen Zeitraum von zehn Jahren ausgelegt, innerhalb derer Solar Orbiter aus nächster Nähe und aus einer einzigartigen Perspektive heraus Antworten auf viele noch offene Fragen der Sonnenphysik liefern wird.

 

ESA-Website zu Solar Orbiter

http://bit.ly/Solar_Orbiter_ESA

Mehr Informationen zu STIX

http://bit.ly/Solar_Orbiter_AIP_de

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Gottfried Mann, 0331 7499 292, gmann@aip.de

Medienkontakt

Sarah Hönig, 0331 7499 803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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„Kopf- und Handarbeit“ – Ausbildung am AIP

Die Auszubildenden Cornelius Lübke und Leander Leibnitz an den Maschinen in der Feinmechanischen Werkstatt: Credit: AIP

„Kopf- und Handarbeit“ – Ausbildung am AIP

3. Februar 2020. Neben exzellenter astrophysikalischer Forschung zeichnet sich das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) durch die Entwicklung moderner Forschungsinfrastrukturen aus. Mög...

Warum habt ihr euch für das AIP als Ausbildungsort entschieden?

Cornelius Lübke (CL): Die Stellenausschreibung des AIP weckte sofort mein Interesse, da die Ausbildung zum Feinwerkmechaniker sehr vielfältig ist und ein breites Spektrum an Tätigkeiten beinhaltet. Außerdem wird der Schwerpunkt Feinmechanik nur an wenigen Orten in Brandenburg angeboten.

Leander Leibnitz (LL): Das AIP bietet einem einerseits die Möglichkeit, vom breiten Spektrum der vielen handwerklichen Arbeitstechniken alle mit genügend Zeit zu erlernen. Zum Beispiel wird einem sowohl das Arbeiten an Dreh- als auch an Fräsmaschinen beigebracht, was nicht in jedem Betrieb der Fall ist. Andererseits bot mir das AIP die besten Konditionen während der Ausbildungszeit.

Was war die Motivation für eure Berufswahl?

CL: Die Gründe, weswegen ich mich für eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker entschieden habe, sind vielschichtig. Einerseits bastle und baue ich schon mein halbes Leben lang, andererseits habe ich durch meinen Vater bereits aus Erzählungen einen Eindruck davon bekommen, welche Tätigkeiten das Feinmechanikerhandwerk beinhaltet. Ausschlaggebend war für mich definitiv, dass ich durch meine Ausbildung neue Techniken erlerne und meine Fähigkeiten und Kompetenzen ausbauen und stetig verbessern kann.

LL: Meine Motivation war es, neue Kompetenzen in einem Beruf zu erlernen, in dem handwerkliches Geschick und hohe Fertigungspräzision gefordert sind. Im Übrigen wollte ich mich finanziell auf eigene Beine stellen.

Wolltet ihr schon immer eine Ausbildung machen oder kam auch ein Studium in Frage?

CL: Meine Entscheidung für eine Berufsausbildung fiel schon früh, denn die gründliche und praxisnahe Ausbildung, die das duale System zu bieten hat, sind einzigartig. Ein Studium ist außerdem auch nach einer Berufsausbildung noch möglich.

LL: Ich wollte zuerst ein Studium beginnen, aber habe mich letztendlich dagegen entschieden. Der Grund für meine Entscheidung ist, dass ich in der Ausbildung mein erlerntes Wissen nach kurzer Zeit praktisch umsetzen kann. Ein Studium beschäftigt sich hauptsächlich mit der Theorie.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag als Auszubildender am AIP aus?

LL: An einem typischen Arbeitstag fertige ich ein bestimmtes Werkstück, wodurch ich spezielle Fertigkeiten und Fähigkeiten erlerne. Je nach Ausbildungsjahr unterscheiden sich die Aufgaben. Die Fertigungsaufgabe wird vorher in der Theorie besprochen und kann danach in der Praxis bei selbstständiger Arbeit ausgeführt werden. Bei Fragen oder Problemen helfen der Meister und die Gesellen.

Welche Vorteile seht ihr in einer Ausbildung im Handwerk?

