Aktuelles

Niederländisches Königspaar besucht Telegrafenberg

Credit: Reinhardt & Sommer / GFZ

Niederländisches Königspaar besucht Telegrafenberg

22. Mai 2019. Seine Majestät König Willem-Alexander und Ihre Majestät Königin Máxima der Niederlande besuchten heute begleitet von einer hochrangigen deutsch-niederländischen Delegation den G...

Matthias Steinmetz, Vorstand des AIP, empfing gemeinsam mit Reinhard Hüttl, Vorstand des  Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) und den Direktoren des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) Johan Rockström und Ottmar Edenhofer das Königspaar, den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Dietmar Woidke, seine Ehefrau Susanne, die niederländische Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft Ingrid van Engelshoven sowie die Brandenburgische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur Martina Münch. Im Kuppelsaal des Großen Refraktors, dem historischen Teleskop, begrüßte Matthias Steinmetz die Delegation: „Der Telegrafenberg steht seit fast 150 Jahren nicht nur für die Erforschung unserer Erde und ihrem Platz im Kosmos, er ist auch seither Ort für internationale Zusammenarbeit und interdisziplinären wissenschaftlichen Diskurs.“

Anlass für den Besuch war die feierliche Unterzeichnung zweier Kooperationsvereinbarungen zwischen dem GFZ und der Technischen Universität Delft sowie dem PIK und der Vrije Universiteit Amsterdam. An sechs Thementischen im Großen Refraktor konnte sich das Königspaar über die Forschung in den Bereichen Geothermie und unterirdische Speicherung von Kälte und Wärme in Städten, Nutzung und Speicherung von abgeschiedenem Kohlenstoff sowie Effekte des Klimawandels oder die Dekarbonisierung des Energiesystems erkundigen.

„Ich freue mich sehr, dass die königlichen Gäste aus den Niederlanden heute diesen einzigartigen Forschungscampus auf dem Telegrafenberg besucht haben“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke. „Die Gespräche und Begegnungen machten die vielen Berührungspunkte deutlich, die Forscher in Deutschland und den Niederlanden verbinden. Die drei Institute, auf die das Land Brandenburg zu Recht stolz ist, sind führend in der deutschen und internationalen Forschungslandschaft. Sie haben dazu beigetragen, dass Potsdam international bekannt und anerkannt ist und der Name für eine hohe Qualität wissenschaftlicher Forschung bürgt. Das Königspaar hat dies heute mit seinem Besuch unterstrichen.“

 

Pressemitteilung GFZ

https://www.gfz-potsdam.de/medien-kommunikation/meldungen/detailansicht/article/niederlaendisches-koenigspaar-besucht-telegrafenberg/

Pressemitteilung PIK

https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/niederlaendisches-koenigspaar-besucht-telegrafenberg


Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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AIP im Europäischen Wettbewerb für Wissens- und Technologietransfer gefördert

Credits: NASA, Zarya Maxim/stock.adobe.com; Montage: Universität Potsdam, ZIM

AIP im Europäischen Wettbewerb für Wissens- und Technologietransfer gefördert

8. April 2019, aktualisiert am 22. Mai 2019. Von der Galaxienforschung zur Krebsbekämpfung – das Kompetenzzentrum innoFSPEC des Leibniz- Institut für Astrophysik (AIP) erhält eine Förderung z...

Die prämierte Transferidee „3D-CANCER-SPEC“ des Kompetenzzentrums innoFSPEC beruht auf den Leistungen in der Übertragung von Hochtechnologie aus der Astronomie in die Krebsdiagnostik. Ziel ist eine Optikdesignstudie zur Entwicklung eines für klinische Studien geeigneten Prototypen. Das innoFSPEC-Team unter Leitung von Prof. Martin Roth bewarb sich gemeinsam mit dem Industriepartner Winlight Systems (Frankreich) erfolgreich im ATTRACT-Wettbewerb. „Unter dem Motto ‚From Molecules to Galaxies‘ arbeiten wir schon seit einigen Jahren an interdisziplinären Forschungsthemen —  wir freuen uns, dass diese Bemühungen jetzt Früchte tragen“, erklärt Roth.

In einer einjährigen Förderphase werden nun das Team und Winlight im Rahmen der Transferidee „3D-CANCER-SPEC“ aus einem Laborexperiment zur Krebsdiagnostik, das auf einem Original-MUSE-Spektrographen beruht, ein kompaktes Gerät für Untersuchungen entwickeln. Das Konzept soll in einem wissenschaftlichen Journal und mit einem Vortrag auf der ATTRACT-Abschlusskonferenz im September 2020 in Brüssel der Öffentlichkeit präsentiert werden. Es wird erwartet, dass mit dieser Unterstützung Fördermittelgeber oder Industrieunternehmen die Finanzierung eines medizinischen Geräts vorantreiben.

