Aktuelles

Derzeit finden keine öffentlichen Veranstaltungen am AIP statt. Neue Termine für die Babelsberger Sternennächte sowie für Beobachtungsabende im Großen Refraktor werden rechtzeitig bekannt gegeben.

Der Röntgenhimmel in voller Pracht

Kosmisches Röntgenecho. Credit: AIP/G. Lamer, Davide Mella

Der Röntgenhimmel in voller Pracht

19. Juni 2020. Das eROSITA-Weltraumteleskop hat einen neuen, detailreichen 360°-Blick auf die heißen und energetischen Prozesse im Universum eröffnet. Die neue Karte enthält mehr als eine Milli...

Innerhalb von 182 Tagen hat das Röntgenteleskop eROSITA seine erste Durchmusterung des gesamten Himmels abgeschlossen. Bei den meisten der neuen Quellen handelt es sich um aktive Galaxienkerne in kosmologischen Entfernungen, die das Wachstum von gigantischen Schwarzen Löchern über die kosmische Zeit markieren. Die Galaxienhaufen in der neuen Karte werden verwendet, um das Wachstum der kosmischen Strukturen zu verfolgen und kosmologische Parameter einzuschränken.

„Die Vollendung der ersten Durchmusterung erfüllt uns mit großer Zufriedenheit und einigem Stolz. Seit dem Jahr 2006 planen wir die Mission und die wissenschaftliche Ausbeute. Dass wir nach dem Start von eROSITA in weniger als 11 Monaten ein vollständiges, detailliertes Bild des Röntgenhimmels erstellen konnten, lässt uns euphorisch werden, was die volle wissenschaftliche Ernte anbelangt,“ so Dr. Axel Schwope, Projektleiter am AIP. „Die Himmelsdurchmusterungen mit eROSITA werden bis 2023 fortgesetzt und versprechen viele weitere interessante Entdeckungen im bisher relativ wenig erforschten Röntgenlicht des Weltalls.“

Dem AIP-Team gelang bereits eine besondere Entdeckung: ein geschlossener, leuchtender Ring. Dieser wurde entdeckt, als eROSITA im Februar 2020 eine Region in der südlichen Milchstraße beobachtete. Der Ring wird durch Streuung von Röntgenstrahlung in einer Staubwolke hervorgerufen. Als Ursprung der Röntgenstrahlung wurde eine schwache blaue Quelle im Zentrum des Rings ausgemacht. Vermutlich handelt es sich dabei um ein Schwarzes Loch, das von einem Begleitstern umkreist wird. Etwa ein Jahr zuvor hatten andere Röntgenteleskope das Objekt während eines enormen Helligkeitsausbruchs entdeckt. Für einige Wochen leuchtete das Objekt dabei 10000-fach heller als heute.

Zur Zeit der eROSITA-Beobachtung hatte seine Helligkeit wieder deutlich abgenommen. Allerdings wurde ein kleiner Teil der Röntgenstrahlung auf der mehrere tausend Jahre dauernden Reise beim Durchqueren einer Staubwolke gestreut. Durch diesen Umweg erreicht uns diese Strahlung wie ein Echo nun ein Jahr nach dem hellen Ausbruch. Die zusätzliche Lichtlaufzeit verursacht den leuchtenden Ring, dessen Größe weiter zunehmen wird, bevor er durch seine abnehmende Helligkeit langsam verschwindet. In der Vergangenheit wurden bereits einige wenige solcher Röntgenringe beobachtet, die neu entdeckte Struktur ist jedoch die bei weitem größte dieser Art. Sie erscheint am Himmel mit einer Größe von mehr als zwei Vollmonddurchmessern. Dr. Georg Lamer vom AIP, der das Objekt in den eROSITA-Daten entdeckte, hebt dessen Bedeutung hervor: „Abgesehen von der spektakulären Schönheit des eROSITA-Bildes hat diese Entdeckung auch einen hohen wissenschaftlichen Wert: Die Beobachtung des Rings könnte zu einer sehr präzisen Entfernungsbestimmung zu dem Schwarzen Loch führen.“

