Nachruf: Prof. Dr. Detlef Schönberner (1943-2026)

Detlef Schönberner Foto von 2008

Prof. Dr. Detlef Schönberner (1943-2026)

Bild: AIP/R. Arlt
25. Februar 2026 //

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Detlef Schönberner, der über Jahrzehnte hinweg die Sternphysik am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) maßgeblich prägte und bis zuletzt eng mit dem Institut verbunden blieb. Er verstarb unerwartet am 4. Februar 2026, zwei Tage vor seinem 83. Geburtstag.

Als langjähriger Leiter der Abteilung Sternphysik & Sternaktivität von 1993 bis 2008 und als eine der herausragenden Persönlichkeiten des Programmbereichs prägte er die wissenschaftliche Neuausrichtung des Instituts nach der Wende in entscheidender Weise mit. Auch nach dem Ende seiner offiziellen Leitungsfunktion blieb er weiterhin wissenschaftlich aktiv und trug bis zuletzt als Gast in den Forschungsgruppen Sternphysik und Exoplaneten sowie Sternaktivität zu der rasanten Entwicklung des AIP bei.

Sein wissenschaftliches Werk war den späten Stadien der Sternentwicklung gewidmet – einem Forschungsfeld, das fundamentale Einblicke in die komplexen physikalischen Prozesse am Lebensende von Sternen eröffnet und wesentlich zum Verständnis der chemischen Anreicherung des Universums beiträgt. Prof. Schönberner gehörte zu den ersten Forschern weltweit, die erkannten, dass der Massenverlust durch Sternwinde den zeitlichen Verlauf der späten Stadien sonnenähnlicher Sterne entscheidend beeinflusst. Während seiner Zeit an der Universität Kiel in den frühen 1980ern war er der Erste, dem es gelang, ein konsistentes Sternentwicklungsmodell numerisch durchzurechnen, von der Hauptreihe bis zum Ende der AGB-Phase und weiter bis zur Phase der Zentralsterne planetarischer Nebel – ein Meilenstein der theoretischen Astrophysik. Besonders prägend waren seine Arbeiten zur Übergangsphase von AGB-Sternen zu Weißen Zwergen sowie später zur Dynamik und thermischen Struktur heißer Blasen in planetarischen Nebeln. Damit hat er das Verständnis dieser faszinierenden Entwicklungsstadien nachhaltig vertieft; viele seiner Arbeiten gelten bis heute als wegweisend.

Die wissenschaftliche Resonanz auf seine Forschung war außergewöhnlich. Er zählt zu den meistzitierten Wissenschaftlern des AIP – ein Ausdruck der internationalen Sichtbarkeit und nachhaltigen Wirkung seiner Beiträge. Seine bahnbrechenden Arbeiten erschienen in führenden Fachzeitschriften wie Astronomy & Astrophysics und The Astrophysical Journal und fanden weltweit Beachtung; sie werden bis zum heutigen Tage regelmäßig zitiert. Noch im April 2024 erschien in Astronomy & Astrophysics seine jüngste Publikation „Hot bubbles of planetary nebulae with hydrogen-deficient winds. III. Formation and evolution in comparison with hydrogen-rich bubbles“. Die Veröffentlichung steht exemplarisch für seine anhaltende wissenschaftliche Produktivität und seine physikalische Detailgenauigkeit. Zugleich zeugt sie von einem bis zuletzt lebendigen fachlichen Austausch mit langjährigen Weggefährten. Noch in den vergangenen Wochen arbeitete er mit ihnen intensiv an der Fertigstellung von Manuskript IV. Ganz zufrieden war er damit noch nicht: „Ich bin noch am ‚Maikäfern‘“, pflegte er zu sagen.

Mit Prof. Dr. Detlef Schönberner verliert die internationale Gemeinschaft der Sternphysik einen herausragenden Wissenschaftler, das AIP einen hoch angesehenen Astrophysiker „alter Schule“, und viele von uns einen geschätzten Weggefährten.

