Sonne unter doppelter Beobachtung

13. August 2018. Der am 12. August gestartete NASA-Satellit Parker Solar Probe wird sich als erste Raumfahrtmission der Sonne bis auf 10 Sonnenradien nähern und so der Wissenschaft in den kommenden Jahren neue Erkenntnisse über unseren Heimatstern liefern. Ein internationales Projekt unter der Federführung des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) ergänzt durch gleichzeitige bodengebundene Messungen die Daten der Weltraumsonde – und ermöglicht so völlig neue Erkenntnisse über die Sonnenaktivität und ihre Ausbreitung in Richtung Erde.
Sonne unter doppelter Beobachtung

Parker Solar Probe. (Credit: NASA/Johns Hopkins APL/Steve Gribben)

Welche Auswirkung hat die Sonnenaktivität auf den sie unmittelbar umgebenden Raum – und letztlich auch auf unsere Erde? Auf diese und andere Fragen soll die Weltraummission Parker Solar Probe Antworten liefern. Sie sind von fundamentalem Interesse, da die Sonnenaktivität einen enormen Einfluss auf unsere technische Zivilisation hat:  So kann es durch sie zu Störungen der GPS-Navigation und in elektronischen Bauelementen in Flugzeugen, Satelliten und Krankenhäusern kommen.

Mit dem Weltraumsatelliten wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die äußere Schicht der Sonnenatmosphäre – die Korona – sowie den sonnennahen interplanetaren Raum untersuchen. Einer von ihnen ist Prof. Dr. Gottfried Mann. Er leitet am AIP die Abteilung „Physik der Sonne“ und erforscht unter anderem die Sonne und das Weltraumwetter. Gemeinsam mit 20 anderen internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat er simultane Beobachtungzeit mit LOFAR und Parker Solar Probe eingeworben – insgesamt 1.024 Stunden innerhalb der nächsten zwei Jahre. Die Beobachtungszeitpunkte sind dabei bewusst gewählt: In den so genannten Perihel-Phasen, wenn der Satellit der Sonne am nächsten kommt, plant die Forschergruppe gleichzeitige Beobachtungen mit dem erdgebundenen Radioteleskop LOFAR, da dann die Instrumente der Parker Solar Probe wegen ihrer Nähe zur Sonne die Korona am besten beobachten können. „Mit diesen bodengebundenen Ergänzungsmessungenwird LOFAR wichtige Daten liefern. Dadurch wird es in bisher nie da gewesener Weise möglich sein, die Sonnenaktivität und ihre Ausbreitung von der Korona in den interplanetaren Raum zu erforschen“, erläutert Mann die Bedeutung des Projektes.

Das International LOFAR Telescope (ILT) ist ein europäisches Gemeinschaftsprojekt unter niederländischer Leitung mit zahlreichen Stationen in Nord- und Westeuropa. In den letzten zwei Jahren wurde das ILT durch drei Stationen in Polen und einer Station in Irland erweitert. Damit vergrößerte sich die Basislänge auf 1885 km in Ost-West-Richtung. In Nord-Süd-Richtung beträgt die Basislänge 1301 km von Onsala in Schweden bis Nançay in Frankreich. Gegenwärtig besteht das ILT aus einem zentralen Kern von 24 Stationen und 14 weiteren in den Niederlanden verteilten Einzelstationen sowie zusätzlichen 13 internationalen Stationen in Europa. Das AIP ist an LOFAR mit einer eigenen Station in Potsdam-Bornim beteiligt.

Die wissenschaftliche Auswertung der LOFAR-Daten ist in Form von sechs Key Science Projects organisiert. Eines davon, "Solar Physics and Space Weather with LOFAR", wird vom AIP geleitet. Mit seiner hohen Sensitivität und Flexibilität ist LOFAR ein geeignetes Instrument für eine Vielzahl von wissenschaftlichen Themen – vom frühen Universum bis zum erdnahen Weltraum.

 

LOFAR-Station in Potsdam-Bornim. (Credit: AIP)

 

Wissenschaftlicher Kontakt am AIP

apl. Prof. Dr. Gottfried Mann, 0331-7499-292, gmann@aip.de

Medienkontakt

Franziska Gräfe, 0331-7499-803, presse@aip.de

Weiterführende Informationen

LOFAR:                    https://bit.ly/2AVchS4

PSP:                         http://parkersolarprobe.jhuapl.edu

NASA-Meldung:      https://go.nasa.gov/2vCYbzO

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.