BlueMUSE-Vereinbarung: Blaues Licht für das Very Large Telescope der ESO
Céline Reylé, stellvertretende wissenschaftliche Direktorin für Astronomie und Astrophysik am französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und der Generaldirektor der ESO, Xavier Barcons, unterzeichnen den Vertrag zu BlueMUSE, einem zukünftigen Instrument für das Very Large Telescope (VLT) der ESO.
Bild: ESODie Europäische Südsternwarte (ESO) hat am 30. Januar 2026 eine Vereinbarung mit einem großen internationalen Konsortium für das Design und den Bau von BlueMUSE (Blue Multi Unit Spectroscopic Explorer), einem blauoptimierten Panorama-Integralfeldspektrograph, der für das Very Large Telescope (VLT) der ESO entwickelt wird, unterzeichnet. Mit seinem großen Sichtfeld, seiner hohen spektralen Auflösung und seiner außergewöhnlichen Effizienz im blauen Wellenlängenbereich wird BlueMUSE einzigartige Beobachtungen ermöglichen.
Der Generaldirektor der ESO, Xavier Barcons, und Céline Reylé, stellvertretende Direktorin für Astronomie und Astrophysik am französischen nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS), unterzeichneten die BlueMUSE-Vereinbarung am Hauptsitz der ESO in Garching, Deutschland. Das Centre de Recherche Astrophysique de Lyon (CRAL) des CNRS ist die leitende Institution des Instrumentenkonsortiums, das aus mehreren Instituten aus Europa und Australien besteht.
Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) ist an zentralen technischen Arbeitspaketen von BlueMUSE beteiligt. Peter Weilbacher, Leiter des auch vom BMFTR finanzierten Projekts, erklärt: „Zusammen mit unseren Universitätspartnern in Potsdam und Göttingen leistet das AIP wichtige Beiträge zur Entwicklung der instrumentellen Hardware, der Datenreduktionssoftware und der Vorbereitung für den wissenschaftlichen Einsatz.“
Aufbauend auf der bewährten Technologie des am VLT installierten MUSE-Instruments ist BlueMUSE ein Integralfeldspektrograph. Er ist so konzipiert, dass er nicht nur ein 2D-Bild eines Zielobjekts (oder mehrerer Zielobjekte) aufnimmt, sondern auch das Licht in seine einzelnen Farben oder Wellenlängen an jedem Pixel aufspaltet, wodurch ein vollständiger 3D-Datensatz mit umfassenden Informationen über das Zielobjekt entsteht. Da das MUSE-Instrument zu einem der produktivsten und meistgefragten Instrumente der ESO geworden ist, hofft die astronomische Gemeinschaft seit einiger Zeit auf ein ähnliches Instrument – dies wird nun Realität.
„BlueMUSE ist sowohl ein Instrument zur Entdeckung als auch zur weiteren Erforschung und arbeitet nach dem Konzept der „Spektroskopie für alles“, das ein Spektrum für jedes Objekt in seinem Sichtfeld liefert“, erklärt Davor Krajnović, der Projektwissenschaftler. „BlueMUSE eignet sich besonders für die Untersuchung von Galaxien im Rotverschiebungsbereich z ≈ 2–4, dem sogenannten „kosmischen Mittag“ (Cosmic Noon), einer entscheidenden Phase in der Galaxienentstehung“, fügt er hinzu. Darüber hinaus ermöglicht das Instrument detaillierte Untersuchungen des diffusen Gases um Galaxien herum.
„Als Partner im BlueMUSE-Konsortium bringt das AIP seine langjährige Expertise in Forschung und Entwicklung ein“, erklärt Andreas Kelz, Leiter des Instrumentenprogramms. „Das BlueMUSE-Instrument besteht aus insgesamt 16 Spektrographen, die den blauen und sichtbaren Wellenlängenbereich abdecken und zu den effizientesten Spektrographen am VLT gehören werden“, ergänzt er. Das Instrument kann pro Belichtung etwa 60.000 Spektren oder 3.500 Bilder liefern.
BlueMUSE, dessen Inbetriebnahme für 2034 vorgesehen ist, wird spektroskopische Untersuchung ausgedehnter Regionen des Himmels ermöglichen und bietet ein großes Synergiepotenzial für großflächige Himmelsdurchmusterungen. Das Instrument eröffnet auch neue Perspektiven für die Erforschung des lokalen Universums. Astronomen können damit Objekte im Sonnensystem, Sternumgebungen und Gasnebel in der Milchstraße, schwache Zwerggalaxien in der Lokalen Gruppe sowie Galaxien, Galaxiengruppen und -haufen und das dazwischen liegende Gas untersuchen.
Mit BlueMUSE wird das VLT auf dem Paranal-Observatorium in der chilenischen Atacama-Wüste seine Rolle als eines der leistungsfähigsten optischen Observatorien der Welt weiter ausbauen.
Weitere Informationen
Das BlueMUSE-Projekt wird von einem internationalen Konsortium aus neun Forschungsinstituten in mehreren Ländern zusammen mit der ESO entwickelt. Das Konsortium besteht aus
- Australien: Australian Astronomical Optics, Macquarie University
- Frankreich: Centre de Recherche Astrophysique de Lyon (CRAL; lead); Astrophysique, Instrumentation & Modélisation (AIM), Saclay; Institut de Recherche sur les lois Fondamentales de l’Univers, Saclay
- Deutschland: Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam und dem Institut für Astrophysik Universität Göttingen
- Portugal: Institute of Astrophysics and Space Sciences
- Schweden: Department of Astronomy, Stockholm University
- Schweiz: Observatoire astronomique de l’Université de Genève; Laboratory of Astrophysics, Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL)
- United Kingdom: Centre for Advanced Instrumentation und Centre for Extragalactic Astronomy, Physics Department, Durham University
Die ESO trägt ebenfalls zur Projektentwicklung bei.
Weitere Informationen
https://bluemuse.univ-lyon1.fr
Bilder
Céline Reylé, stellvertretende wissenschaftliche Direktorin für Astronomie und Astrophysik am französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) und der Generaldirektor der ESO, Xavier Barcons, unterzeichnen den Vertrag zu BlueMUSE, einem zukünftigen Instrument für das Very Large Telescope (VLT) der ESO.
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Anwesende der feierlichen Unterzeichnung für BlueMUSE, ein künftiges Instrument für das Very Large Telescope (VLT) der ESO.
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Die Computergrafik zeigt das BlueMUSE-Instrument auf der Plattform des Very Large Telescope.