Grundlagenforschung, wie sie am AIP betrieben wird, erzeugt Spitzenleistungen in der Entwicklung von Hochtechnologien. Beispiele sind unter anderem die bildgebende Spektroskopie mit Instrumenten wie PMAS und MUSE und die Auswertung riesiger Datenmengen (Big Data) mit Künstlicher Intelligenz im Bereich eScience. Seit seiner Gründung im Jahr 2009 engagiert sich das Zentrum für Innovationskompetenz innoFSPEC Potsdam neben Grundlagenforschung in optischen Technologien und der Photonik für die Nutzbarmachung von dabei entwickelter Hochtechnologie für Wirtschaft und Gesellschaft. Ein Beispiel hierfür ist die Übertragung von bildgebender Spektroskopie aus der Astronomie in die minimal-invasive Krebsdiagnostik. Dieses Experiment in Zusammenarbeit mit der Charité Universitätsmedizin wurde im Jahr 2018 mit einer Publikation in dem renommierten Fachjournal Journal of Biomedical Optics erfolgreich abgeschlossen. Zusätzlich widmen sich im Rahmen des Engagements im Leibniz-Forschungsverbund Gesundheitstechnologien zwei Folgeprojekte mit Partnern aus der Industrie und der Leibniz-Gesellschaft der Diagnostik von Blasenkrebs und technischen Verbesserungen für den Einsatz im OP — hier kam es bereits zu einer Patentanmeldung.

Die Spektroskopie ist eine leistungsstarke Technik, mit der die Zusammensetzung eines Objekts aus dem von ihm emittierten Licht bestimmt werden kann, unabhängig davon, ob dieses Licht von einem Objekt im Weltraum oder dem Körper einer Person auf der Erde stammt. Krebsgewebe unterscheidet sich so stark von gesundem Gewebe, dass es mittels Raman-Spektroskopie unterschieden werden kann - ein vielversprechender Weg, um die Entnahme invasiver Gewebeproben zu vermeiden. Während sich dies bisher im Prinzip bewährt hat, dauerte der bildgebende Prozess Stunden, was praktisch nicht sinnvoll ist. Um diesen Prozess im klinischen Umfeld zu beschleunigen, plant das Team die Anwendung einer speziellen Technik der Integralfeldspektroskopie – wie sie von MUSE am Very Large Telescope der ESO eingesetzt wird –, die zur Lösung einer besonderen Herausforderung der astronomischen Bildgebung entwickelt wurde.

Ein erklärtes Ziel im Pakt für Forschung und Innovation ist es, den Austausch der Wissenschaft mit Wirtschaft und Gesellschaft zu stärken. Vor diesem Hintergrund haben die großen europäischen Forschungsorganisationen wie das Hochenergielabor CERN, das Röntgenlaserlabor XFEL, oder die Europäische Südsternwarte ESO den Wettbewerb ATTRACT ausgelobt, bei dem Fördermittel von insgesamt 17 Millionen Euro von der Europäischen Kommission bereitgestellt werden. In dem Vorhaben werden insgesamt 170 herausragende Transferideen im Bereich der Technologien von Detektion und Bildgebung prämiert. Dazu zählen vielversprechende Anwendungsinnovationen in Mikroelektronik, Information und Kommunikation oder Lebenswissenschaften und Medizintechnik.

 

Pressemitteilung ESO

https://www.eso.org/public/germany/news/eso1909/

Pressemitteilung Attract

https://attract-eu.com/170-projects-disruptive-solutions-societal-challenges/

Attract Website

https://attract-eu.com/

innoFSPEC Website

https://innofspec.de/

Mehr über Muse

https://www.aip.de/de/forschung/research-area-drt/development-of-research-technology-and-infrastructure-1/3d-spectroscopy/muse

Wissenschaftlicher Kontakt

Prof. Dr. Martin Matthias Roth, 0331-7499-313, mmroth@aip.de

Medienkontakt

Sarah Hönig, 0331-7499 803, presse@aip.de

Veröffentlichung

Elmar Schmälzlin, Benito Moralejo, Ingo Gersonde, Johannes Schleusener, Maxim E. Darvin, Gisela Thiede, Martin M. Roth, “ Nonscanning large-area Raman imaging for ex vivo /in vivo skin cancer discrimination,” J. Biomed. Opt. 23 (10), 105001 (2018)

https://doi.org/10.1117/1.JBO.23.10.105001

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Gesicht zeigen für die Wissenschaft

Die Initiatoren der Kampagne „Wissen schafft“.

