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Neugierig auf Galaxien? Dritte CALIFA-Datenveröffentlichung

11. April 2016. Die Himmelsdurchmusterung CALIFA, der „Calar Alto Legacy Integral Field Area Survey“, veröffentlicht nach sechs Jahren Laufzeit alle gesammelten Beobachtungsdaten. Die Eigenschaften von rund 600 Galaxien sind für alle Interessierten öffentlich über die Website http://califa.caha.es abrufbar. Die astronomische Gemeinschaft erhält somit freien Zugang zum größten jemals gewonnenen Datensatz räumlich aufgelöster Eigenschaften von Galaxien. Die CALIFA-Daten wurden mit dem am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) gebauten Integralfeld-Spektrographen PMAS gewonnen.

CALIFA erlaubt einzigartige Einblicke auf die Entwicklung von Galaxien. Während wir in einer bestimmten Galaxie, der Milchstraße, leben, gibt es zahlreiche weitere Galaxien im Universum, ihre galaktischen Geschwister. Dr. Sebastian Sanchez, Wissenschaftler der Universität von Mexiko (UNAM) und Principal Investigator von CALIFA beschreibt das Vorgehen wie folgt: „In den Sozialwissenschaften ist es für eine umfassende Einschätzung einer Einzelperson üblich, nicht nur diese selbst, sondern auch ihr gesellschaftliches und soziales Umfeld zu betrachten. Genau diesen Ansatz verfolgen wir auch in der Astronomie, um die Milchstraße und ihre Umgebung durch eine genauere Untersuchung ihrer galaktischen Geschwister besser zu verstehen. Auch Galaxien zeigen eine große Erscheinungsvielfalt, die durch ihre Entwicklungsgeschichten geprägt ist.“

CALIFA wendet die Technik der Integralen Feldspektroskopie (IFS) an, um alle Galaxien im lokalen Universum näher zu untersuchen und auf diese Weise ein Panorama der Galaxieneigenschaften zu erstellen. Mit IFS können die Eigenschaften von Galaxien in verschiedene Bereichen innerhalb jeder einzelnen Galaxie räumlich aufgelöst studiert werden. Dr. Jakob Walcher vom AIP und CALIFA-Projektwissenschaftler präzisiert: „Wir wussten, dass einige Galaxieneigenschaften sich nach regelmäßigen Mustern ändern. Dass wir dies jetzt erstmalig für so viele Galaxien und in solcher Detailtiefe nachweisen konnten, ist großartig. Damit haben wir ganz neue Möglichkeiten, Galaxien zu untersuchen und herauszufinden, wie sie sich zu ihrer heutigen Form entwickelt haben.“

„Als öffentlich finanziertes Projekt sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Daten allen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Damit können unsere Ergebnisse prinzipiell von jedem bearbeitet und reproduziert werden.“ ergänzt Dr. Stefano Zibetti vom INAF (Italien) und verantwortlich für die Qualitätskontrolle von CALIFA. Ruben Garcia-Benito (IAA, Spanien) verantwortlich für die CALIFA-Software, die die Beobachtungsdaten in verwertbare Datensätze umwandelt, schließt: „Wir hoffen, dass die einzigartigen CALIFA-Bilder noch mehr Menschen neugierig auf unser Universum als Ganzes und Galaxien im Speziellen macht.“

Bilderklärung: Die Abbildung zeigt wie Galaxieneigenschaften systematisch mit der stellaren Masse (Anzahl der Sterne) und der Sternentstehungsrate (die Anzahl der Sterne, die jedes Jahr neu entstehen) variieren und  illustriert damit die Möglichkeiten, die das CALIFA-Projekt beim Studium der Galaxienentwicklung eröffnet. (Credit: CALIFA)

 

Weitere Details: CALIFA-Datenveröffentlichung

 

 

Wissenschaftlicher Kontakt: Dr. Jakob Walcher, jwalcher@aip.de

Pressekontakt: Kerstin Mork, 0331 7499-803, presse@aip.de

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.