eROSITA ist ein Röntgenteleskop, das von einem deutschen Konsortium unter der Leitung des MPE Garching gebaut wurde und eines der beiden Teleskope auf dem russisch-deutschen Satelliten Spektrum-Röntgen-Gamma (SRG). Der Satellit startete von Baikonur aus am 13. Juli 2019 erfolgreich auf einer Proton-M-Rakete. eROSITA wird mehrere Röntgenaufnahmen vom gesamten Himmel durchführen. Das AIP hat zum Datenreduktions-Softwaresystem beigetragen, wobei der Schwerpunkt auf der Lagebestimmung und der Quelldetektion lag. Das Institut lieferte auch Flughardware für die Filterräder der Kamera und die gesamte Ausrüstung des mechanischen Bodensegments für die Integration und die Tests des Röntgeninstruments.

 

Das energiereiche Universum, gesehen mit dem Röntgenteleskop eROSITA. Credit: Jeremy Sanders, Hermann Brunner and the eSASS team (MPE); Eugene Churazov, Marat Gilfanov (on behalf of IKI)

 

Pressemitteilung MPE

http://www.mpe.mpg.de/7463606/news20200619

Wissenschaftlicher Kontakt AIP

Dr. Axel Schwope, 0331 7499 232, aschwope@aip.de

Pressekontakt AIP

Sarah Hönig, 0331 7499 803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Vier neugeborene Exoplaneten von eigener Sonne gegrillt

Künstlerische Darstellung des extrasolaren Planetensystems um den Stern V1298 Tau. Credit: AIP/J. Fohlmeister

Vier neugeborene Exoplaneten von eigener Sonne gegrillt

11. Juni 2020. Ein Team des Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) hat das Schicksal des jungen Sterns V1298 Tau und seiner vier Exoplaneten untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass diese k...

Junge Exoplaneten leben in einer riskanten Umgebung: Ihre Sterne erzeugen große Mengen energiereiche Röntgenstrahlung, typischerweise tausend- bis zehntausendmal mehr als unsere eigene Sonne. Diese Röntgenstrahlung kann die Atmosphäre von Exoplaneten erwärmen und manchmal sogar regelrecht wegkochen. Wie viel von der Atmosphäre eines Exoplaneten im Laufe der Zeit verdampft, hängt von den Eigenschaften des Planeten ab – seiner Masse, seiner Dichte und wie nahe er sich an seiner Sonne befindet. Aber wie sehr beeinflusst ein Stern, was über Milliarden von Jahren mit seinen Planeten passiert? Dies ist eine Frage, mit der sich Astronominnen und Astronomen des AIP in einem neuen Artikel befassen.

Dafür untersuchten sie das kürzlich entdeckte System mit vier Planeten um den jungen Stern mit Namen V1298 Tau. Der Zentralstern ist ungefähr so groß wie unsere Sonne. Allerdings ist er nur etwa 25 Millionen Jahre alt, was im Vergleich zur Sonne mit ihren 4,6 Milliarden Jahren sehr jung ist. Der Stern beherbergt zwei Planeten, beide ungefähr so groß wie Neptun, die ihn sehr nah umkreisen, sowie zwei weitere Planeten, etwas weiter entfernt, in Saturn-Größe. „Wir haben das Röntgenspektrum des Sterns mit dem Chandra-Weltraumteleskop beobachtet, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie stark er die Atmosphären seiner Planeten bestrahlt“, erklärt Katja Poppenhäger, Hauptautorin der Studie. Das Team bestimmte so das mögliche Schicksal der vier Exoplaneten. Wenn das Stern-Planeten-System älter wird, dreht sich der Stern immer langsamer um seine eigene Achse. Die Rotation des Sterns ist jedoch die treibende Kraft für das Magnetfeld des Sterns, welches wiederum seine Röntgenstrahlung verursacht. „Die Verdampfung der Exoplaneten hängt davon ab, wie sich die Rotation des Sterns in den nächsten Milliarden Jahren entwickelt. Je schneller die Rotation des Sterns abnimmt, desto weniger Atmosphäre geht den Planeten verloren“, sagt Laura Ketzer, Doktorandin am AIP und Co-Autorin der Studie, die ein öffentlich zugängliches Computerprogramm geschrieben hat, das die Entwicklung der Planeten im Laufe der Zeit berechnet.