Detlef Schönberner Foto von 2008

Prof. Dr. Detlef Schönberner (1943-2026)

Bild: AIP/R. Arlt
25. Februar 2026 //

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Detlef Schönberner, der über Jahrzehnte hinweg die Sternphysik am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) maßgeblich prägte und bis zuletzt eng mit dem Institut verbunden blieb. Er verstarb unerwartet am 4. Februar 2026, zwei Tage vor seinem 83. Geburtstag.

Als langjähriger Leiter der Abteilung Sternphysik & Sternaktivität von 1993 bis 2008 und als eine der herausragenden Persönlichkeiten des Programmbereichs prägte er die wissenschaftliche Neuausrichtung des Instituts nach der Wende in entscheidender Weise mit. Auch nach dem Ende seiner offiziellen Leitungsfunktion blieb er weiterhin wissenschaftlich aktiv und trug bis zuletzt als Gast in den Forschungsgruppen Sternphysik und Exoplaneten sowie Sternaktivität zu der rasanten Entwicklung des AIP bei.

Sein wissenschaftliches Werk war den späten Stadien der Sternentwicklung gewidmet – einem Forschungsfeld, das fundamentale Einblicke in die komplexen physikalischen Prozesse am Lebensende von Sternen eröffnet und wesentlich zum Verständnis der chemischen Anreicherung des Universums beiträgt. Prof. Schönberner gehörte zu den ersten Forschern weltweit, die erkannten, dass der Massenverlust durch Sternwinde den zeitlichen Verlauf der späten Stadien sonnenähnlicher Sterne entscheidend beeinflusst. Während seiner Zeit an der Universität Kiel in den frühen 1980ern war er der Erste, dem es gelang, ein konsistentes Sternentwicklungsmodell numerisch durchzurechnen, von der Hauptreihe bis zum Ende der AGB-Phase und weiter bis zur Phase der Zentralsterne planetarischer Nebel – ein Meilenstein der theoretischen Astrophysik. Besonders prägend waren seine Arbeiten zur Übergangsphase von AGB-Sternen zu Weißen Zwergen sowie später zur Dynamik und thermischen Struktur heißer Blasen in planetarischen Nebeln. Damit hat er das Verständnis dieser faszinierenden Entwicklungsstadien nachhaltig vertieft; viele seiner Arbeiten gelten bis heute als wegweisend.

Die wissenschaftliche Resonanz auf seine Forschung war außergewöhnlich. Er zählt zu den meistzitierten Wissenschaftlern des AIP – ein Ausdruck der internationalen Sichtbarkeit und nachhaltigen Wirkung seiner Beiträge. Seine bahnbrechenden Arbeiten erschienen in führenden Fachzeitschriften wie Astronomy & Astrophysics und The Astrophysical Journal und fanden weltweit Beachtung; sie werden bis zum heutigen Tage regelmäßig zitiert. Noch im April 2024 erschien in Astronomy & Astrophysics seine jüngste Publikation „Hot bubbles of planetary nebulae with hydrogen-deficient winds. III. Formation and evolution in comparison with hydrogen-rich bubbles“. Die Veröffentlichung steht exemplarisch für seine anhaltende wissenschaftliche Produktivität und seine physikalische Detailgenauigkeit. Zugleich zeugt sie von einem bis zuletzt lebendigen fachlichen Austausch mit langjährigen Weggefährten. Noch in den vergangenen Wochen arbeitete er mit ihnen intensiv an der Fertigstellung von Manuskript IV. Ganz zufrieden war er damit noch nicht: „Ich bin noch am ‚Maikäfern‘“, pflegte er zu sagen.

Mit Prof. Dr. Detlef Schönberner verliert die internationale Gemeinschaft der Sternphysik einen herausragenden Wissenschaftler, das AIP einen hoch angesehenen Astrophysiker „alter Schule“, und viele von uns einen geschätzten Weggefährten.

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Die Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Sterne, Sonne und Exoplaneten sowie der extragalaktischen Astrophysik. Einen wesentlichen Anteil bildet die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Letzte Aktualisierung: 25. Februar 2026