CL: Definitiv die Verbindung zwischen Kopf- und Handarbeit. Die verschiedenen Fertigungsschritte müssen geplant und anschließend fachgerecht ausgeführt werden. Nach Abschluss und vollendetem Werkstück bekomme ich immer ein Glücksgefühl und bin zufrieden, wieder ein Teil vollendet zu haben.

Wie geht es nach dem Ausbildungsende für euch weiter?

CL: Nach dem Ausbildungsende habe ich das große Glück, ein weiteres Jahr am AIP übernommen zu werden. Langfristig gesehen wünsche ich mir, mich im Handwerk weiterzubilden. Seit einiger Zeit kann ich mir auch gut vorstellen, mich im Ausland beruflich zu entwickeln.

LL: Ich werde auch für ein Jahr übernommen und arbeite weiter an den aktuellen Projekten des AIP, wodurch ich praktische Erfahrung sammeln kann.

Was möchtet ihr jungen Menschen mit auf den Weg geben, die über eine Ausbildung zur Feinwerkmechanikerin/zum Feinwerkmechaniker nachdenken?

LL: Personen, die über diese Ausbildung nachdenken, sollten handwerkliches Geschick mitbringen, offen für neue Dinge sein und diese auch erlernen wollen, Geduld haben, teamfähig und verlässlich sein. Ich kann diese Ausbildung sehr empfehlen, da sie viel Spaß macht, spannend und vielseitig ist. Man erlernt nicht nur die unterschiedlichen Bearbeitungsmöglichkeiten von Werkstoffen, sondern auch bei überbetrieblichen Lehrgängen die Grundlagen von Pneumatik und Elektropneumatik, das Programmieren von CNC sowie CAD/CAM und weiteres kennen.

 

Wir bedanken uns bei den Auszubildenden für das Interview. Das AIP sucht zurzeit zwei neue Auszubildende in der Werkstatt. Die Ausschreibung ist unter http://www.aip.de/azubi-fm zu finden.

 

Medienkontakt

Sarah Hönig, 0331 7499 803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Sonne unter doppelter Beobachtung

Parker Solar Probe. (Credit: NASA/Johns Hopkins APL/Steve Gribben)

Sonne unter doppelter Beobachtung

– Update 29. Januar 2020 – Die Weltraumsonde „Parker Solar Probe“ (PSP) der NASA nähert sich Ende Januar zum vierten Mal der Sonne, diesmal auf einen Abstand von nur 28 Sonnenradien. Noch ...

Parker Solar Probe startete im August 2018 ins All und näherte sich bereits dreimal in ihrem Perihel der Sonne. Diesmal ist es etwas ganz Besonderes: Die Sonne, die Raumsonde und die Erde liegen auf einer Linie, so dass die Sonde die gleichen Gebiete der Sonne beobachten kann wie Teleskope auf der Erde. Das AIP nutzt diese Konstellation und beobachtet in diesen Tagen die Sonne mit den Instrumenten auf der Weltraumsonde und mit dem Radiointerferometer LOFAR (LOw Freqency ARray) von der Erde aus.

Das AIP ist Mitglied des International LOFAR Telescopes und betreibt dafür in Potsdam-Bornim eine eigene LOFAR-Station. Im Rahmen von LOFAR leitet das AIP das Key Science Project „Solar Physics and Space Weather with LOFAR“. Daran sind 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 11 europäischen Ländern beteiligt. In diesem Rahmen konnten unter Federführung des AIP 1064 Beobachtungsstunden der Sonne mittels LOFAR eingeworben werden. Die Sonnenphysiker des AIP sind außerdem in der internationalen Arbeitsgruppe „Solar Energetic Particles“ der Weltraummission Parker Solar Probe eingebunden.

Der NASA-Satellit Parker Solar Probe wird sich als erste Raumfahrtmission der Sonne bis auf 10 Sonnenradien nähern und so der Wissenschaft in den kommenden Jahren neue Erkenntnisse über unseren Heimatstern liefern.