Die Berechnungen zeigen, dass die beiden innersten Planeten des Systems ihre Gasatmosphäre vollständig verlieren und als felsige Kerne enden können, wenn die Rotation des Sterns im Laufe der Zeit wenig abnimmt, während der äußerste Planet weiterhin ein Gasriese bleibt. „Für den dritten Planeten hängt es entscheidend davon ab, wie schwer er ist, was wir noch nicht wissen. Die Größe von Exoplaneten können wir mit der Transit-Methode messen, aber die Bestimmung der Planetenmasse ist viel schwieriger“, erklärt Co-Autor Matthias Mallonn, der die Transiteigenschaften des Systems mithilfe von Beobachtungen mit dem STELLA-Teleskop des AIP neu bestimmt hat.

„Röntgenbeobachtungen von Sternen mit Planeten sind für uns ein zentrales Puzzleteil, um etwas über die langfristige Entwicklung der Atmosphären von Exoplaneten zu lernen“, schließt Katja Poppenhäger. „Ich freue mich besonders über die Möglichkeiten, die sich uns durch Beobachtungen mit dem Röntgenteleskop eROSITA in den nächsten Jahren eröffnen.“ Das zum Teil von AIP entwickelte eROSITA-Röntgenteleskop führt Beobachtungen des gesamten Himmels durch und liefert Röntgenstrahlungseigenschaften für Hunderte von Sternen mit Exoplaneten.

 

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Dr. Katja Poppenhäger, 0331 7499 521, kpoppenhaeger@aip.de

Pressekontakt:

Sarah Hönig, 0331 7499 803, presse@aip.de

Publikation:

https://doi.org/10.1093/mnras/staa1462

https://arxiv.org/abs/2005.10240

Verwendete Software:

https://github.com/lketzer/platypos/

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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AIP Schwarzschild Fellow Marcel Pawlowski mit Klaus Tschira Boost Fund gefördert

Dr. Marcel Pawlowski. Credit: privat

AIP Schwarzschild Fellow Marcel Pawlowski mit Klaus Tschira Boost Fund gefördert

11. Mai 2020. Dr. Marcel Pawlowski, Schwarzschild-Fellow am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP), erhält eine Förderung der Klaus Tschira Stiftung und des Vereins German Scholars Organ...

Das geförderte Projekt befasst sich mit der Bewegung kleiner Galaxien, sogenannter Satellitengalaxien, um die Milchstraße. Führende kosmologische Modelle sagen voraus, dass sich solche Satellitengalaxien eher zufällig verteilen und bewegen. Beobachtungen zeigen aber eine überraschende Ordnung: Die Satelliten weisen eine Vorzugsrichtung auf und bewegen sich entlang abgeflachter Strukturen. Diese „Ebenen der Satellitengalaxien“ stellen das Verständnis der Kosmologie und der Galaxienentstehung grundlegend in Frage.

„Ich werde Systeme von Satellitengalaxien in einer Reihe von kosmologischen Simulationen untersuchen, um das Auftreten, die Eigenschaften und den Ursprung von Satellitenebenen zu bestimmen und um festzustellen, ob sie uns etwas über die Eigenschaften ihrer Heimatgalaxie oder die Natur der Dunklen Materie sagen können“ erläutert Marcel Pawlowski. „Ich freue mich sehr dass der KT Boost Fund es mir, neben der traditionellen Forschungsförderung, auch ermöglicht Ideen umzusetzen die oft schwieriger zu finanzieren sind, wie beispielsweise die Organisation eines interdisziplinären Hackathons am AIP um dort internationale Experten zusammen zu bringen und neue Forschungsideen zu entwickeln.“ Pawlowski wechselte 2018 als Schwarzschild Fellow ans AIP nach Potsdam. Davor forschte er als Hubble Fellow an der University of California in Irvine und als Postdoc an der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio.