Gesicht zeigen für die Wissenschaft

Das Deutsche Elektronen-Synchroton DESY in Zeuthen, die Technische Hochschule Wildau und das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) starten gemeinsam die Kampagne "Wissen schafft".

Wissenschaftliche Einrichtungen halten sich bewusst mit parteipolitischen Positionen zurück, sind jedoch in vielerlei Hinsicht unmittelbar vom politischen Klima, den Entscheidungen in den Kommunen und im Land in der vielfältigen Wissenschafts- und Forschungslandschaft der Region betroffen. 2019 ist Wahljahr. Am 26. Mai sind Europawahlen und Kommunalwahlen in Brandenburg. Am 1. September wählt Brandenburg einen neuen Landtag.

 

„Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei“ heißt es im Grundgesetz. Diese Freiheit ist Basis der wissenschaftlichen Arbeit. Die Möglichkeit frei Wissenschaft zu betreiben, hängt davon ab, dass die Menschen, die darüber entscheiden, zu dieser Freiheit stehen.

 

Die Kampagne soll deshalb den Wert der freien Wissenschaft und ihre gesellschaftliche Verantwortung sichtbar verdeutlichen. Einzelne über Gruppen bis zu gesamten Einrichtungen oder Organisationen sind eingeladen sich individuell zu beteiligen und die große Bandbreite, die Wissenschaft erst ermöglicht, aufzuzeigen.

 

Erfahren Sie mehr zur Kampagne und den Aktionen unter:

https://wissen-schafft.org

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Nova nach mehr als 2000 Jahren wiederentdeckt

Illustration der Position der Nova im Kugelsternhaufen M22. Credit: ESA/Hubble und NASA; Montage: F. Göttgens

Nova nach mehr als 2000 Jahren wiederentdeckt

29. April 2019. Moderne astronomische Aufnahmen wiesen jetzt den Überrest einer Nova-Explosion nach, deren Position mit einer in alten chinesischen Aufzeichnungen beschriebenen Himmelserscheinung ...

Einem europäischen Forscherteam unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) gelang mit dem MUSE-Instrument am Very Large Telescope der ESO in Chile der Nachweis des Überrests einer alten Nova im Kugelsternhaufen Messier 22. Seine Position entspricht mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Beobachtung von chinesischen Astronomen von vor über 2000 Jahren: nach Aufzeichnungen in der chinesischen Chronik Han Shu wurde im Jahr 48 v.Chr. in der fraglichen Himmelsregion ein „Gaststern“ gesehen, d.h. ein vorher nicht sichtbarer, beziehungsweise neuer (Nova) Stern, der wieder vom Himmel verschwand.

„Die Position und Helligkeit des Überrests passen zu dem Eintrag aus dem Jahr 48 v.Chr.“, sagt Fabian Göttgens vom Institut für Astrophysik der Universität Göttingen, Erstautor der Studie. Prof. Dr. Martin Roth, Wissenschaftler am AIP, erklärt, warum diese Bestätigung einer alten Messung Jahrtausende später möglich ist: „Astronomische Phänomene erstrecken sich oft über sehr lange Zeiträume — mitunter lassen sich moderne Messungen durch historische Beobachtungen stützen“.  Novae und Supernovae waren chinesischen, arabischen, griechischen und babylonischen Astronominnen und Astronomen schon vor tausenden von Jahren bekannt. Die ältesten chinesischen astronomischen Aufzeichnungen sind sogar 3400 Jahre alt. „Mit modernen, extrem empfindlichen Instrumenten und etwas Glück sind auch weniger starke stellare Ausbrüche noch nach über 2000 Jahren nachweisbar“, ergänzt Dr. Peter Weilbacher vom AIP.

Der Kugelsternhaufen M22 ist einer von rund 150 Kugelsternhaufen, die unsere Milchstraße umkreisen. Er liegt im Sternbild Schütze in Richtung des Zentrums der Milchstraße und besteht aus mehreren hunderttausenden sehr alten Sternen und Doppelsternsystemen. Novae sind Ausbrüche auf der Oberfläche eines Weißen Zwergsterns in einem Doppelsternsystem. Die freigesetzte Energie erhöht die Leuchtkraft um mehrere Größenordnungen, so dass sie für kurze Zeit als „Stern“ von der Erde aus beobachtbar werden können. Das ausgestoßene Material verteilt sich mit hoher Geschwindigkeit und bildet einen leuchtenden Nebel, der mit der Zeit immer mehr ausdünnt.