Welche Auswirkung hat die Sonnenaktivität auf den sie unmittelbar umgebenden Raum – und letztlich auch auf unsere Erde? Auf diese und andere Fragen soll die Weltraummission Parker Solar Probe Antworten liefern. Sie sind von fundamentalem Interesse, da die Sonnenaktivität einen enormen Einfluss auf unsere technische Zivilisation hat:  So kann es durch sie zu Störungen der GPS-Navigation und in elektronischen Bauelementen in Flugzeugen, Satelliten und Krankenhäusern kommen.

Mit dem Weltraumsatelliten wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die äußere Schicht der Sonnenatmosphäre – die Korona – sowie den sonnennahen interplanetaren Raum untersuchen. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Gottfried Mann, der in der Abteilung „Physik der Sonne“ unter anderem die Sonne und das Weltraumwetter erforscht. Gemeinsam mit  anderen internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat er insgesamt 1.064 Stunden bis 2020 simultane Beobachtungzeit mit LOFAR und Parker Solar Probe eingeworben. „Mit diesen bodengebundenen Ergänzungsmessungen wird LOFAR wichtige Daten liefern. Dadurch wird es in bisher nie da gewesener Weise möglich sein, die Sonnenaktivität und ihre Ausbreitung von der Korona in den interplanetaren Raum zu erforschen“, erläutert Mann die Bedeutung des Projektes.

Das International LOFAR Telescope (ILT) ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt unter niederländischer Leitung mit zahlreichen Stationen in Nord- und Westeuropa. In den letzten zwei Jahren wurde das ILT durch drei Stationen in Polen und einer Station in Irland erweitert. Damit vergrößerte sich die Basislänge auf 1885 km in Ost-West-Richtung. In Nord-Süd-Richtung beträgt die Basislänge 1301 km von Onsala in Schweden bis Nançay in Frankreich. Gegenwärtig besteht das ILT aus einem zentralen Kern von 24 Stationen und 14 weiteren in den Niederlanden verteilten Einzelstationen sowie zusätzlichen 13 internationalen Stationen in Europa.ahl von wissenschaftlichen Themen – vom frühen Universum bis zum erdnahen Weltraum.

 

 

LOFAR-Station in Potsdam-Bornim. (Credit: AIP)

 

Wissenschaftlicher Kontakt am AIP

apl. Prof. Dr. Gottfried Mann, 0331-7499-292, gmann@aip.de

Medienkontakt

Franziska Gräfe, 0331-7499-803, presse@aip.de

Weiterführende Informationen

LOFAR:                    https://bit.ly/2AVchS4

PSP:                         http://parkersolarprobe.jhuapl.edu

NASA-Meldung:      https://go.nasa.gov/2vCYbzO

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Zwanzig Jahre Röntgenauge im All

Sechs teils überlappende Röntgenbeobachtungen des offenen Sternhaufens NGC 2264. Credit: I. Traulsen (AIP)

Zwanzig Jahre Röntgenauge im All

20. Januar 2020. Zu Beginn des Jahrtausends begann das Weltraumteleskop XMM-Newton der Europäischen Weltraumorganisation seine Beobachtungen. Anlässlich des 20. Jahrestages veröffentlichten Wiss...

Das Weltraumteleskop XMM-Newton startete am 10. Dezember 1999 erfolgreich von Kourou in Französisch-Guayana ins All und zeichnet seit dem 19. Januar 2000 Daten auf. Das europäische Konsortium XMM-Newton Survey Science Centre (XMM-SSC) gab nun neue mit modernster Kalibrierung und Software aufbereitete Kataloge heraus, die alle Röntgendetektionen seit dem Start enthalten. Das AIP ist seit Beginn Mitglied dieses Konsortiums, steuert die Software zur Suche nach den Röntgenobjekten bei und produziert federführend einen der Kataloge.

XMM-Newton hat insgesamt 810.795 Röntgenquellen in Einzelbeobachtungen detektiert. Die meisten davon sind Neuentdeckungen und oft von unbekannter, aber unterschiedlicher Natur. Da einige Regionen des Himmels mehrfach beobachtet wurden, ergeben sich über 550.000 einzelne Himmelsobjekte.