Die Klaus Tschira Stiftung und die German Scholars Organisation haben zum zweiten Mal junge Forschende ausgewählt, die über das Programm „Klaus Tschira Boost Fund“ unterstützt werden. In den kommenden beiden Jahren erhalten insgesamt elf Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler bis zu 80.000 Euro Fördermittel für ihre Projekte. Das Programm richtet sich an exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik. Mit den unabhängigen Fördermitteln können die Fellows eigene Projekte innerhalb von zwei Jahren umsetzen. Unterstützt werden dabei vor allem interdisziplinäre sowie internationale Projekte, auch gewagtere Forschungsvorhaben. Ziel des Programms ist es, jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern möglichst früh zu ermöglichen, unabhängig zu forschen und ihr Profil zu schärfen.

 

Pressemitteilung der Klaus Tschira Stiftung:

https://www.klaus-tschira-stiftung.de/klaus-tschira-stiftung-und-german-scholars-organization-foerdern-elf-junge-forschende-mit-je-80-000-euro/

Mehr zum Projekt:

https://www.gsonet.org/foerderprogramme/klaus-tschira-boost-fund/fellows/fellows2020/marcel-pawlowski.html

Pressekontakt AIP:

Sarah Hönig, 0331 7499 803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Wissenschaft spendet für Gesundheitseinrichtungen

In den Laboren des AIP werden Handschuhe genutzt, um empfindliche Bauteile, wie hier ein holographisches Gitter zu inspizieren. Credit: AIP

Wissenschaft spendet für Gesundheitseinrichtungen

1. April 2020. Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) stellt Schutzausrüstung für die Bekämpfung der Corona-Epidemie bereit. Die Wissenschafts- und Kulturministerin Manja Schüle ü...

Mehrere Kisten mit Schutzanzügen, Kitteln, Atemschutzmasken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln werden in der Feuerwache zentral gesammelt und von der Stadt je nach Bedarf verteilt. Zu den Spendern gehören neben dem AIP das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Potsdam-Golm, das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam, das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau in Großbeeren und das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY in der Helmholtz-Gemeinschaft in Zeuthen sowie die Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Weiteres Material kommt vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm.

Das AIP stellt Handschuhe, Gesichtsmasken und Überschuhe bereit, die normalerweise in der Forschungstechnik des Instituts zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um Schutzbekleidung und Schutzausrüstung aus den Laboren und Werkstätten, in denen Instrumente für Teleskope und Satelliten entwickelt und gebaut werden. Zum Beispiel ist das Betreten eines Reinraums ohne Schutzbekleidung nicht möglich. Die Ausrüstung bietet in den Laboren Schutz vor Gefahrenstoffen und verhindert die Verunreinigung empfindlicher Bauteile wie Kameras oder Linsen.

 

Pressemitteilung des MWFK

https://mwfk.brandenburg.de/mwfk/de/service/pressemitteilungen/ansicht/~31-03-2020-schutzausruestung-fuer-potsdam

Pressekontakt AIP

Dr. Janine Fohlmeister, 0331 7499 802, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Totale Mondfinsternis: Beobachtung der Erde als Transitplanet

Die Sonne vom Tycho-Krater auf dem Mond aus gesehen. Während die Sonne hinter dem Nordpazifik untergeht, verschwindet ihre Scheibe bei einer Mondfinsternis vollständig hinter der Erde. Credit: AIP/Strassmeier/Fohlmeister

Totale Mondfinsternis: Beobachtung der Erde als Transitplanet

2. März 2020. Ein internationales Forschungsteam untersuchte während einer Mondfinsternis durch die Erdatmosphäre scheinendes Sonnenlicht – analog zur Erforschung entfernter Exoplaneten. In de...

Zieht ein Exoplanet vor seinem Stern vorüber, scheint ein Teil des Sternenlichts durch die Atmosphäre des Planeten. Obwohl der Einfluss des Planeten auf das Sternenlicht nur sehr gering ist, enthält es auch das chemische und physikalische Signal seiner Atmosphäre. Die Messung der atmosphärischen Bestandteile wird in der Astrophysik als Transmissionsspektroskopie bezeichnet. Sie ist eine relativ neue, aber erfolgsversprechende Methode. Bereits eine Vielzahl von Exoplanet-Transiten ließen sich damit nachweisen. „Die Untersuchungen finden jedoch bisher nur Anwendung bei übergroßen Jupiter-ähnlichen Planeten, die ihren Stern sehr nah umkreisen. Noch mehr sind wir freilich an Transits von erdähnlichen Planeten interessiert und daran, ob wir komplexere molekulare Signaturen, die möglicherweise sogar auf Leben hindeuten, nachweisen können“, berichtet der leitende Autor der jetzt veröffentlichten Studie, Klaus Strassmeier, Direktor am Leibniz-Institut für Astrophysik in Potsdam (AIP). „Eine totale Mondfinsternis, die sich von unserem eigenen Mond aus gesehen als totale Sonnenfinsternis darstellt, ist aber nichts anderes als ein Transit unserer eigenen Erde vor der Sonnenscheibe und indirekt beobachtbar.“