Das MUSE-Instrument, ein 3D-Spektrograph, wurde unter Beteiligung des AIP gebaut. Dieser teilt das Sternenlicht gleichzeitig in all seine Farben und misst die Helligkeit von Sternen in Abhängigkeit von der Farbe. Damit eignet es sich besonders gut dafür, Nebel zu finden, die häufig in einer bestimmten Farbe leuchten. Die nun entdeckten Überreste der Nova bilden einen rot leuchtenden Nebel aus Wasserstoffgas und anderen Gasen, mit einem Durchmesser von etwa dem 8000-fachen Abstand zwischen Erde und Sonne. Trotz dieser Größe ist der Nebel relativ leicht. Die neuen Beobachtungen schließen auf eine Masse von 30 Erdmassen.

Hochtechnologie, wie die des MUSE-Instruments, schafft so eine Verbindung zwischen moderner Astronomie und der akribisch dokumentierten Beobachtung der chinesischen Astronomen vor mehr als 2000 Jahren.

 

Chinesische Aufzeichnung, in der die Nova des Jahres 48 v.Chr. beschrieben wurde (gelb markiert). Credit: ctext.org

 

Pressemitteilung der Universität Göttingen https://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?id=5419

Wissenschaftlicher Kontakt Prof. Dr. Martin Matthias Roth, 0331-7499-313, mmroth@aip.de

Medienkontakt Sarah Hönig, 0331-7499 803, presse@aip.de

Mehr zu Muse https://www.aip.de/de/forschung/research-area-drt/development-of-research-technology-and-infrastructure-1/3d-spectroscopy/muse

Veröffentlichung Fabian Göttgens, Peter M. Weilbacher, Martin M. Roth, Stefan Dreizler, Benjamin Giesers, Tim-Oliver Husser, Sebastian Kamann, Jarle Brinchmann, Wolfram Kollatschny, Ana Monreal-Ibero, Kasper B. Schmidt, Martin Wendt, Lutz Wisotzki, und Roland Bacon, “Discovery of an old nova remnant in the Galactic globular cluster M 22,“ Astronomy & Astrophysics (2019).

https://arxiv.org/abs/1904.11515

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

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Nahe Galaxie bringt Licht ins Dunkel des frühen Universums

“Green pea”-Galaxie NGC 2366, aufgelöst in tausende blaue (junge) Sterne in einem 3.5m/MOSCA Farbbild. Nebel erscheinen als rote/rosa Bereiche. Mrk 71, der hellste Nebel, ist durch den Pfeil markiert. Credits: J. van Eymeren & A. R. López- Sánchez (ATNF)

Nahe Galaxie bringt Licht ins Dunkel des frühen Universums

25. März 2019. Ein Team von Astronominnen und Astronomen hat entdeckt, wie energiereiche Photonen einer nahegelegenen Galaxie entkommen. Auf diese Weise erleuchtete wahrscheinlich auch die erste G...

Astronominnen und Astronomen des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) haben zum ersten Mal den komplexen Mechanismus, wie ultraviolettes Licht aus Galaxien entkommt, mit Hilfe des in Potsdam entwickelten Instruments Potsdam Multi-Aperture Spektrophotometer (PMAS) untersucht. Eine detaillierte physikalische Analyse der jetzt veröffentlichten einmaligen Beobachtungen am Calar Alto Observatorium in Spanien belegt, dass aus einer untersuchten Galaxie Gas mit Überschallgeschwindigkeit ausströmt. Ein ähnlicher Prozess fand wahrscheinlich im frühen Universum statt.

Die Reionisierungsepoche

Das frühe Universum war ein dunkler Ort. Wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall bildeten sich die ersten Sterne. Deren ultraviolette Strahlung ionisierte die Wasserstoffatome, die das Weltall bevölkerten und bis dato die Strahlung absorbierten. Dieser Vorgang wird als Reionisierungsepoche bezeichnet, die dazu führte, dass das Universum transparent für Licht (und damit beobachtbar) wurde. Nun haben Astronominnen und Astronomen das PMAS Instrument dafür genutzt, eine sogenannte „Green Pea“-Galaxie zu untersuchen. Diese stellen ein lokales Gegenstück zu den ersten Galaxien dar und zeigen, wie ultraviolettes Licht ausgesendet und ferne Regionen in einem ähnlichen Prozess ionisiert werden. „Wegen der enormen Entfernung können wir die Galaxien, die die ersten Sterne beherbergten, nicht beobachten, auch nicht mit den in Zukunft geplanten Teleskopen. Wir können jedoch lokale Gegenstücke dazu finden und stattdessen untersuchen. Diese haben einen lustigen Namen, Green Pea, weil sie grün leuchten“, sagt Dr. Genoveva Micheva, Astronomin am AIP und Erstautorin der Studie.

