Zwerge auf der kosmischen Autobahn

25. Februar 2014. In einem jetzt veröffentlichten Artikel des Magazins „Scientific American“ erklärt AIP-Wissenschaftler Noam Libeskind, warum Zwerggalaxien im Umkreis der Milchstraße auf einer Ebene angeordnet sind. Die bisherige astronomische Forschung hätte eine mehr oder weniger zufällige Verteilung dieser kleineren Galaxien vermuten lassen. Die Lösung für dieses astronomische Rätsel könnten kosmische Autobahnen aus Dunkler Materie sein.
Zwerge auf der kosmischen Autobahn

Das Kosmische Netz.

Noam Libeskind: „ Wie die meisten Galaxien wird auch die Milchstraße von zahlreichen kleineren Galaxien umkreist. Für die Milchstraße und – zu unserer großen Überraschung – nun auch für Andromeda, unsere Nachbargalaxie, haben wir festgestellt, dass diese Zwerggalaxien auf einer Ebene aufgereiht sind und sie nicht etwa willkürlich verteilt sind. Für die Milchstraße kommt außerdem hinzu, dass diese Ebene mit Zwerggalaxien fast senkrecht zur galaktischen Scheibe ausgerichtet ist.“

„Das Problem ist,“ so Libeskind weiter „ dass, wenn der größte Masseanteil im gesamten Universum aus Dunkler Materie besteht, – wovon wir ausgehen – sich diese kleineren Galaxien anders verhalten sollten. Seit Jahrzehnten zerbrechen sich Astronomen den Kopf darüber, warum die Zwerggalaxien fast schon geordnet und nicht einfach zufällig die Milchstraße umkreisen. Zahlreiche kosmologische Modelle versuchen, die Dynamik hinter diesem Phänomen dingfest zu machen. Erst jetzt konnten weitere kosmologische Arbeiten, darunter auch meine Forschung, eine überzeugende Lösung für dieses Problem präsentieren: die Zwerggalaxien strömten nicht in Scharen aus allen Richtungen gen Milchstraße, sondern wurden über kosmische Autobahnen aus Dunkler Materie („superhighways of Dark Matter”) geradezu auf sie zu geschossen. Dies erklärt die Ausrichtung und Positionierung der Zwerggalaxien.”

Der Artikel “How The Milky Way Got Its Dwarf Galaxies” erschien in der März-Ausgabe des Magazins Scientific American.

 

Bilderklärung: Auf den größten kosmologischen Skalen ist die Materie in einem Netzwerk von Filamenten verteilt, wie in dieser Computersimulation gezeigt wird. Die hellen Partien in diesem Netzwerk markieren jene Gebiete, in denen die Materiedichte hoch ist. An diesen Stellen erwartet man Galaxien zu finden. Man nimmt an, dass sich Satellitengalaxien entlang dieser kosmischen Super-Autobahnen bewegen. (Copyright: S. Gottlöber und die MultiDark Kollaboration)

Wissenschaftlicher Kontakt: Dr. Noam I. Libeskind, nlibeskind@aip.de, +49 331-74 99-641

 

Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.