Das Sonnenlicht, das durch die Erdatmosphäre dringt, bevor es der Mond zurück zur Erde reflektiert, wird als Erdschein bezeichnet. Die biologische Aktivität auf der Erde hat viele Nebenprodukte wie Sauerstoff und Ozon in Verbindung mit Wasserdampf, Methan und Kohlendioxid. Diese biogenen Moleküle lassen sich in den Atmosphären anderer Planeten bei optischen und nahinfraroten Wellenlängen nachweisen. Erdscheinbeobachtungen erlauben, die Existenz biogener und verwandter chemischer Elemente mit denselben Techniken für einen bewohnbaren Planeten zu überprüfen, die ansonsten zur Beobachtung von Sternen mit sehr großen Planeten verwendet werden. Sie sind somit ein idealer Test für zukünftige Studien entfernter erdähnlicher Planeten mit der neuen Generation extrem großer Teleskope.

Im Januar 2019 ereignete sich eine totale Mondfinsternis, bei der sich der Mond sich um das 20.000-fache verdunkelte. Für die Beobachtungen wurde daher die Lichtsammelfähigkeit des 11,8 m Large Binocular Teleskops (LBT) benötigt. Darüber hinaus war die hohe spektrale Auflösung des Instruments PEPSI (Potsdam Echelle Polarimetric and Spectroscopic Instrument) erforderlich, um den erwarteten Einfluss der Erdatmosphäre vom normalen Sonnenspektrum zu trennen.

"PEPSI hat bereits bedeutende Beiträge zur Untersuchung von Exoplaneten geleistet, indem es deren Transit vor ihrer Sonne beobachtet hat", fügt Christian Veillet, Direktor des LBT-Observatoriums, hinzu. „Die Beobachtung der Erde als Exoplanet dank einer totalen Mondfinsternis vom LBT-Standort in Arizona und die Ergänzung von Polarimetrie zur exquisiten Auflösung des PEPSI-Spektrographen führten zum Nachweis von Natrium, Kalzium und Kalium in der Erdatmosphäre."

 

Zeitreihe der Spektren der terrestrischen molekularen Sauerstoff- und Wasserdampfabsorption während der Mondfinsternis. Die zentralen vier Spektren zeigen einen dramatischen Anstieg der O2- und H2O-Absorption während der Bedeckung. Sauerstoffmoleküle bilden bei 7600 Å die sogenannte A-Bande, H2O bildet einzelne Absorptionslinien im Bereich von 7850–9100 Å. Credit: AIP/Strassmeier


Spektraler Zoom auf die Kaliumlinie bei einer Wellenlänge von 7699 Å: Das untere Spektrum ist ein Vergleichsspektrum des Vollmonds außerhalb der Sonnenfinsternis. Rot gekennzeichnet sind Zeiten der Totalität, schwarz bei partieller Bedeckung und blau außerhalb der Finsternis. Die Linien beiderseits der Kaliumlinie stammen von zwei terrestrischen Wasserdampfabsorptionen. Credit: AIP/Strassmeier

 

Mehr über PEPSI & LBT

https://pepsi.aip.de/

http://www.lbto.org

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Klaus G. Strassmeier, 0331-7499-223, kstrassmeier@aip.de

Pressekontakt

Dr. Janine Fohlmeister, 0331-7499-803, presse@aip.de

Publikation

Klaus G. Strassmeier, Ilya Ilyin, Engin Keles, Matthias Mallonn, Arto Järvinen, Michael Weber, Felix Mackebrandt, and John M. Hill, 2020, Astronomy & Astrophysics, in press

http://arxiv.org/abs/2002.08690

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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