Die der Erde nächste „Green Pea“-Galaxie ist NGC 2366, eine Zwerggalaxie mit unregelmäßigem Aussehen, die der Großen Magellanschen Wolke ähnelt. Mit nur 11 Millionen Lichtjahren Entfernung ist NGC 2366 nah genug, um sie im Detail untersuchen zu können. In ihrem südlichen Gebiet liegt Mrk 71, ein riesiger Nebel und zwei Ansammlungen junger, heißer Sterne, die das Gas (größtenteils Wasserstoff) um sie herum erleuchten. Solche großen nebelartigen Komplexe sind ein Ort aktiver und anhaltender Entstehung von Sternen.

Wie ultraviolettes Licht entkommt

Mrk 71 dominiert durch seine Größe die Ionisierungseigenschaften der gesamten Galaxie NGC 2366. Es werden Photonen ausgestoßen, die so energiereich sind, dass sie das einzelne Elektron jedes Wasserstoffatoms in ihrer Nähe herauslösen können. Energiereiches ultraviolettes Licht, von dem Astronominnen und Astronomen annehmen, dass es für die Reionisierungsepoche verantwortlich war, entkommt den Grenzen dieser Galaxie. Dieses Licht reagiert extrem empfindlich auf Gas und Staub und wird von beiden absorbiert und zerstreut. Aus diesem Grund war bisher nicht bekannt, wie es entkommt.

Als Micheva und ihr Team diese Region mit dem PMAS Instrument am Calar Alto Observatorium untersuchten, entdeckten sie Hinweise auf eine sehr schnelle doppelkonische Gasausströmung, wahrscheinlich ausgelöst von Sternentstehungsaktivitäten. Die Ausströmung von Gas beginnt bei einem jungen Sternhaufen mit mehrerer zehnfacher Sonnenmasse, der ursprünglich vom Hubble- Weltraumteleskop entdeckt wurde. Durch diese Ausströmung entsteht ein Loch im Gas, wodurch das energetische ultraviolette Licht ungehindert entkommen kann. „Stützende Beweise für dieses Szenario liefern uns die Erstellung und Untersuchung räumlicher Karten der Elektronentemperatur und –dichte sowie der Schallgeschwindigkeit und der Machzahl“, sagt Micheva. In Mrk 71 ist die durchschnittliche Machzahl, die das Verhältnis von Geschwindigkeit zur Schallgeschwindigkeit angibt, im Überschallbereich und steigt außerhalb des Kerns der Region sogar noch weiter an. Dies weist auf einen plötzlichen Abfall der Gasdichte hin. „Wir zeigen, dass dieser Dichteabfall sehr dramatisch sein kann und ausreicht, sie soweit zu reduzieren, dass das Gas transparent für ionisierende Photonen wird“, betont Micheva.

Es ist wahrscheinlich, dass ein ähnlicher Prozess im entfernten (frühen) Universum stattfand, bei dem gewaltige Ausströmungen das dichte Gas ihrer Heimatgalaxien durchbrechen und so den Weg freimachen konnten, wodurch das Universum nach seinem dunklen Anfang transparent wurde.

Das Deutsch-Spanische Astronomische Zentrum (CAHA) in Calar Alto befindet sich in der Sierra de Los Filabres (Andalusien, Südspanien) nördlich von Almeria. Es wird gemeinsam vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg und dem Instituto de Astrofísica de Andalucía (CSIC) in Granada/Spanien betrieben. Junta de Andalucía wird in Kürze die Copartnerschaft von MPIA beim Calar Alto Observatorium übernehmen.

 

Originalpublikation

G. Micheva et al. “IFU investigation of possible Lyman continuum escape from Mrk71/NGC 2366”

https://www.aanda.org/articles/aa/abs/2019/03/aa34838-18/aa34838-18.html

Pressemitteilung von CAHA

http://www.caha.es/

Mehr zu PMAS

https://www.aip.de/de/forschung/research-area-drt/development-of-research-technology-and-infrastructure-1/3d-spectroscopy/pmas

Wissenschaftlicher Kontakt

Dr. Genoveva Micheva, 0331-7499-657, gmicheva@aip.de

Medienkontakt

Sarah Hönig, 0331-7499-803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

 

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