Bei den meisten Objekten handelt es sich um supermassereiche Schwarze Löcher, die zwischen einer Million und einer Milliarde mal schwerer sind als unsere Sonne, und von denen sich jedes im Zentrum seiner eigenen Galaxie befindet. XMM-Newton erfasst mit seinem Röntgenauge die Materie, die um diese unsichtbaren Objekte herumwirbelt, bis sie den Ereignishorizont des Schwarzen Lochs erreicht – jene Grenze ohne Wiederkehr, an der nicht einmal Licht dem Sog des Schwarzen Lochs entkommen kann. Andere im Katalog enthaltene Objekte sind Sterne, Galaxienhaufen, Kometen oder Supernovae.

Axel Schwope, Projektleiter am AIP, erklärt begeistert: „Mit Röntgenaugen entdecken wir den Teil des Universums, der durch extrem energetische Prozesse und extrem hohe Temperaturen dominiert und für unsere Augen unsichtbar ist. Es ist faszinierend zu erleben, dass selbst nach 20 Jahren im All XMM-Newton Tag für Tag erstklassige Beobachtungsdaten für alle möglichen Bereiche der Astrophysik liefert.“

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des AIP erstellten darüber hinaus einen weiteren Katalog mit Informationen aus sich überschneidenden Beobachtungen. Eine speziell für diesen Zweck entwickelte Software ermöglicht es, auch schwache Quellen in mehrfach beobachteten Himmelsbereichen zu erkennen. Dadurch erhöht sich die Anzahl der entdeckten Röntgenquellen. Zudem lässt sich nachvollziehen, ob und wie Objekte im Laufe der Zeit ihre Helligkeit verändern.

„Die Untersuchung von Objekten über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren gewährt uns einen großartigen Einblick in ihre Natur. Helligkeitsänderungen im Röntgenlicht lassen beispielsweise Rückschlüsse darauf zu, wie völlig unterschiedliche Objekte Materie aus ihrer Umgebung aufsammeln. Sie können von Sternen stammen, die in der Nähe Schwarzer Löcher zerrissen werden, und sind teilweise noch nicht verstanden“, erklärt Iris Traulsen, Wissenschaftlerin am AIP und zuständig für den Katalog.

Die Kataloge ermöglichen Astronominnen und Astronomen, hochenergetische Objekte zu untersuchen, die für uns Menschen oft nicht sichtbar sind. Die bisher von XMM-Newton sehr detailliert durchmusterte Himmelsfläche entspricht etwa dem 6000-fachen der Fläche des Vollmondes, was immer noch nur ein Vierzigstel des gesamten Himmels ist.  Röntgenbeobachtungen helfen in allen Teilen der Astrophysik, hochenergetische Prozesse zu entdecken und zu verstehen: von den Bedingungen in der Umgebung extrasolarer Planeten über die Entwicklung von Sternen, Schwarzen Löchern und Galaxien bis hin zur Untersuchung von heißem Gas in Galaxienhaufen und großen Strukturen im Universum.

 

Sechs teils überlappende Röntgenbeobachtungen des offenen Sternhaufens NGC 2264. Diejenigen Sterne, die ihr Licht hauptsächlich bei niedrigen Röntgenenergien abstrahlen, erscheinen rötlich, besonders heiße Objekte bei hohen Energien erscheinen bläulich. Die kleineren Abbildungen zeigen für drei ausgewählte Sterne die Helligkeitsveränderungen während einer einzelnen Beobachtung (oben links), die Entwicklung der Helligkeit über einen Zeitraum von dreizehn Jahren hinweg (oben Mitte) und ein Röntgenspektrum, das die Helligkeit des Sterns bei verschiedenen Energien ("Farben") darstellt (unten links).

Credit: I. Traulsen (AIP)



Webseite Katalog

http://xmmssc.irap.omp.eu/

Pressemitteilung IRAP

http://xmmssc.irap.omp.eu/4XMMprEnglish.html

Wissenschaftlicher Kontakt AIP

Dr. Iris Traulsen, 0331 7499 286, itraulsen@aip.de

Dr. Axel Schwope, 0331 7499 232, aschwope@aip.de

Medienkontakt AIP

Sarah Hönig, 0331 7499 803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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